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PwC-Studie

Nutzer vertrauen eher Qualitätsmedien als Social Media

Der Glaube an den Wahrheitsgehalt der Medien sinkt, allerdings verlieren die Sozialen Netzwerke stärker als die klassischen Medien. Die Nutzer wünschen sich mehr Qualitätsjournalismus.

PwC untersucht das Vertrauen in die Medien

Haben die Medien Vertrauen verspielt? 
Frage (links):  Inwieweit vertrauen Sie den deutschen Medien? 
Frage: Ist Ihr Vertrauen in die Medien in den letzten zwei Jahren alles in allem gestiegen, gleichgeblieben oder weniger geworden?
Quelle: PwC

 

Der Skandal um den Datenmissbrauch durch Cambridge Analytica und die anhaltende Debatte über "Fake News" lassen das Vertrauen in den Wahrheitsgehalt von Medien schwinden. Das ergab eine Umfrage des Beratungsunternehmens PwC. Jeder Vierte misstraut demnach generell den deutschen Medien, in Ostdeutschland ist es sogar jeder Dritte. Der Glaube an den Wahrheitsgehalt in den Medien ist bei einem Drittel der Nutzer in den vergangenen zwei Jahren gesunken. Allerdings sind es vor allem die Sozialen Medien, die von diesem Vertrauensverlust betroffen sind. Klassische Medien schneiden am besten ab.

Facebook schenken heute 39 Prozent der Befragten weniger Vertrauen als noch vor zwei Jahren. Bei Twitter sind es 31 Prozent, bei Youtube 29 Prozent. Qualitätsjournalismus wird dagegen noch immer geschätzt. 85 Prozent der Menschen wünschen sich dafür sogar mehr Personal in den Redaktionen. Mit gut recherchierten Inhalten können also auch Unternehmenspublikationen punkten.

Für 56 Prozent der Befragten ist die Tages- und Wochenzeitungen der wichtigste Informationskanal, während nur 27 Prozent Facebook, Twitter und Co. dafür nutzen. Unter ihnen lesen aber gut die Hälfte, 54 Prozent, die geteilten Beiträge von Zeitungen.

"Klassische Medien nutzen Social Media zur Reichweitensteigerung, gerade die Jüngeren erreichen sie nicht mehr vor dem Fernsehgerät und hinter der Tageszeitung", sagt Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC Deutschland. "Allerdings gelingt es klassischen Medien noch nicht, diese gewonnene Reichweite auch zu monetarisieren.



Für die meisten Befragten ist eine kostenlose Mediennutzung wichtig. Für die Nutzung Geld zu zahlen, damit keine Daten verkauft werden, findet hingegen weniger Zuspruch. Der Kostenfaktor spielt vor allem für die 18- bis 29-Jährigen eine Rolle - in dieser Altersgruppe sind nur 39 Prozent für ein Bezahlmodell. Unter den jungen Deutschen sehen 41 Prozent das optimale Geschäftsmodell darin, dass ihre Daten an andere Unternehmen verkauft werden, damit das soziale Netzwerk weiterhin kostenfrei bleiben kann. 44 Prozent der 30- bis 39-Jährigen stimmen dem zu.

Immerhin vier von zehn Deutschen stört die Weitergabe ihrer Daten nicht, wenn dafür das Angebot kostenlos ist. Und nur jeder Zehnte möchte tatsächlich wissen, was mit den eigenen Daten passiert. Entsprechend haben nur sieben Prozent nach dem Cambridge-Analytica-Vorfall ihr Profil gelöscht und weitere 18 Prozent haben ihre Datenschutzeinstellungen überprüft.

Insgesamt wollen 23 Prozent zumindest sehr sensible persönliche Daten geschützt wissen, neun Prozent nehmen die Weitergabe bewusst in Kauf, um Gratisangebote zu erhalten und acht Prozent möchten wissen, wohin die Daten genau gehen. Ein lockerer Umgang mit den eigenen Daten ist vor allem bei den 18- bis 29-Jährigen erkennbar: In dieser Altersgruppe versuchen nur 35 Prozent die Preisgabe ihrer Daten auf ein Minimum zu beschränken.

Kontrollmechanismen, die eine Verbreitung von Hass- und Falschmeldungen verhindern, fehlen den meisten Befragten. "Diese Lücke können die klassischen Medien füllen. Sie sollten ihren gut recherchierten Qualitätsjournalismus in den Vordergrund stellen“, so Ballhaus.

Für die Studie "Vertrauen in Medien" wurden 1.000 Deutsche ab 18 Jahren im Mai 2018 bevölkerungsrepräsentativ befragt.

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© CPWISSEN am 04.07.2018 10:32

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