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Evan Spiegel kündigt App-Umbau an

Snap verdreifacht Verlust und bleibt auf Kamerabrillen sitzen

Snap-Chef Evan Spiegel muss nach den jüngsten schwachen Quartalszahlen die Plattform umbauen – und will bei Facebook und Twitter abkupfern. Chinas WeChat-Eigner Tencent soll helfen.

Lässt sich Absturz von Snap noch bremsen?

Snap erfüllt die Erwartungen der Börsianer nicht. Die Zahl täglich aktiver Nutzer legte zwar zu, aber nur um drei Prozent auf jetzt 178 Millionen. Auch der Umsatz stieg um 62 Prozent auf knapp 208 Millionen Dollar, aber erwartet wurden an der Wall Street knapp 30 Millionen Dollar mehr. Vor allem hat sich der Quartalsverlust mit 443,2 Millionen Dollar gegenüber dem Vorjahr (124,2 Millionen Dollar) fast verdreifacht.

Snap-Chef Evan Spiegel weiß, dass er jetzt schnell handeln muss, will er den freien Fall der Aktie abbremsen. Seine Hauptsorge: Die Werbung läuft nicht wie erhofft. Der Erlös pro Nutzer liegt in Europa mit 57 Millionen Nutzern gerade mal bei 48 US-Cent. In Nordamerika, dem nach wie vor wichtigsten Snap-Markt mit 77 Millionen täglichen Nutzern, erlöst man immerhin 2,17 Dollar. Auch die Snap-Kamerabrille floppt. Das Unternehmen blieb bislang auf Brillen im Wert von 40 Millionen Dollar sitzen.

Spiegel will zunächst Snapfunktionen radikal ändern. Einfacher nutzbar soll die App werden, um auch ältere Zielgruppe zu erreichen. Und damit lauert die nächste Gefahr: Jüngere Nutzer könnten abspringen. Spiegel: "Wir sind bereit, dieses Risiko einzugehen, weil wir glauben, dass das langfristige Vorteile für unser Geschäft bringen wird."  

Auch auf die bisher chronologische Reihenfolge der Fotos in der App soll künftig zugunsten einer Reihung nach Relevanz verzichtet werden. Facebook und Twitter lassen grüßen. Von seinen Brillen will Spiegel aber nicht abrücken, sie sollen weiterhin verkauft werden. 

Der chinesische Internetriese Tencent hat zwar gerade ein dickes Aktienpaket gekauft und steigt darüber mit zwölf Prozent bei Snap ein. Die Snap-Papiere liegen am Nachmittag an der Deutschen Börse dennoch nur bei 10,84 Euro (Börsenstart: 26,27 Euro).

  

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© CPWISSEN am 03.11.2017 17:00

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