.: Strategie
Interaktives Intranet

„Content-Kompetenz bleibt unverzichtbar“

Interaktives Intranet wird von einigen Unternehmenschefs als „Firmen-Facebook“ missverstanden, als Spielzeug zum Plaudern. Falsch, sagt Oliver Chaudhuri, Berater bei Hirschtec. Er beschreibt Wege, wie das interaktive Intranet zur sprudelnden Ideenquelle werden kann und welche Rolle externe Redakteure dabei spielen.

„Content-Kompetenz bleibt unverzichtbar“

Herr Chaudhuri, wie würden Sie die wesentlichen Aufgaben eines Intranets heute definieren?
Ein gutes und produktives Intranet steht auf drei Säulen: Information, Interaktion, Kollaboration. Es bietet die klassischen redaktionellen Inhalte, Prozessabbildungen und Dokumentenverwaltung. Die Nutzer können aber auch eigene Inhalte erstellen und sich mit den Kollegen vernetzen. Mehr noch: Ihre detaillierten Mitarbeiterprofile erleichtert die Expertensuche im eigenen Haus, Projektteams gründen Gruppen oder virtuelle Arbeitsräume und vertiefen dort gemeinsam ihr Wissen. Und das niedrigschwellig und in Echtzeit.

Die Realität sieht vermutlich oft noch ganz anders aus. Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?
Unterschwellig schwingt bei manchen Führungskräften noch die Befürchtung mit, die Interaktionsmöglichkeiten von Social Intranets könnten nicht zum produktiven Arbeiten, sondern zum Plaudern genutzt werden - das Instrument wird als „Firmen-Facebook“ missverstanden. Großen Nachholbedarf sehe ich auch bei der Nutzerfreundlichkeit, der intuitiven Bedienung und der Darstellung.

Wieviel Dialog verträgt
die Organisation tatsächlich?

Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur?
Das Intranet muss grundsätzlich zum Unternehmen und zu seiner Kultur passen, sonst droht eine Investitionsruine ohne Nutzerakzeptanz. Die gute Nachricht: Für jedes Unternehmen gibt es das passende Intranet. Man muss nur vor dem Start die richtigen Fragen stellen, etwa: Wie vertrauensvoll arbeiten die Menschen gewöhnlich zusammen? Wie offen tauschen sie Ideen aus? Vor allem: Wieviel Dialog verträgt die Organisation tatsächlich?

Welche Rolle spielen soziale Plattformen heute schon – und wie sehen Sie deren künftige Entwicklung innerhalb der internen Kommunikation? Können soziale Plattformen das klassische Intranet ersetzen?
Das Mitmach-Intranet wird im Büroalltag so selbstverständlich sein, wie es heute schon Telefone und Flipcharts sind. Zum einen erwarten jüngere Mitarbeiter dies von ihrem Arbeitgeber. Sie wollen digitale, webbasierte Services, die sie aus ihrem privaten Umfeld kennen, auch im beruflichen Kontext nutzen. Weiterer wichtiger Treiber ist die Digitalisierung von Geschäftsprozessen: Wer sich nach außen mit seinen Kunden und Partnern stärker vernetzen will, muss erst einmal nach innen vernetzt sein und seinen Mitarbeitern die richtigen Instrumente für die Arbeitswelt 4.0 bereitstellen.

Wer führt heute die Riege der Intranet-Software-Anbieter an – wer bei Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern und wer bei kleineren?
In größeren Unternehmen behauptet Microsoft SharePoint seine führende Position, da es vergleichsweise einfach zu verwalten und zu skalieren ist und die Nutzer die Nähe zu den Office-Anwendungen schätzen. Generell ist der Markt für Intranet-Lösungen von hoher Dynamik geprägt. Wachsender Beliebtheit, gerade bei mittelgroßen Unternehmen, erfreuen sich Anbieter wie Bitrix24, Just, Coyo oder Interact. Für viele KMUs gewinnt auch die Option eines schlüsselfertigen Intranets zum Festpreis an Attraktivität.


Der einfache mobile Zugriff
wird zum Erfolgsfaktor

Wo sehen Sie Entwicklungsbedarf bei den aktuellen IT-Lösungen?
Der einfache mobile Zugriff wird zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Viele Menschen arbeiten im Home Office, sind auf Geschäftsreise oder vor Ort bei ihren Kunden. Dabei setzen sie neben Bürocomputern ihr Smartphone und den Tablet-PC samt Apps ein. Daraus folgt die Notwendigkeit responsiven Designs, also die optimierte Darstellung auf allen Endgeräten.

Sehen Sie die Zukunft eher in komplexen IT-Lösungen aus einer Hand – oder im Zusammenspiel mehrerer Lösungen über definierte Schnittstellen?
In vielen Organisationen ist nichts so beständig wie der Wandel, daher verwundert es nicht, dass immer mehr Unternehmen mit einem neuen Intranet keine großen Entwicklungsprojekte mehr verbinden. Stattdessen wollen sie möglichst mit Standardlösungen eine interaktive Oberfläche einführen, die flexibel handhabbar ist und Freiräume bei der Ausgestaltung lässt.

Weniger Schreiben,
mehr moderieren

Sie kommen aus dem Verlagsgeschäft und haben das journalistische Handwerk bei der Westdeutschen Zeitung gelernt. Wie bringen Sie Ihre Content-Kompetenz bei Aufbau und Pflege eines Intranets bei Ihren Kunden ein?
Im Social Intranet betreiben Mitarbeiter Kommunikation ohne Kommunikateure. Das verändert die Arbeitsweise der Redakteure. Ihr Fokus liegt weniger im Schreiben oder der Verwaltung der Startseite, zunehmend dagegen ist ihre Expertise als Kommunikationsmanager gefragt: Wie begleite und belebe ich Gruppendiskussionen? Wie verzahne ich meine Intranet-Kommunikation wirkungsvoll mit weiteren Medien und Aktivitäten? Wie nutze ich User-generated Content als Themenradar? Um diese Fragen zu beantworten, braucht es auch künftig redaktionelles Know-how und ein hohes Medienverständnis. Content-Kompetenz bleibt also unverzichtbar.

Zur Aufgabe externer Content-Experten: Sehen Sie diese eher bei der Informationsarchitektur oder beim Bearbeiten der Inhalte?
Beides gehört zusammen und ist nicht zu trennen. Deshalb setzen Unternehmen zunehmend auf Partner wie Hirschtec, die beide Disziplinen beherrschen und aus einem Guss bieten. Denn diese Spezialisten gewinnen in der Konzeptionsphase tiefgehende Einblicke in die Organisation des Kunden und können so die Themen, die das Unternehmen bewegen, besser verstehen.

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© CPWISSEN am 12.06.2016 14:55

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