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„Nicht ohne Fummeln“ – Quark XPress zum 30. Geburtstag

Mit 30 sollte man seinen Weg und Lebensrhythmus gefunden haben. So gratulieren wir aus voller Überzeugung der Firma Quark zum 30. Geburtstag ihres Produkts XPress.

„Nicht ohne Fummeln“ – Quark XPress zum 30. Geburtstag

Es ist eine Erfolgegeschichte: Quarks Produkt XPress hat das Publishing revolutioniert und die Firma Apple gerettet, als Ende der 1980er Jahre die Apple-Aktie nur noch Ramschniveau hatte und dem Computerhersteller die Pleite bevorstand. XPress brachte Präzision in die Typographie, mit professionellen Funktionen und treffenden Begrifflichkeiten (eine Kunst, die Konkurrent Adobe bis heute nicht beherrscht), Farbseparierung und vor allem einer offenen X-Tensions-Schnittstelle, die die schnelle Weiterentwicklung und Spezialisierung der Software ermöglichte.

So schuf Quark schon in der Frühzeit des Computerzeitalters eine revolutionäre und blitzschnelle Software, die die gesamte Wertschöpfungskette von Verlagen, Agenturen und Druckereien von der Layout-Skizze bis zur Plattenbelichtung bediente. Da Xpress anfangs nur auf dem grafisch orientierten Apple Macintosh lief, bescherte es der Firma Apple Rekordumsätze, besonders in Deutschland, wo Mitte der 1990er Jahre mittelständische Verlage die G3-Macs gleich im Dutzend und Großverlage sie im Hunderter-Pack orderten.

 

Eigentore und revolutionäre Features

Doch dann fielen Eigentore: Übertriebener und technisch unzulänglicher Kopierschutz und eine ärgerliche Updatepolitik. Die mit dem Jahrtausendwechsel entstandenen zahlreichen kleineren Grafikbüros konnten sich XPress nicht leisten und kauften beim Konkurrenten Adobe, der ab 2003 mit InDesign 2 und einer beispiellosen Preisoffensive in den Markt drängte.

Amerikanische Mutterhäuser hatten schon öfter Probleme, den deutschen Markt zu beobachten, dort klug zu agieren und zu reagieren. Siehe Opel, siehe leider auch über lange Strecken XPress. Als alte Wegbegleiter wünschen wir von ganzem Herzen alles Gute zum 30. Ganz ehrlich. Verbunden mit dem Wunsch, die revolutionären Features der aktuellen Version jetzt klug und auch agressiv zu vermarkten. 

Diese sind, damit sie bei der Gelegenheit erwähnt werden:
• Bildbearbeitung ist jetzt im Programm möglich, Adobe Photoshop ist als Ergänzung nicht mehr notwendig.
• AI-, EPS- und PDF-Dateien sind ebenfalls in XPress editierbar.
• Die Produktion von Apps ist aus XPress heraus auch ohne Abonnement möglich.
• Eine XPress-Lizenz gilt nach wie vor lebenslang und nicht einen begrenzten Zeitraum.

So schmunzeln wir gemeinsam über die Laudatio zum 30. XPress-Geburtstag, die in einer erfrischenden Google-Übersetzung in die Redaktion kommt. Mit dem automatisch übersetzten Slogan „Es ist Zeit, neu zu erfinden Ihre Welt des Inhalts“ und drollige Formulierungen wie „Der Erfolg von Quark Xpress war jedoch nicht ohne Fummeln“. Zeigen sie doch, dass die Automation noch lange nicht so weit ist und noch immer Menschen notwendig sind, die Werkzeuge wie XPress bedienen - und nicht umgekehrt.

 

© CPWISSEN am 21.04.2017 07:14

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