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Mercedes-Benz Cars

Abgang Jens Thiemers: „Der hat hingeschmissen“

Rätsel über den überraschenden Abgang des Marketingchefs von Mercedes-Benz Cars, Jens Thiemer. Ähnlich spektakulär wie sein Austritt war aber auch sein Eintritt bei Daimler als Marketingchef vor fünf Jahren.

Thiemer Mercedes-Benz

„Da ist jemandem der Kragen geplatzt.“ In der Gruppe der Automobiljournalisten, die vergangene Woche auf der Südhalbkugel in Sachen BMW unterwegs waren, gab es keine Zweifel: „Thiemer ist Knall auf Fall gegangen. Der hat hingeschmissen.“

Jens Thiemer, 46, Vice President Marketing Mercedes-Benz Cars – und damit verantwortlich für die weltweite strategische Markenführung, für interne wie externe Kommunikation, für Werbung einzelner Modelle und übergreifende Markenthemen – er verlässt das Unternehmen „auf eigenen Wunsch und mit sofortiger Wirkung“, wie es Anfang der Woche hieß.

Sein Schreibtisch bleibt leer, Nachfolger unbekannt. Zurück bleibt die Gründung der werkseigenen Agentur Antony, mit „Mercedes Me“ ein System für digitale Dienstleistungen, mit „EQ“ eine neue Marke für Elektromobilität. Und einer der größten Pitches des letzten Jahres:


Mehr Content, mehr Synergie

Nach einem einjährigen Auswahlverfahren hat sich Mercedes-Benz im Februar 2018 für die Zusammenarbeit mit Publicis als neue internationale Netzwerkagentur entschieden. Seit 2007 hatte diese Aufgabe die Werbeagentur BBDO Worldwide wahrgenommen.

Im Zuge der digitalen Transformation der Marke wurden Prozesse in der Marketing-Kommunikation neu ausgerichtet. Neben der lokalen Anpassung der globalen und regionalen Kampagnen in rund 40 Märkten lag der Schwerpunkt des Pitchs auf der Steigerung von Synergien für einen konsistenteren Auftritt der Marke auf den digitalen Plattformen und der stärkeren Verzahnung von zentralen und lokalen digitalen Contents. Erst im Juni hatte Oliver Schrott Kommunikation den Auftrag als Kommunikations-Leadagentur von Mercedes-Benz Cars bestätigt bekommen.

 

Ein harter Kritiker der Markenführung

Auch das sind die Spuren, die Thiemer hinterlässt: Mercedes will sich künftig stärker in den virtuellen Welten der Videospiele präsentieren. Und anders auf Messen: Auf der IAA 2017 in Frankfurt fanden sich die Besucher statt auf einer traditionellen Autoshow auf der „MeConvention“ wieder – einer Art Messe in der Messe.

Mit Facebook-Frontfrau Sheryl Sandberg lockte Thiemer auch jüngere Besucher in die Frankfurter Festhalle. Eine Zielgruppe, die kaum den Weg zu den Autohändlern findet, die Mercedes aber mit Mobilitätsdiensten binden will. Darauf zielt auch die neue Imagekampagne „Grow Up“: Nicht mehr das Produkt steht im Vordergrund, sondern das Lebensgefühl.


Was wird aus Antony?

Thiemers Eintritt bei Daimler 2013 war genauso überraschend wie jetzt sein Austritt. Er kannte Daimler sehr gut, da er dort bereits neun Jahre in verantwortlichen Positionen gearbeitet hatte, bevor er bei der Kommunikationsberatung CNC – Communications & Network Consulting die internationale Rebranding und Marketing Practice übernahm.

Schon zu seiner Daimler-Zeit hatte er sich immer wieder kritisch zur Markenkommunikation von Mercedes-Benz geäußert. Und er dürfte, so wurde damals vermutet, als CNC-Berater mit Vertriebschef Joachim Schmidt Gespräche geführt haben, die Schmidt offensichtlich davon überzeugten, dass der bisherige Marketingchef Anders-Sundt Jensen besser Thiemer seinen Stuhl überlassen sollte.

Alle weiteren Schritte sind unbekannt – ob Thiemer als Agenturchef auftaucht oder bei der Konkurrenz? Und was wird eigentlich aus Antony, wenn der stärkste Rückhalt der Agentur wegbricht? Mit neuen Agenturdeals der Stuttgarter wie mit Publicis und Oliver Schrott – beide Content-erfahren - stehen Fragezeichen am Sterne-Himmel.

Fortsetzung folgt...

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© CPWISSEN am 28.06.2018 08:58

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