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Anzeige erstattet

Flyer-Alarm bei der DB mobil

Rätsel um ein Faltblatt, das es offiziell nicht geben darf: In mehreren Zügen sind flüchtlingskritische Faltblätter aufgetaucht, die dem Kundenmagazin der Deutschen Bahn beigelegt waren, berichtet der SWR. Bei Territory weiß man: Diese Aktion Unbekannter war kein Einzelfall.

Flyeralarm bei der DB

Die Bahn ist sauer. In ihrem Kundenmagazin DB mobil fanden Fahrgäste auf verschiedenen ICE-Strecken in Baden-Württemberg ein Faltblatt mit dem Titel Die Asyl-Krise: Die Wahrheit über das Asyl-Chaos – ein Pamphlet gegen Flüchtlinge. Hinter dem Flyer mit fremdenfeindlichen Inhalten steckt der Verlag Junge Freiheit aus Berlin, Herausgeber gleichnamiger rechtsgerichtete Wochenzeitung. Doch der will es nicht in die Kundenmagazine verteilt haben. 

Auch Territory ist sauer, denn die G+J-Tochter produziert und vermarktet das Magazin. Die Nerven liegen blank. Man übt sich in verbalen Spitzfindigkeiten: "Wir wissen nichts von einem Beileger", heißt es zunächst lapidar aus der Chefredaktion in Hamburg. Tatsächlich kann es sich nicht um einen Beileger handeln, weil G+J für DBmobil keine  anbietet. Diese stehen daher auch nicht auf der Preisliste der Mediadaten. Denn die Bahn möchte diese lose eingelegten Werbeformate nicht, aus nachvollziehbarem Grund: Sie verstreuen sich schnell quer über Sitze und Böden – Müll- statt Infoflut. 

Also reden wir hier nicht über einen Beileger, sondern einen Flyer – und wegen dessen unerlaubter Verbreitung habe G+J  bereits Anzeige gegen Unbekannt erstattet, so die Bahn. Im Gespräch mit Territory erfährt man allerdings auch, dass der jüngste Vorfall nicht der einzige war. Es gab bereits mindestens einen weiteren vor einigen Wochen.  

Da kaum anzunehmen ist, dass die Beileger über den Pressevertrieb eingeschmuggelt wurden, geht man von Aktionisten aus, die sich einen Packen Broschüren geschnappt haben, um damit dann flugs die Hefte zu bestücken. Vielleicht an den Zielbahnhöfen, wo die Züge – bei ausreichend Zeit vor der Abfahrt – noch mäßig besetzt sind.

Delikat ist die ausgesandte Botschaft der Verteiler in jedem Fall. Schließlich suchen sie nach Aufmerksamkeit just dort, wo sie sich bislang ausgeschlossen fühlen: in Medien mit hoher Reichweite – und Staatsnähe.  

 

© CPWISSEN am 12.03.2018 10:06

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