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Annette Siragusano, Comdirect Bank

"Digitalisierung ist unsere DNA"

Die Comdirect Bank hat sich 2014 entschieden, für ihre Interne Kommunikation nur noch digitale Kanäle zu nutzen. Wir sprachen mit Annette Siragusano, Leiterin Unternehmenskommunikation, über Erfahrungen mit diesem komplett digitalen Weg – und über Effizienznachweise.

Annette Siragusano, Comdirect Bank

Annette Siragusano leitet die Unternehmenskommunikation der Comdirect Bank seit September 2015, zuvor war sie mehr als drei Jahre für die Interne und Pressekommunikation verantwortlich.


Frau Siragusano, wie denken und leben Sie Interne Kommunikation bei der comdirect und wie positionieren Sie com.mit?

Als ein ganzheitliches Konzept, das Inhalte mitarbeiterzentriert kommuniziert und mit kanalgerechten Formaten für Aufmerksamkeit sorgt. Mitarbeiter werden nicht „zugetextet“, sondern holen sich selbstbestimmt nach dem Pull-Prinzip die Informationen, die sie brauchen und schätzen. Wir richten dabei unsere Aktivitäten auf unsere Mitarbeiter aus und denken konsequent aus ihrer Sicht. Neben einer Vielzahl von Veranstaltungen sind die zwei zentralen Plattformen der Internen Kommunikation unser Social Intranet com.unicate, kurz com.u, und unser digitales Mitarbeiter-Magazin com.mit.

Es setzt bei den Mitarbeitern eine gewisse Erfahrung voraus, was sie von welchem Medium erwarten dürfen...
Richtig. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Die Funktion einer neuen komplett digitalen Kontoeröffnung mit Kontoumzugsservices wird im Intranet erstmals als Nachricht kommuniziert und in einzelnen Schritten detailliert beschrieben. In der com.mit würden wir dann erläutern, wer sich diesen Service ausgedacht, an ihm mitgearbeitet hat oder welche Hürden im Projekt zu bewältigen waren. Wir werfen also einen komplett anderen Blick auf das Thema und interessieren uns für die Menschen dahinter, ihre Kreativität und ihre Power.

Product Owner treiben Themen voran und sind für ein spannendes Ergebnis verantwortlich

Ein Thema durchzieht über einen definierten Zeitraum kampagnenartig die internen wie externen Kanäle mit unterschiedlichen Informationen. Wie vermeidet man doppelte Arbeit und sichert schlanke Produktionsprozesse?
Wir sind ein Team von sechs Mitarbeitern, die sowohl für die externen als auch die internen Kommunikationskanäle schreiben. Unser Projektmanagement funktioniert nach agilen Prinzipien in einem fortlaufenden Prozess und passt sich damit flexibel den Kommunikations-Anforderungen an. Seit knapp zwei Jahren arbeiten wir im Team nach Kanban. In unseren daily Stand-ups werden neben dem Thema zugleich die Priorisierung und die Formate für die unterschiedlichen Kanäle festgelegt. Das Team arbeitet allerdings nicht vorrangig Medienkanal- sondern Inhalts-bezogen.

Die Inhalte bauen aufeinander auf, sodass einmal erzeugte inhaltliche Kernelemente auch nur einmal abgestimmt werden müssen, bevor sie auf die Kanäle adaptiert werden. Natürlich haben wir zudem noch so genannte PO, also Product Owner. Sie treiben das Thema voran und sind verantwortlich für ein spannendes Endergebnis. Bei der com.mit ist dies zum Beispiel Sonja Friedrich. Hier werden die Themen, die wir von Seiten der Unternehmenskommunikation setzen, im Rahmen von Themenkonferenzen durch Themen und Ideen von Mitarbeitern ergänzt.

Sie sind bei den Formaten für die jeweiligen Kanäle recht kreativ. Es gibt Speed-Datings als Innovationstreiber oder Umfragen, Kommentare und Filme im Social Intranet und Einschätzungs-Barometer mit Reglern in der com.mit. Wie entstehen solche Highlights?
Viele der Formate haben wir im Team entwickelt. Oftmals pilotieren wir das auf Veranstaltungen, wenn es gut funktioniert, dann rollen wir das im Haus auch für andere Themen aus. Beispiel hier ist das Ideen-Speed-Dating. Viele Formate entstehen aber durch den natürlichen Umgang mit Digitalisierung. Das ist wenn man so will unsere DNA im Haus. Daher ist es bei uns ganz normal, dass auch unser Vorstand an seine Follower Inhalte postet und auch bei Reaktionen antwortet. Und natürlich schauen wir uns auch immer wieder Formate im Web an und prüfen sie auf Tauglichkeit für unsere Bedürfnisse – und werden auch immer wieder fündig...



Spielerisch schaffen wir Anknüpfungspunkte für Kontakte

... wie beispielsweise beim Einschätzen von Mitarbeiter-Vorlieben in com.mit.
Die Idee des Reglers in der com.mit war Ergebnis des Start-Workshops für das neue Mitarbeitermagazin. Wir suchten nach einem Tool, über das sich Mitarbeiter untereinander besser kennen lernen und Anknüpfungspunkte für Kontakte geschaffen werden können. So entstand die Idee der Mitarbeiterporträts, das wir an der Frage nach der „Lieblingsbank“ – die zum Draufsitzen – des Mitarbeiters aufhängen und ergänzen durch ein „Einschätzungs-Spiel“, bei dem die Leser über Regler beispielsweise einschätzen, ob der Porträtierte lieber Tee oder Kaffee trinkt, lieber Spaghetti oder Bratwurst isst, lieber wandert oder segelt. Unter dem aktuellen Porträt sind auch alle bereits vorgestellten Kollegen abrufbar So ist das übrigens in jeder Rubrik: Die Microsite mit der jeweils aktuellen Ausgabe ist zugleich Archiv für alle bisher erschienenen Ausgaben.

Wie hoch sind die Zugriffe pro Ausgabe?
Wir sind mit den im Schnitt mehr als 1.500 Visits bei rund 1.000 Mitarbeitern bei Comdirect mehr als zufrieden. Und wir sehen, dass die Mitarbeiter durchschnittlich etwa 10 Seiten ansehen, das ist gut. Viele sind aktiv unterwegs, sie kommentieren und nehmen am Gewinnspiel teil. Sonja Friedrich, die unsere com.mit mit Herzblut betreut, freut sich am meisten über die inhaltliche Bewertung nach Schulnotensystem, denn diese zeigt, dass wir mit den Inhalten die Themen der Kollegen treffen und sie gut „abholen“: die Note für die letzte Ausgabe war eine 1,9.


Man klickt unsystematisch und liest in Häppchen

Ganz ehrlich, kann com.mit das früher gedruckte Magazin compact komplett ersetzen?
Ja, auf jeden Fall. Und es passt zu uns, denn wir sind als Direktbank durch und durch digital. Wenn man so will, waren wir vor 20 Jahren zur Gründung eines der ersten Fintechs...

Eines Anbieters moderner Finanztechnologie...
... auch wenn man den Begriff so damals noch nicht kannte. Die com.mit ermöglicht uns eine optimale Verknüpfung von unterschiedlichen Formaten. Außerdem können wir hier alle Möglichkeiten des Mediums „Online“ ausschöpfen, beispielsweise indem wir Videos und Foto-Slide-Shows einbinden – eine spannendere Art Inhalte darzustellen. Aber das Nutzungsverhalten ist komplett anders – während man die compact von vorne bis hinten durchgeblättert hat, klickt man sich in der com.mit nach Interesse, also zumeist „unsystematisch“ durch die einzelnen Inhalte. Man liest in kleinen „Häppchen“ – das entspricht der heutigen Zeit. Und so sind alle Geschichten in sich abgeschlossen und die com.mit Microsite ermöglicht einen direkten Einstieg in jede Rubrik. Darüber hinaus kann es auch vorkommen, dass man etwas Interessantes in einer vorherigen Ausgabe findet – denn wie gesagt, ist die Microsite gleichzeitig ein Archiv. Schließlich können wir über das Social Intranet immer wieder direkt auf com.mit Artikel verweisen, und umgekehrt: Die Kanäle sind über Links eng miteinander vernetzt.

Unserer Erfahrung nach sind die Zugriffe auf extern verfügbare Medien der Internen Kommunikation gering

Haben Sie darüber nachgedacht, das Magazin auch der externen Kommunikation zu öffnen?
Ja, aber wir haben uns dagegen entschieden. Die com.mit fokussiert Mitarbeiter und gibt auch immer etwas Persönliches von ihnen preis. Ganz gleich, ob das nun Hobbys sind, Meinungen oder sonstige Vorlieben. Dieses Persönliche macht das Magazin lesenswert, ist zugleich aber auch schützenswert und sollte daher nicht vor der großen Öffentlichkeit ausgebreitet werden. Vermutlich würden unsere Kollegen das auch nicht wollen. Dazu kommt: Nach unserer Erfahrung sind die Zugriffe auf extern verfügbare Medien der internen Kommunikation eher gering.

Produzieren Sie zur com.mit auch eigene Mobile-Versionen?
Nein, aus Sicherheitsgründen laufen unsere kompletten Inhalte auf einer zugriffsgeschützten App, so auch die com.mit. Diese ist im responsiven Design programmiert und damit auch leicht über Tablet und Smartphone nutzbar.


commit gewinnt Gold bei den Fox Awards

© CPWISSEN am 27.10.2015 18:58

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