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Google+

"Ganz neue Formen der interaktiven Kommunikation"

Noch ist es in der Betaphase, doch Google ist bereits fest entschlossen, mit Google+ den Mitbewerber Facebook heftig in Bedrängnis zu bringen. Social-Media-Experte Tim Bruysten erläutert, was für Unternehmen von Social Media allgemein und von Google+ speziell zu erwarten ist. Hier sein erster Eindruck von Google+.

Tim Bruysten

Herr Bruysten, Google hat einen neuen Dienst vorgestellt, Google+. Dahinter verbirgt sich ein neues Soziales Netzwerk. Braucht die Welt noch ein weiteres Soziales Netzwerk?
Tim Bruysten: Das ist schwierig zu beantworten, zur Zeit ist Facebook mit seinen rund 750.000.000 aktiven Mitgliedern extrem dominant. Ich meine, es kann nicht schaden, wenn Facebook eine ernsthafte Konkurrenz bekommt, die das Geschäft belebt und neue Innovationen hervorbringt.

Hat Google nicht schon genug Daten von und über uns?
Gute Frage! Es gibt ja bereits Facebook-Alternativen. Doch zumindest in unserem Kulturraum konnte sich bisher keiner auch nur ansatzweise gegenüber Facebook behaupten... Ob Google+ das nun gelingt, muss auch erst einmal abgewartet werden. Tatsächlich weiß Google bereits verdammt viel über uns und scheint zunehmend mächtiger zu werden. Ob das gut oder schlecht ist, hängt davon ab, was wir daraus machen und welche Ziele wir als Gesellschaft, Unternehmen, Staat oder Individuum mit dieser exorbitanten Verfügbarkeit von Informationen verfolgen...

Und was konkret lässt sich für Unternehmen mit Google+ machen?
Google+ scheint auf den ersten Blick zunächst ein Netzwerk für Personen zu sein. Viele Funktionen, die Unternehmen auf Facebook nutzen sind nicht oder noch nicht vorhanden. Zum Beispiel "Fan-Seiten" oder die gerade im politischen Sommerloch heiß diskutierte Veranstaltungsorganisation. Trotzdem ist Google+ auch für Unternehmen interessant, denn es sind neue Formen von hochpersonalisierter Werbung, interaktiver Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden zu erwarten. Schließlich will Google mit Google+ Geld verdienen.

Wie kann das konkret aussehen?
Die Suche von Google ist längst nicht mehr für alle gleich: Meine Suchergebnisliste ist bewertet durch meine persönlichen Interessen, aber auch die meines Sozialen Netzwerks. Und die Werbung, die dort platziert wird, ebenfalls. Ein mögliches Beispiel ist also, dass Google, wenn es im Besitz eines eigenen Sozialen Netzwerks ist, dies noch weiter treibt, als bisher: Kauft sich mein Nachbar links ein neues Auto, wird dem Nachbarn rechts ein besseres mit Rabatt angeboten. Oder, hat ein Freund nächste Woche Geburtstag und kennt Google dessen Vorlieben, kann es mir Werbung mit auf den Freund zugeschnittenen Geschenkempfehlungen einblenden. Soviel zur Macht der Daten.

Wo sehen Sie generell die Wertschöpfung bei Social Media?
Zum Beispiel bei der Marktbeobachtung, bei Kommunikationsprozessen mit den Kunden und bei Logistikentscheidungen lassen sich viel Geld und Zeit sparen. Zugleich entstehen neue Absatzmärkte in Verbindung mit Apps, Realzeit-Informationen, Location-Based-Services oder Informationen im Kontext meines sozialen und professionellen Umfelds. Neue Beratungsdienstleistungen etablieren sich. Denken Sie nur an das klassische Beispiel des Kunden, der vor einer Kaufentscheidung steht und dringend Informationen zu einem Produkt sucht… und dann im Social Web Erfahrungsberichte seines persönlichen Netzwerks mit diesem Produkt findet. Der Kreativität von Unternehmen, hier zu moderieren, zu vermitteln und einzuwirken sind kaum Grenzen gesetzt.

Tim Bruysten, Geschäftsführer der Richtwert GmbH, ist Referent bei der Akademie des Deutschen Buchhandels.

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© CPWISSEN am 11.07.2011 09:20

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