.: Strategie
Kommt Ihnen das bekannt vor?

F:mp beklagt schlechte Sitten im Umgang mit der Druckbranche

Der Fachverband Medienproduktioner e.V. (f:mp.), dessen Mitglieder immerhin ein Volumen an Printeinkäufen in Höhe von 3,1 Milliarden Euro verantworten, äußert sich besorgt angesichts des Einkaufsverhalten in der Druckbranche.

F:mp beklagt schlechte Sitten im Umgang mit der Druckbranche
Appell an die Verantwortung: Rüdiger Maaß

Vorstand und Geschäftsführung des F:mp wollen mit einer Stellungnahme das Verantwortungsbewusstsein von Printbuyern und Dienstleistern für die Medienindustrie schärfen.

Vor allem einige internationale Einkaufs- und Produktionsagenturen sind dem F:mp ein Dorn im Auge. Denn sie kennen beim Einkauf von Medienleistung nur noch ein Kriterium: den Preis. Der Verband warnt, dass die klassische Printkommunikation dadurch schon deutlich an Wertschätzung verloren habe. Mit Folgen für die technische Produktion, aber auch für die Wirkung von Printmedien grundsätzlich.

„Erschreckend ist, dass hierdurch nicht nur ein enormer volkswirtschaftlicher Schaden verursacht wird, sondern sich auch die Umgangsformen in der Branche verschärfen“, schimpft Rüdiger Maaß, Geschäftsführer des F:mp. Unfaires Geschäftsgebaren sei an der Tagesordnung. Das spiegele sich nicht nur in den Preisverhandlungen, sondern auch in den teilweise utopischen Zahlungszielen wieder, so Maaß. In Verbindung mit zum Teil mangelnder Fachkompetenz der Printbuyer und Einkäufer sieht er darin eine ernsthafte Gefahr für die Zukunft vieler kleiner und mittelständischer Dienstleistungsbetriebe, "die mit ihrem Können und Know-how eigentlich einen wesentlichen und entscheidenden Beitrag zum Erfolg von Kommunikation leisten.“

Die Leidens-Liste der Druckbranche

  • Internationale Einkaufsagenturen nutzen elektronische Kommunikationsmittel, um für Kampagnen bis zu 100 Druckdienstleister gleichzeitig anzufragen.

  • Preisangebote von Online-Druckereien werden regelmäßig gezielt dazu benutzt, mittelständische Druckdienstleister mit Billigpreisen zu konfrontieren und dadurch den Preisdruck auf sie zu erhöhen.

  • Die Komplexität der Ausschreibungen und der angefragten Produkte ist oft schier grenzenlos und bindet extrem hohe Ressourcen in den Kalkulationsabteilungen der Dienstleister.

  • Ausschreibungen werden immer öfter über Internetauktionen „verhandelt“.

  • Nach umfangreichen Ausschreibungen werden im Nachgang die Preise der günstigsten Anbieter mit webbasierten Niedrigstpreis-Bieter-Systemen („Ebay-Rückwärts“) noch weiter nach unten getrieben.

  • Anfragen werden oft ohne das nötige Fachwissen gestellt. So erhalten Druckdienstleister Anfragen, die gar nicht für den vorhandenen Maschinenpark geeignet sind und somit dort auch nicht effizient produziert werden können.

  • Anfragen sind häufig fachlich nicht eindeutig, unvollständig oder eher unscharf formuliert. Vom Dienstleister wird aber ein Preis auf den Punkt verlangt. Gleichzeitig werden mögliche Zusatzaufwände aufgrund von Änderungen, Ergänzungen, Erweiterungen im Auftragsfalle von vornherein ausgeschlossen.

  • Anfragen suggerieren druckbare Daten. Treffen die vermeintlichen Druckdaten dann ein, sind diese oft nicht zu gebrauchen und müssen nachgearbeitet werden. Dann erfolgt oft eine Diskussion über die dafür entstehenden Kosten.

  • Zusätzliche Kosten durch Änderungen und Abweichungen im laufenden Prozess hat oft der Dienstleister zu tragen (Beispiel: Daten kommen drei Wochen später, der Endtermin ist jedoch bindend).


Die Forderungen des F:mp
Der Fachverband wendet sich an alle Printbuyer - auch an die eigenen Mitglieder -, und fordert:

1. mehr Verantwortung: Medienproduktioner und Printbuyer sollten sich als Einkäufer der Verantwortung gegenüber den Lieferanten bewusst sein und stets faire, berechenbare und transparente Verhandlungen auf „Augenhöhe“ unter Partnern führen. Ausschreibepraktiken dürfen nicht nur zum Ziel haben, allein den allergünstigsten Einkaufspreis zu erzielen, sondern müssen auch ökologische, sozialpolitische und qualitative Gesichtspunkte berücksichtigen.

2. mehr Kooperation: Printbuyer sowie Werbungtreibende sollten sich darüber im Klaren sein, dass der Einkauf von standardisierten, industriellen Druckprodukten über den Preis nur eine Seite der Medaille ist. Ein langfristiges Ziel muss es sein, dass die Auftraggeber in der Zusammenarbeit mit Medienproduktionern und Dienstleistern ihre Printprodukte so weiterentwickeln, intelligenter gestalten und positionieren, dass diese im Rahmen der Medienkonvergenz ihre Vorteile zu 100 Prozent ausspielen können.

3. mehr Mut: Zugleich besteht an Druckdienstleister die dringende Aufforderung, zu reellen Preisen anzubieten. Dazu gehört, dass die Maschinen nicht im wörtlichen Sinn ‚um jeden Preis‘ ausgelastet werden. Dazu gehört auch der Mut, nicht jede scheinbar lukrative Anfrage zu einem Dumpingpreis anzubieten.

Einen Kommentar zum Thema erreichte die Redaktion unter dem Beitrag Pfeiffer Vacuum bleibt seinem Produktioner treu.

Schaufelt die Printmedienbranche in Deutschland gerade ihr eigenes Grab? Lässt sich daran etwas ändern - oder ist das der zu zahlende Preis für die Globalisierung? Ihre Meinung interessiert uns.

© CPWISSEN am 15.04.2014 19:17

Zurück