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Sportwagen

G+J fährt auf Lamborghini ab

In einem mehrstufigen Pitch holte sich das Münchner Büro den Prestige-Auftrag des Lamborghini Magazins direkt vor Ort in Italien ab.

G+J fährt auf Lamborghini ab

„Wir überzeugten mit Internationalität, wie wir sie mit den Strukturen eines globalen Inhalte-Hauses anbieten können“, erläutert Aleksandra Solda-Zaccaro, Büroleiterin der Münchner Dependance von G+J Corporate Editors, den jüngsten Auto-Coup. Der mehrstufige Pitch zog sich durch den vergangenen Herbst. Am Ende kostete er die Reutlinger Agentur Köckritzdörrich einen vielfach mit Preisen bedachten Renommier-Auftrag nach nunmehr 13 Ausgaben. Bei G+J CE erweitert er dagegen das Auto-Portfolio neben Nissan nun um eine internationale Highend-Prestigemarke. Dass Solda-Zaccaro die schon im Namen erkennbare eheliche Verbandelung mit dem Land nicht zum Nachteil gereichte, will sie nicht bestreiten. Sie spricht und smalltalked perfetta italiana.

Vor allem aber punktete der Hamburger Corporate-Publishing-Spezialist mit seinem weltweiten Netzwerk von Autoren und Fotografen – unter anderen erprobt in monatlichen Magazinen wie dem Lufthansa magazin und den Audi-Geschäftsberichten. Gefallen hat offenbar auch der geplante kulturelle Wandel bei den Inhalten. Die bisherige freche Gratwanderung zwischen Geld und Grenzwelt – in Erinnerung sind noch die Erstausgaben mit der kunstvoll gravierten und teilvergoldeten James-Bond-Pistole Walther PP oder diamantenbesetzten Hundehalsbändern – sie soll einem eher klassischen Themenmix aus Design, Architektur, Literatur und Gesellschaft weichen. Ohne langweilig zu werden und natürlich auch, ohne die Zielgruppe aus dem Blick zu verlieren.

Lamborghini Aventator

Denn die Zielgruppe ist und bleibt eine Randgruppe – auch unter Reichen. Wer sich einen Lamborghini schenkt, pflegt eine ausgeprägte Leidenschaft für martialische Rennkarrossen und hat mindestens 250.000 Euro für Fahrvergnügen im Budget. Soviel kostet der Italo-Renner. Eingeschworene Fans blättern locker ein Vielfaches davon auf den Tisch. Denn der Trend geht zum Dritt-, Viert- oder Fünft-Wagen: Lamborghini-Sammeln gilt einer autofinen globalen Geld-Society als ultimativer Freizeitspaß. Welcher Testosteron-volle Europäer, Amerikaner oder Chinese identifiziert sich nicht mit dem wilden, auf Angriff gepolten Stier, wie er das Markenlogo ziert? Und erst mit einer ganzen Herde...

Neuer Reichtum in den Schwellenländern
War es einst zu großen Teilen einer Grenzwelt vorbehalten, das Geld und die Lebenshaltung für diese motorisierten Stiere aufzubringen, so haben sich mit der Globalisierung die Richtungen der Geldströme, die Quellen für Reichtum und damit auch die Eckdaten für die Marke Lamborghini massiv geändert. In Schwellenländern wächst Reichtum. China hat heute mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Dollar-Milliardäre als die USA. Sie verdanken ihr Geld vor allem dem explosiven Bauboom im Land selbst. Wang Jianlin kam so zu mehr als 14 Milliarden Dollar, wie das US-Magazin Forbes zu wissen glaubt. Der Chef des Immobilien- und Bauunternehmens Dalian Wanda Group gilt als einer der reichsten Männer Chinas. Da fallen ein paar Lamborghinis kaum ins Gewicht – sofern er die Stiere denn mag. Das neue Geld gibt sich jedenfalls ausgabewillig und draufgängerisch, zugleich gut ausgebildet, teamoffen und kultiviert.

Mit Titelkonzepten wie „Ich“ in der mit vielen internationalen Preisen gekrönten Erstausgabe des Lamborghini-Magazins im Jahr 2005 – eine edel-gestylte Ego-Hymne – lässt sich ein Großteil der Klientel heute kaum mehr erreichen. Markenprofis wie Soheil Dastyari, geschult in klassischen Werbeagenturen und heute Verlagsgeschäftsführer und Marketingverantwortlicher bei Gruner + Jahr sowie Chef der G+J Corporate Editors, wissen das und stimmen ihre Angebote darauf ab.

Größte Herausforderung wird die Bildsprache
Auch der bisherige Medienpartner Köckritzdörrich hat nachgewiesenermaßen das Gespür für Markenentwicklung, was die Agentur in etlichen Neuaufträgen für die Autobranche – unter anderem für Audi und BMW, aktuell für die Neuentwicklung Quant – gerade unter Beweis stellt. Aber den Switch von einem Markenimage in ein anderes halten wenige Agenturen aus - zumindest sehen das viele Markeninhaber so und lassen ausschreiben.

Auch künftig soll das Magazin wie bisher zwei Mal jährlich in einer inhaltsschweren Ausgabe mit 180 Seiten erscheinen. Mit 20.000 Exemplaren geht es direkt an Lamborghini-Kunden – in einer deutschen, englischen oder italienischen Sprachausgabe. Die Chefredaktion übernimmt Tim Gutke, der auch das Nissan-Magazin betreut, die Art Direktion liegt bei Jürgen Kaffer, ebenfalls G+J CE. Redaktion; Steuerung und Kundenbetreuung finden in München statt. Die große Herausforderung dürfte neben dem Text vor allem die Bildsprache sein an der Schnittstelle von Klassik und Draufgängertum. Die erste Ausgabe unter neuer Regie erscheint im April.

© CPWISSEN am 13.02.2014 09:28

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