.: Strategie
Buchakademie-Referent Robert Franken

"Wer in einer thematischen Nische zuhause ist, sollte diese auch besetzen"

Robert Franken, Geschäftsführer von Pixelhouse, dem Betreiber des G+J-Kochportals Chefkoch.de, ist Referent der 1. Strategiekonferenz Business Innovation „Das Neue und seine Feinde – Wie Publisher neue Geschäftsfelder erschließen können“. Im Interview erläutert er die Entwicklung des Portals Chefkoch.de zum Ökosystem.

Robert Franken

Herr Franken, was macht den Erfolg von Chefkoch.de aus?
Robert Franken: Grundvoraussetzung ist: absoluter Fokus auf den Nutzer-Bedarf, das heißt, Ausweiten des Angebots auf alle Zugangswege, Devices und Erwartungsräume. Wir verstehen uns weniger als Web-Plattform denn als Service-Anbieter. Unser Ziel ist es, Chefkoch.de zu einem Ökosystem zu entwickeln. Wir konzentrieren uns dabei auf die Bedürfnisse unserer Nutzer nach Information, Kommunikation und Inspiration im Kontext Food.

Wie kann die Corporate Communication davon profitieren?
Chefkoch.de war einer der ersten Player am Markt und profitiert von einer ungeheuren Präsenz bei Google. Grundsätzlich eignet sich unser Thema, Rezepte, sehr gut für einen digitalen Service mit einer starken Community. Aber es gibt sicherlich viele Themenfelder, in denen das ähnlich ist. Wer als Unternehmen in einer thematischen Nische zuhause ist, der sollte diese Nische auch entsprechend besetzen. Interaktion mit den Kunden und Nutzern ist dabei ohnehin essentiell.

Wie erzeugt man die nötige Innovationskultur?
Innovation ist das Ergebnis guter Arbeit am Produkt und der Fähigkeit, gelegentlich den Blick zu heben und das große Ganze zu betrachten. Alle Team-Mitglieder sind aufgerufen, sich einzubringen, nicht zuletzt, um die Abteilungs-Perspektiven zu berücksichtigen. Denkverbote gibt es nicht. Zwei Aspekte sind wichtig: Zum einen braucht es ausreichend Freiraum vom Tagesgeschäft – nur so können neue Ideen überhaupt erst entstehen. Und: Es braucht den Mut, Dinge auszuprobieren und Fehler zuzulassen. Organisationales Lernen wäre ohne Lernen nahezu ausgeschlossen.

Das Businessmodell hinter Chefkoch.de ist aktuell die Anzeigenfinanzierung. Sind auch andere Geschäftsmodelle denkbar?
Es gibt auch hier keine Denkverbote, vieles ist möglich. Aber noch einmal: Wir konzentrieren uns auf unser Produkt und die Nutzer-Bedürfnisse. Wenn wir Letztere optimal befriedigen, dann ergeben sich daraus automatisch Geschäftsmodelle. Umgekehrt funktioniert diese Gleichung übrigens nicht, jedenfalls nicht nachhaltig.

Über die Aktivitäten und Interaktionen auf Chefkoch.de werden massenweise Zielgruppen-Daten gesammelt. Wie gehen Sie in puncto Big Data Analyse vor?
Wir analysieren Daten zur Optimierung unseres Angebots. Über hunderttausend neue Forenbeiträge werden Monat für Monat bei Chefkoch.de verfasst, mehr als eine Milliarde Rezepte jährlich aufgerufen. Für uns ist es wichtig, die richtigen Fragen zu stellen und Schwerpunkte zu setzen – erst dann kommen Analyse-Ansätze ins Spiel.

Welche Erkenntnisse haben Sie über Ihre Zielgruppe bereits gewonnen und wie beeinflussen diese die weitere Entwicklung?
Eine Erkenntnis ist nicht neu: Chefkoch.de bedient bis zu 15 Millionen Nutzer pro Monat. Wir sind also die Summe der einzelnen Teile aller Geschmäcker. Und diese Summe ist zumeist einigermaßen erwartbar: Pfannkuchen geht immer, Kürbis und Spargel werden saisonal gekocht und zu den Feiertagen muss es auch einmal etwas Besonderes sein. Je weiter man aber in die Tiefe der Community einsteigt, desto mehr Schätze findet man. Doch vor jedem neuen Geschäftsfelder steht die Frage, ob das die Masse wirklich haben will.

Sie gehen gerade den umgekehrten Weg der Verlage: Aus einer digitalen Plattform entsteht nun eine Print-Zeitschrift.
Das Heft ist die logische Weiterentwicklung unseres Angebots. Es kuratiert unsere riesige Rezepte-Vielfalt und schafft so eine ganz andere Herangehensweise. Wir freuen uns sehr über dieses tolle, neue Produkt und das begleitende E-Magazine. Wichtig ist die enge Verzahnung mit dem digitalen Kern und die Einbeziehung der Community.

Die Fragen stellte Jacqueline Hoffmann
Der Strategiegipfel findet am 29.10.2013 im Literaturhaus München statt. Veranstaltet wird er von der Buchakademie.
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© CPWISSEN am 24.10.2013 10:51

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