.: Studien
Geschlechterstereotypen

Dünn, langhaarig und privat: Influencerinnen in der Klischeefalle

Frauen sind auf Instagram und Youtube unterrepräsentiert und bedienen veraltete Rollenklischees – so die Malisa-Stiftung von Maria und Lisa Furtwängler aus der Burda-Familie.

Influencer-Inszenierung

Bild: rawpixel

Das Verhältnis 1:2 von weiblichen zu männlichen Protagonisten – bereits in einer älteren Studie der Stiftung für Kino und TV nachgewiesen – bestätigt sich auch bei den 100 beliebtesten Musikvideos, den 100 beliebtesten YouTube-Kanälen und den Top 100 Instagram-Accounts in Deutschland.

Frauen präsentieren sich in den erfolgreichsten YouTube-Kanälen nah am Hausfrauen-Klischee aus den 50er-Jahren: privat, mit Schminktipps und Hobbies wie Basteln, Nähen oder Kochen. Auch auf Instagram sind Frauen erfolgreich, die einem normierten Schönheitsideal entsprechen: Sie sind dünn, langhaarig und beschäftigen sich hauptsächlich mit den Themen Mode, Ernährung und Beauty. Selbstinszenierung? Ja, aber im sehr begrenzten Korridor.

Musikvideo nehmen sich davon nicht aus: Frauen lassen sich sexy und passiv inszenieren. Der Anteil der Sängerinnen in den Top 100 liegt konstant bei einem Drittel.

 

Männer decken dagegen deutlich mehr Themen ab: von Unterhaltung über Musik bis zu Games, Comedy und Politik.  Verantwortlich sind für diese Entwicklung nicht nur die Influencerinnen selbst, sondern auch die User. Befragte  Youtuberinnen verweisen auf Hürden, die es erschweren aus dem Themenumfeld Beauty auszubrechen und sich neue Genres wie Comedy oder Politik zu erschließen. Sie berichten von engen Zuschauererwartungen und damit verbunden kritischen, mitunter bösartigen Kommentaren, sobald sie den normierten Erwartungen widersprechen.

Dabei könnten Auftraggeber durchaus davon profitieren, wenn die Geschlechterklischees durchbrochen würden. Die  Studie, "Ad Reaction: Getting Gender Right" des internationalen Marketing- und Marktforschungsunternehmens Kantar, zeigt, dass Werbung mit starken weiblichen Charakteren eine höhere Wirkung erzielt. Doch auch in der Werbung sind Frauen unterrepräsentiert. Die meisten Spots sind Männer-dominiert. Kommen sowohl Männer als auch Frauen vor, spielen die Männer mit einer um 38 Prozent größeren Wahrscheinlichkeit die zentrale Rolle. Frauen sind vor allem  fürsorglich und sympathisch. Nur in sechs Prozent der untersuchten Werbemittel beweisen Frauen Autorität. Dabei rufen  starke weibliche Figuren stärkere positive Emotionen beim Zuschauer hervor, so die Studie.

Stattdessen zeigt die Malisa-Studie, dass Mädchen, die Influencerinnen folgen, ihre eigenen Bilder stärker bearbeiten als solche, die ihnen nicht folgen. Sie empfinden ihr natürliches Aussehen zunehmend als unzureichend. Lisa Furtwängler, die zusammen mit ihrer Mutter Maria Furtwängler im Vorstand der Stiftung ist:

"Die Studienergebnisse haben uns vor eine Reihe von Fragen gestellt, auf die wir als Feministinnen zunächst keine Antwort haben: Warum sind die erfolgreichen Akteurinnen in den neuen sozialen Medien ausgerechnet die mit den rückwärtsgewandt erscheinenden Geschlechterrollen und wie können wir eine größere Vielfalt sichtbar machen?" 

 

Mehr zum Thema

© CPWISSEN am 30.01.2019 15:21

Zurück