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Adobe Digital Publishing Solution

„Wir stellen das Print-Paradigma auf den Kopf“

Mit der jüngst gestarteten Digital Publishing Solution will Adobe eine neue Ära des digitalen Publizierens einläuten. Ingo Eichel erklärt im Interview das Prinzip des neuen Softwarepakets.

„Wir stellen das Print-Paradigma auf den Kopf“
Ingo Eichel

Herr Eichel, fünf Jahre ist ein langer Zeitraum für eine neue Version der Adobe Digital Publishing Suite. Warum hat sich Adobe mit einer grundsätzlichen Weiterentwicklung der Suite so viel Zeit gelassen?

Eichel: Wir müssen hier zwischen Suite und Solution unterscheiden. Die bisherige Digital Publishing Suite wurde kontinuierlich weiterentwickelt, es gab ständig Updates. Nach fünf Jahren haben wir aber erkannt, dass wir einige Dinge grundsätzlich anders aufsetzen müssen. Jetzt haben wir mit der Digital Publishing Solution eine komplett neue Plattform entwickelt, die sich grundsätzlich von ihrer Vorgängerversion unterscheidet.

Was ist das Neue an der Solution im Vergleich zur Suite?
Schauen wir fünf Jahre zurück: Es gab die Ausgabe eines Printmagazins; Heftstruktur, Artikel innerhalb dieser Form, Fotos, Layouts wurden festgelegt, und dann wurde publiziert – gedruckt oder eine Tabletversion erstellt. Nun stellen wir das Print-Paradigma auf den Kopf. Mit der Solution gestatten wir ein Artikel-basiertes Publizieren.

KNOW!S SchaffrathWir drehen das ganze herum und sagen: Ich publiziere zunächst einen einzelnen Artikel. Erst danach schaffe ich eine Klammer, die wir „Sammlung“ oder „Kollektion“ nennen. Diese Klammer kann wieder eine Ausgabe sein wie vor fünf Jahren, muss aber nicht. Die Artikel, sofern ich über mehrere aus demselben Genre verfüge, können auch zu Themen zusammengefasst werden. Und ich kann die Kollektionen auch noch mit einer kaskadierenden Struktur versehen. Das Gute daran ist: Inhalte müssen nicht mehr mehrmals publiziert werden, sondern können in unterschiedlichen Kollektionen zu Themen oder Ausgaben zusammengefasst werden.

Kann ich dann auch Artikel aus meinem Online- und Printangebot verschränken?
Ja. Der Leser, der meine App zum ersten Mal öffnet, sieht sofort die Kollektionen, also Specials, die ich anbiete. Wo die Inhalte ursprünglich standen, spielt keine Rolle. Jetzt müssen sich Leser nicht mehr durch Inhalte klicken, die sie nicht interessieren, sondern tauchen sofort in ihre Themenwelt ein. Wir gehen davon aus, dass die Leser dann auch stärker interagieren.

Kommt ein neuer Artikel hinzu, der in dieses Spezialgebiet passt, wird dieser – vorausgesetzt, er ist mit dem richtigen Stichwort, also Tagg versehen – automatisch dieser Sammlung hinzugefügt. Der Redakteur muss also das Spezial nicht jedes Mal neu anpassen und neu publizieren.

Welchen Rat geben Sie Neueinsteigern und welchen erfahrenen Nutzern?
Wer neu anfängt, sollte die neue Version anschauen. Diese enthält die Verbesserungen wie kontinuierliches Publizieren, das dem modernen Leseverhalten von Nutzern entgegenkommt. Zudem ist sie für alle Plattformen verfügbar. Und sie enthält ein Enterprise-Management-System, mit dem sich Rollen und Rechte verteilen lassen.

Kunden, die auf der bestehenden Version der Suite arbeiten, erhalten derzeit einen Zugang zur Solution. Damit können sie arbeiten, diese ausgiebig testen und sie jederzeit in ihr Projekt migrieren.

KNOW!S Cover SchaffrathIst das große Smartphone, das Phablet, jetzt stärker im Fokus?
Wir sehen, dass schon mit dem iPhone 6 und gerade mit den größeren Bildschirmen des iPhone 6 plus oder ähnlichen Geräten auf Android-Seite die Menschen immer stärker ihr Smartphone nutzen, um Medieninhalte zu konsumieren. Es wird daher immer wichtiger, dass Unternehmen auch Smartphones bedienen.

Technisch gehen wir auf diese Anforderungen ein, indem wir die App Experience, also den Startbildschirm und die Navigation, über den Browser in HTML gestalten und so ein besseres Skalieren der Inhalte ermöglichen. Somit kann man wesentlich schneller und einfache Tablets und Smartphones parallel bedienen.

HTML oder Indesign – für wen und was welche Lösung?
Den Startbildschirm und Zugang zu den Artikeln können Nutzer über den Browser mit Layoutrastern und Karten komplett in HTML 5 gestalten. Für die Artikel selbst stehen HTML und Indesign zur Verfügung. Indesign bedeutet pixelperfect, also volle Layoutkontrolle und gleichbleibende Proportionen. Inhalte, die ich für das iPad mit Indesign gebaut habe, kann ich auf dem Smartphone anzeigen lassen, gegebenenfalls mit Letterboxing. Auch das wurde ausgebaut und verbessert. HTML kann sich natürlich dem Bildschirm anpassen und ist skalierbar in jede Richtung.

Die Übernahme von Inhalten aus einem Content Management System wie Word Press oder dem Adobe Experience Manager wird unterstützt. Was ist, wenn ich ein anderes CMS habe, benötige ich externe Hilfe, etwa von Schaffrath DigitalMedien?
Wir binden zunächst Adobe-Technik an. Zum Launch steht eine Verknüpfung zum Adobe Experience Manager bereit. Wir geben Technologiepartner die Möglichkeiten, eigene Schnittstellen zu entwickeln.

Die Single Edition der Suite wurde 2014 eingestellt. Für welche Projektgröße ist die Solution geeignet?
Die Zielgruppen sind breit gestreut, wie auch die Unternehmensgrößen, für die die Solution interessant ist. Wir verstehen die Digital Publishing Solution als Enterprise Lösung. Und haben derzeit leider kein Angebot, das einer Single- oder Pro-Edition entspricht.

Ist die Solution eine Alternative zum reinen Webprojekt?
Definitiv. Viele stellen sich ja heute noch die Frage: App oder Responsive Web? Eine App hat aus meiner Sicht einige Möglichkeiten mehr als das responsive Web, etwa die Offline-Fähigkeit, die Adressierbarkeit über Push-Nachrichten oder In-App-Nachrichten. Studien zeigen, dass ein Großteil des Traffics von mobilen Endgeräten von Apps kommt und eben nicht über den Browser. Daher sollten Nutzer die Solution in Erwägung ziehen. Mit ihr kann ich mich auf meine Inhalte konzentrieren. Das gilt für Android, Windows und iOS für Tablets und Smartphones.

Quelle: KNOW!S, Medienwissensmagazin von schaffrath medien.

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© CPWISSEN am 28.09.2015 17:46

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