.: Print
Strategie

"Newsroooms optimieren den Ressourceneinsatz"

Welche Vorteile Newsrooms als Organisationsform in der Corporate Communication bringen, erläutert Marco Olavarria, Geschäftsführender Gesellschafter beim Managementberater Kirchner + Robrecht, Berlin.

Medienhäuser wie der Axel Springer-Verlag, Corporate-Publishing-Dienstleister wie KircherBurkhardt aber auch Unternehmen wie Daimler haben sich bereits für das Newsroom-Konzept entschieden, um den Anforderungen des crossmedialen Publizierens besser gerecht zu werden. Was macht dieses Konzept in der Praxis so attraktiv?
In einem Newsroom laufen alle kommunikationsrelevanten Informationen zusammen und werden hier koordiniert 
über die verschiedenen Medien, Kanäle, Marken und Zielgruppen zu zielgerichteten Kommunikationsmaßnahmen verarbeitet. Newsrooms sind also zentrale Kommunikations- und Koordinationsplattformen, auf denen Publikationsprozesse und Kommunikationsmaßnahmen bereichsübergreifend und crossmedial abgestimmt werden.Das geschieht zum Teil durch ganz einfache Methoden wie etwa eine feste Konferenzstruktur.

Welche Kosten sind mit der Einführung von Newsrooms verbunden? 
Die Kosten belaufen sich bei kleineren Newsrooms auf einen niedrigen bis mittleren sechsstelligen Betrag. Viel wichtiger als die Kosten sind aber die erzielbaren Effizienzgewinne. Diese überschreiten die erforderlichen Investitionen erfahrungsgemäß bereits in kurzer Zeit bei Weitem. Denn Newsrooms bringen eine deutlich größere Transparenz über den Mitteleinsatz im Unternehmen und somit die erforderliche Basis für die Optimierung des Ressourceneinsatzes. So können sich Unternehmen einen Gesamtüberblick über ihren Kommunikationsaufwand und die Gesamtkosten zum Beispiel für Agentur- und Herstellungsleistungen erarbeiten – Informationen, über die viele Unternehmen heute gar nicht verfügen. 

Wo kann es bei der Umstellung der Organisation haken?
Wie bei jeder Reorganisation gibt es viele Gründe, es lieber nicht zu tun: Zieht der Newsroom zu viele Kompetenzen aus den Fachabteilungen? Werden die Mitarbeiter die Arbeit im Newsroom annehmen? Kann man dort überhaupt konzentriert arbeiten? Es gibt mittlerweile aber genügend Beispiele, dass das Konzept aufgeht. Hierzu ist es wichtig, die eigene Newsroom-Strategie aus den Kommunikationszielen abzuleiten, den richtigen Zuschnitt zu entwickeln und den Newsroom mit Blick auf die Kernprozesse zu konzipieren und umzusetzen.

In welchen Bereichen macht eine Newsroom-Strategie Sinn?
Um nur einige Beispiele zu nennen: Von der zentralen Koordination des Online-Marketing und der Social Media-Aktivitäten in einem Newsroom über PR und Issue Management bis hin zur internen Kommunikation sind viele Anwendungsfelder denkbar. Dabei kann das Konzept auch ganz flexibel für nur einen oder wenige Anwendungsfelder im Unternehmen ausgerichtet sein und später weiter übertragen werden. 

Die Strukturen in Corporate Media-Abteilungen von Unternehmen unterscheiden sich in einigen Punkten signifikant von denen in Redaktionen. Ist das Newsroom-Konzept da überhaupt 1:1 übertragbar? 
Auch in Verlagen ist jeder Newsroom anders. Man kann also nicht einfach einen bestehenden Newsroom nehmen, auf den Kopierer legen – und voilà. Was man aber übertragen kann, sind die zu Grunde liegenden Ansätze: effiziente, instrumenten- und bereichsübergreifende Koordination durch optimalen Austausch im Newsroom, eine prozessorientierte Gestaltung der Organisation und eine hierauf optimal abgestimmte Unterstützung durch moderne Content Management Systeme. All dies ermöglicht wirklich dramatische Verbesserungen in der Qualität der Kommunikation und des hierfür erforderlichen Aufwands.

Welche Erfahrungen machen Corporate Media-Abteilungen in Unternehmen, die bereits mit dem Newsroom-Konzept arbeiten? 
Nach Überwindung anfänglicher Vorbehalte: sehr positive. Newsrooms eröffnen ihnen neue Arbeitsweisen und überwinden Probleme, die vielen Unternehmen heute eigen sind, wie mangelnde Koordination, fehlende durchgängige Planung, fehlende Ressourcen für neue Kommunikationsinstrumente und mangelnde Transparenz. Die Zusammenführung aller erforderlichen Kompetenzen für wirklich gute Kommunikation an einem Ort setzt Energien frei.

© CPWISSEN am 07.03.2011 11:02

Zurück

Einen Kommentar schreiben