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Social Media als Chance im CP

“Das iPad als Testballon“

Seitdem das Smartphone zum ständigen Begleiter vieler Menschen geworden ist, boomt die Nachfrage nach Apps. Im Interview erläutert Tim Bruysten, Geschäftsführer der Richtwert GmbH, Lehrbeauftrager an der Mediadesign Hochschule Düsseldorf und an der Hoogeschool Zuyd Maastricht sowie Dozent an der Buchakademie, warum es für Unternehmen auch interessant ist, Apps für Tablet PCs und internetfähige Fernseher zu entwickeln.

“Das iPad als Testballon“
Tim Bruysten

Die Zahl der iPad-Besitzer hierzulande ist noch recht überschaubar. Warum lohnt es sich dennoch, Apps fürs iPad zu entwickeln?
Tim Bruysten: Viele Firmen unterschätzen die Reichweite des Webs im Allgemeinen und von Apps im Speziellen. Auch in scheinbar sehr kleinen oder "besonderen" Zielgruppen zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass die Verbreitung der neuen Technologien und Medien sehr weit fortgeschritten ist. Trotzdem sollte niemand eine App um der App Willen produzieren. Fehlt der echte Mehrwert für den Nutzer, ist das Engagement angesichts der hundertausendfachen Konkurrenz durch andere Apps umsonst. Für Unternehmen ist das iPad ein guter Testballon: Es ist eine klar abgegrenzte, gut einschätzbare Umgebung, die es erlaubt, ein neues Medium kennen zu lernen und gleichzeitig schon Geld zu verdienen. Denn soviel ist sicher: Mobilen Geräten wie Tablet-PCs wie iPad, Xoom oder Kindle, Smartphones und Geräten wie dem iPod Touch gehört die Zukunft. Schon im letzten Jahr sind mehr mobile ‚Computing-Geräte’ verkauft worden als PCs.

Was macht eine wirklich gute App aus?
Es ist wichtig, eine App nicht isoliert zu sehen. Sie sollte sinnvoll in die Gesamtkommunikation eines Unternehmens eingegliedert werden und dem Kunden einen wirklichen Mehrwert bieten. Das iPad bietet viele Möglichkeiten für die Nutzung der integrierten Sensoren, die Vernetzung mit anderen Daten oder mit Services wie Google-Maps, Streetview, Location Based Services und mehr. Zudem ist das Web als Ganzes ein ‚Social Web’ geworden. Das gilt auch für Apps. User möchten Informationen kommentieren, annotieren, weiterempfehlen, bewerten und Feedback geben. Man sollte auch keinesfalls vergessen: Das Web ist kein Textmedium, es ist ein Kontext-Medium. Für Apps gilt dies erst recht. Bewegte Bilder, große und hochwertige Fotostrecken können auf den Displays von iPhone, iPad oder auch Android-Phones gut in Szene gesetzt werden.

Und wie sieht der ideale App-Vertriebsweg aus?
Der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Apps lassen sich am Point-of-Sale genauso gut vermarkten wie in Facebook oder auf einer Website. Die Frage ist immer, welchem Zweck eine App dient und was im Kontext dieses Zwecks sinnvoll ist. Von Nike gibt es bespielsweise die App ‚Nike+ GPS’, die mich im iPhone bei meiner Jogging-Tour begleitet und gleichzeitig meine sportlichen Aktivitäten in mein soziales Netzwerk integriert. So können meine Freunde zeitversetzt auf der gleichen Strecke gegen mich antreten und wir können unsere gemeinsamen Erfolge auf Facebook mit anderen teilen. Über Facebook wird die App damit nicht erst klassisch beworben, sondern direkt in das soziale Umfeld der Nutzer integriert.

Inzwischen kommen immer mehr Fernseher mit Internet-Anschluss auf den Markt, auf denen sich Internet-Videos oder Online-Nachrichten bequem per Fernbedienung abrufen lassen. Neue Chancen für Corporate Publisher?
Oh ja, das ist eine große Chance, die es kreativ zu nutzen gilt. Corporate Publishing-Produkte waren bisher oft Medien, die aktiv konsumiert werden mussten. Mit der Möglichkeit, den Fernseher oder Beamer im Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Büro zu bespielen, hat CP nun den Freiraum, ‚Lean-Back-Situationen’ zu schaffen. Wie die Inhalte konkret aussehen, hängt natürlich von dem jeweiligen Produkt, der Zielgruppe und dem Unternehmen ab. Auch Lösungen wie Apple- oder Google-TV bieten vielfältige Möglichkeiten.

Von welchem Corporate App-Konzept können Neulinge im App-Geschäft lernen?
In diesem Geschäft ist zur Zeit noch fast jeder ein Neuling - mit allen Chancen. Es gibt breits zahlreiche sinnvolle und unterhaltsame Apps. Ein gelungenes App-Konzept hängt immer von einer exzellenten Analyse der Nutzer-Bedürfnisse ab. Wichtig ist jedoch immer, dass ein Mehrwert geschaffen wird, dass es Spaß macht, die App zu benutzen und dass sie hochwertig gestaltet ist.

Tim Bruysten ist Referent des Seminars Apps in der Corporate Communication, das die Akademie des Deutschen Buchhandels am 27. Juni 2011 in München veranstaltet.

Alle Infos zur Veranstaltung

© CPWISSEN am 01.06.2011 14:30

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