.: Strategie
Neues Newsroom-Konzept

Die Versicherungswirtschaft bläst zum redaktionellen Angriff

Unter der Regie von Ex-Siemens- und Handelsblatt-Mann Christoph Hardt stellt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) seine Kommunikation strategisch und organisatorisch neu auf.

Die Versicherungswirtschaft bläst zum redaktionellen Angriff
Christoph Hardt

Der GDV hat seinen Newsroom neu organisiert. Das klingt zunächst nach ein bisschen Trommelwirbel, um sich einmal mehr ins Gespräch zu bringen, könnte aber mehr werden. Denn der GDV will seinen Newsroom deutlich kompetenter positionieren denn als eine modische Umschreibung einer Pressemitteilungsanstalt.

Die Versicherungswirtschaft will das Zepter selbst in die Hand nehmen und die Medien mit qualifizierten Inhalten, formuliert von ausgebildeten Journalisten, bereichern. Es soll künftig "aktives Themenmanagement" betrieben werden, das "redaktionell gesteuert wird", so die Newsroom-Macher.

Dafür wurde das Presse- und Öffentlichkeitsteam deutlich verstärkt. Oberster Kommunikationschef ist Christoph Hardt. Hardt kam bereits im September 2013 von Siemens, wo er ebenfalls ein umfangreiches Newsroom-Konzept einführte und reichlich Erfahrung sammeln konnte. Zuvor war er stellvertretender Ressortleiter Unternehmen und Märkte beim Handelsblatt. Hardt ist beim GKV in Geschäftsführer-Funktion unterwegs.

Leiter des Newsrooms wird zum 1. September 2014 Wirtschaftsjournalist Jörn Paterak. Der Holtzbrinck-Journalistenschule-Absolvent koordinierte ab 2004 bei der Financial Times Deutschland als stellvertretender Ressortleiter die Unternehmensberichterstattung. Zuletzt suchte er nach neuen Herausforderungen als Chefredakteur des Magazins Spielraum, des Karriereportals Xing sowie eines Web-TV Portals. Unterstützt wird Paterak von drei Teams, die sich um die interne und externe Kommunikation sowie um die Online- und Social-Media-Kanäle kümmern.

Die strategische Ausrichtung der Kommunikation liegt künftig in den Händen der bisherigen GDV-Sprecherin Ulrike Pott. Als Pendant zu Paterak ist sie für die mittel- und langfristige Planung der Schwerpunktthemen zuständig. Ihr arbeiten ein Team Fachkommunikation sowie ein neu geschaffener Reporterpool zu. Die gelernte Volkswirtin hatte die bisherige Abteilung Presse und Information 2008 übernommen. Sie verantwortet auch das GDV-Magazin Positionen, das von der Magazin Verlagsgesellschaft Süddeutsche Zeitung mbH umgesetzt wird.

Viel Arbeit an der Imagefront
Hardt ist vom neuen Konzept und der personellen Besetzung überzeugt: „Mit Ulrike Pott und Jörn Paterak stehen zwei hoch professionelle und bestens vernetzte Kommunikatoren auf der Leitungsebene des neuen Geschäftsbereichs.“

Inwieweit sich mit dem neuen Newsroom-Konzept die öffentliche Wahrnehmung der Versicherungen beeinflussen lässt, muss sich zeigen. Es ist jedenfalls anzunehmen, dass sich das journalistische Gespann seinen Zugang zu den Medien über alle denkbaren Wege bis hin zum Native Advertising bahnen wird. In Sachen Image gibt es schließlich nach erotischen Badesausen als Incentive für Vertriebler und anderen Ungereimtheiten von Verbandsmitgliedern viel zu tun.

Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis sich weitere Unternehmen und Organisationen solchen Newsroom-Konzepten anschließen. Die Zeiten sind günstig, um sich vom großen Kompetenz-Pool bedienen, der mit der anhaltenden "Freisetzungs"-Welle der Großverlage beinahe täglich befüllt wird.

© CPWISSEN am 01.09.2014 12:15

Zurück