.: Mobile
Neuer E-Publishing-Service

Mit einem neuen Kai aus der Kiste könnte sich die Post empfindlich dem CP-Geschäft nähern

Die Deutsche Post arbeitet gerade an einem neuen E-Publishing-Service. Er soll auch den Medien von Corporate Publishern aufs iPad verhelfen, könnte aber auch schnell zur Konkurrenz für Corporate Publisher und Verlage werden.

Mit einem neuen Kai aus der Kiste könnte sich die Post empfindlich dem CP-Geschäft nähern

Die Post braucht digitales Neugeschäft vor allem in ihrer Briefsparte. Im ersten Quartal 2011 ist der Gewinn (konkret: EBIT) trotz des allgemeinen Wirtschaftsaufschwungs gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent auf 373 Millionen Euro gesunken. Die Strukturkrise beim gelben Riesen muss dringend mit neuen digitalen Diensten aufgefangen werden. Doch Brief-Bereichsvorstand Lutz Glandt, Ex-Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe und zuständig fürs Operative, tut sich schwer mit überzeugenden Innovationen. 

Nach dem Textverwertungsdienst "Die Redaktion" holt Glandt jetzt die nächste Überraschung aus der Kiste: Unter dem Namen ContentConverter.de will er E-Publishing-Servces für iPad & Co. anbieten - und damit mittelständischen Unternehmen und Corporate Publishern kostensparend und schnell aufs iPad helfen. Wie Dirk Klasen von der Konzernkommunikation bestätigt, ist man gerade dabei, „alle technischen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start dafür zu schaffen“. In Kürze soll der Betatest für den Livebetrieb starten. Der offizielle Start von ContentConverter.de unter Projektleitung von Carsten Vullriede ist für Herbst geplant.  

Noch ist unklar, auf welchem Publishingsystem die Post aufbauen will. "Alle gängigen von WoodWing bis Adobe sind im Gespräch" bestätigt Rolf Schulz von der Post in Bonn. Offenbar ist man aber noch im Stadium des Ausprobierens. Auch am Preismodell wird noch getüftelt.

Die Freude über das neue Postangebot dürfte auf Seiten der Corporate Publisher, die sich für teueres Geld Publishingsysteme zulegten oder dieses planen, eher verhalten ausfallen. Denn für ihre verwöhnten Markenkunden können sie mit Tablet-Lösungen von der Stange - danach klingt der Postdienst - wenig anfangen. Investitionen in eigene Kapazitäten bleiben ihnen daher kaum erspart. In ihrem wirtschaftlichen Interesse liegt es dann aber auch, ihre vorhandene iPad-Software für möglichst viele Tablet-Lösungen zu nutzen. 

Doch sachte: Die Post tut sich bekanntlich nicht ganz leicht, neue Services ins Laufen zu bringen. Für ihren Online-Marktplatz "Die Redaktion", eine Plattform zum Ein- und Verkauf von journalistischem Content, hat sie sich gerade mit Hajo Schumacher und dessen schwächelnder Konkurrenz-Plattform "Spredder" zusammengetan, um mehr Reichweite zu erzielen. 1.700 Nutzer insgesamt - wer hiervon nur auf Geschäft hofft und wer tatsächlich eines abschließt ist unklar - bezeugen noch keinen lukrativen Contentmarkt. 

Ein früher, bereits 2007 lancierter Dienst, wonach digitaler Content im Scheckkartenformat auf Magazincover aufgeklebt werden sollte, um dann per Lesegerät "ohne Umwege" auf Internet-Zielseiten zu führen, mutete schon damals anachronistisch an. Heute, in Zeiten der QR-Codes, spricht niemand mehr darüber. 
Pia Dahlem 

 

© CPWISSEN 04.08.2011 14:00

Zurück

Einen Kommentar schreiben