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Christian Solmecke

Facebook muss zurecht für WhatsApp-Datenklau zahlen

Die EU-Kommission hat heute Facebook mit einer Strafe von 110 Millionen Euro wegen falscher Angaben im Verfahren zur Freigabe der Übernahme von WhatsApp belegt. Rechtsanwalt Christian Solmecke aus der auf Online- und Medienrecht spezialisierten Kölner Kanzlei Wilde Beuger Solmecke kommentiert.

Christian Solmecke
Christian Solmecke 

Dass die EU Kommission Facebook nicht weiter mit Samthandschuhen anpackt, ist meiner Ansicht nach überfällig. Die Datenweitergabe nach dem WhatsApp Deal war klar illegal. Pikant ist insbesondere, dass Facebook vor dem Kauf von WhatsApp versprochen hatte, dass es genau zu dieser Vermischung von Nutzerinformationen nicht kommen sollte. Auch jetzt halte ich die Nutzung von WhatsApp für bedenklich. Schließlich müssen Nutzer bei der Registrierung zunächst einmal ihr gesamtes Handy-Adressbuch an den US-Konzern übergeben. Sind die im Adressbuch gespeicherten Freunde damit allerdings nicht einverstanden, ist das klar illegal.

Facebook hat wohl gelogen, als es bei der Übernahme von WhatsApp der EU-Kommission erklärte, es sei nicht möglich, einen automatischen Abgleich zwischen den Benutzerkonten und den gespeicherten Nutzerdaten beider Unternehmen einzurichten. Die Kommission hat das geprüft – und kommt zu dem Ergebnis, dass es natürlich schon damals möglich war, genau das zu tun. Die Höchststrafe von einem Prozent des Jahresumsatzes hätte für Facebook eine Strafzahlung von ca. 276 Millionen Dollar für das vergangene Jahr bedeutet.

Die 110 Millionen Euro sollen vor allem eine abschreckende Wirkung auch für andere Unternehmen haben. Ihre Zustimmung zu dem Deal will die Kommission allerdings nicht nachträglich zurückziehen. Die Übernahme von WhatsApp im Jahr 2014 hatte den Internet-Konzern 19 Milliarden Dollar gekostet.

© CPWISSEN am 18.05.2017 17:10

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