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Meinung

„Wir brauchen mehr Überblick“

Software ersetzt zwar keine Strategie – aber sie unterstützt sie. Sich einen Marktüberblick zu verschaffen, das ist eine Herausforderung – und Christian Fill hat Lösungen in Sicht.

Christian Fill

„Die Technik ist meine Taktik“, erklärte mir kürzlich ein Kunde und meinte, dass er über eine „Systemauswahl“ Content Marketing in einer frisch fusionierten, einer Holding zugeordneten Marketingabteilung in den Griff bekommen würde. „Können Sie mir bei der Evaluation helfen?“

Natürlich kann ich, nur: Die richtige Frage ist viel zu früh gestellt. Bemerkenswert ist dennoch, dass wir auf Entscheiderebene überhaupt über Technik sprechen, und dass erfolgreiches Content Marketing auch als eine Frage der richtigen Software betrachtet wird. Leider ist das ganz und gar nicht selbstverständlich. Der jüngste Executive Day des Content Marketing Forum beleuchtete Technik im Content Marketing und zeigte einmal mehr, dass technische Kompetenz auf Kunden- wie auf Dienstleisterseite dringend vonnöten ist.

 

Geile Ideen, dünne Finanzdecke

Die rundum selig machende Content-Marketing-Software One size fits all gibt es zwar nicht, aber es gibt Tools für Ideenfindung und Trendanalyse. Es gibt Systeme für die Strategie- und Organisationsplanung sowie für die Selbstorganisation, dann natürlich die altbekannten Redaktionssysteme, die sich zu Content-Management-Schwergewichten entwickelt haben und von denen viele eine zentrale Asset- und Rechteverwaltung für alle denkbaren Content-Spielarten anbieten. Oder jene Tools, mit denen sich die ständig wachsenden sozialen Kanäle aussteuern und im besten Fall durchmessen lassen – gerade hier eröffnet sich eine weite, bunte Softwarelandschaft.

Sehr wahrscheinlich wird es die technische Allzweckwaffe im Content Marketing auch künftig nicht geben. Ob man einem Suiten-Konzept folgt oder sich bei jeder Teilaufgabe für Best-in-class entscheidet – es kommt auf die Schnittstellen und die Interaktionen zwischen den Programmen an.

 

Hausaufgaben an die Verbände

Hinzu kommt, dass der IT-Markt eine Dynamik entwickelt hat, wie er sie zuletzt in der New Economy aufwies. Zahlen der Altimeter Group von 2014 und 2015 zeigen, dass es weltweit über 120 ernstzunehmende Anbieter gibt, die mit ihren Technik ins Content Marketing drängeln – nur rund sechs Prozent haben mehr als 100 Mitarbeiter, viele sind Startups mit „geilen Ideen“, aber einer dünnen Finanzdecke. Der Softwaremarkt ist durch Fusionen, Aufkäufe und Insolvenzen so in Bewegung, dass es schwer scheint, einen kontinuierlichen Überblick zu behalten.

Diesen Überblick zu schaffen, Hilfestellungen geben, Kennzahlen bereitstellen – das sind Aufgaben, denen sich Verbände widmen. Das CMF, der BVDW, die BCMA und die DPRG wagen nun den Schulterschluss. Gemeinsam werden sie Standards für Key Performance Indicator als wichtige Basis für Technologie-Entscheidungen schaffen. Studien werden künftig den Technologiemarkt durchleuchten.

Auch meinem Kunden würden entsprechende Whitepaper zweifellos helfen. Doch der erste Schritt ist eine persönliche Strategie.

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© CPWISSEN am 08.02.2018 18:32

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