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Facebook zieht mit AI die Fakebook-Bremse

Mark Zuckerberg will sich ein britisches Startup kaufen, um seine Plattform besser zu verstehen. Das ist auch dringend nötig, wie die Löschung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung auf Facebook wegen „unzulässiger Hetze“ zeigt.

Bloomsbury-Gründer

Das ging wieder einmal heftig daneben: Zum 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, löscht ein Facebook-Bot ausgerechnet die von einer Zeitung veröffentliche amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Begründung: unzulässige Hetze. Der von Nationalheld Thomas Jefferson formulierte und am 4. Juli 1776 vom Kongress genehmigte Text verstoße gegen die Richtlinien der Plattform.

Die peinliche Episode zeigt: Mark Zuckerberg braucht dringend mehr Intelligenz. Künstliche Intelligenz. Er muss wissen, welche Inhalte sich auf seinem Portal tummeln, damit er seinen wertvollsten Werbekunden ein markensicheres Umfeld bieten kann und keine Werbegrößen im Stile von Procter & Gamble mehr verliert. AI-Kompetenz muss her, die Fakes aussortieren kann.

Einen großen Schritt nach vorne könnte der Social-Gigant jetzt mit dem kleinen Londoner Startup Bloomsbury gehen. Das Team um die drei Gründer Guillaume BouchardLuis Ulloa und Sebastian Riedel bringt viel Linguistik- und AI-Kompetenz im Natural Language Processing (NLP) mit und soll von Facebook – noch vom Unternehmen unbestätigt – komplett geschluckt werden. Die Welt schaut nach Großbritannien. Kann dieses Team wirklich mehr als andere?

In der neuen Bot-Welt ist Bloomsbury jedenfalls schon ziemlich sattelfest, hat bereits komplexere Bots entwickelt und Erfahrungen damit gesammelt. Der erste, "capebot", ist auf Fragen und Antworten spezialisiert, die gewissen Sicherheitsanforderungen unterworfen sind, wie die Frage nach einem Passwort, um beispielsweise ins firmeneigene WiFi zu kommen oder zu erfahren, wo wichtige Dokumente abgelegt sind. Der zweite, "phytonbot" beantwortet Fragen zu Phyton-APIs. Phyton zählt zu den höheren Programmiersprachen und hat den Anspruch, einen gut lesbaren, knappen Programmierstil zu fördern. Beide Bots nutzen die im Unternehmen entwickelte AI-Plattform Cape, von der Bloomsbury behauptet, dass sie unübertrieben jedes abgelegte Textdokument lesen und darauf Antworten geben könne. 

Also exakt das, was Facebook braucht, um endlich zu erfahren, wo sich auf der Plattform kritischer Content verborgen hält. Die Natural Language-Spürnase dürfte allerdings auch alle Unternehmen interessieren, die intern wie extern große Textmengen hin- und herschaufeln und sich mit unstrukturierten Daten herumschlagen. Cape soll binnen Minuten zu installieren sein und dann über ein eingeblendetes Chat-Fenster tausende Anfragen beantworten können.

 

Bleibt die Frage, was nach dem Deal aus Cape wird: Facebook-Hoheitswissen oder ein neues Geschäftsmodell? Es klingt nach ersterem, wenn Facebook auf Anfrage erklärt: "Bloomsburys Kompetenz wird Facebooks Anstrengungen in der NLP-Forschung stärken und hilft uns, die natürliche Sprache und ihre Anwendung besser zu verstehen."

Das Tech-News-Portal TechCrunch berichtet von einer Kaufsumme zwischen 23 und 30 Millionen US-Dollar. In Invest-Runden hatte das 2015 gegründete Startup 1,7 Millionen US-Dollar zusammengetragen. 

noch kann man Cape kostenlos testen

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© CPWISSEN am 04.07.2018 15:35

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