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Zukunft Kundenkommunikation:

Die dynamischen Webmagazine

Über mehrere Monate hinweg hat Frank Völkel mit seinem Artikel "Warum Magazin-Apps im CP scheitern" für lebhafte Diskussionen gesorgt. Seitdem ist die technische Entwicklung nicht stehen geblieben. In seinem neuen Beitrag zeigt er auf, mit welchen Trends sich Unternehmen und Dienstleister in der mobilen Kommunikation auseinandersetzen müssen. Frank Völkel ist Redaktionsleiter und Technikchef bei Grasundsterne, München.

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Die herkömmliche Rezeptur reicht nicht mehr aus: Für dynamische Webmagazine gelten neue Regeln.

Man kann es uncharmant sagen: Die meisten der 30 größten DAX-Unternehmen – die so genannten deutschen Blue Chips - sind noch nicht bereit für mobile Geräte. Sie sind gar nicht bis schlecht auf den Trend vorbereitet, der mit dem vermehrten Einsatz von Smartphones eingesetzt hat und sich jetzt bei Tablets beschleunigt fortsetzt. Bei den meisten Web-Auftritten erhält der Nutzer über sein Smartphone oder Tablet lediglich eine stark verkleinerte Darstellung, die ein Erfassen der Inhalte unmöglich macht. Einzelne Bereiche dieses „Mäusekinos“ lassen sich bestenfalls durch Hineinzoomen per Fingergestik als Text- und Bild-Fragmente wahrnehmen. Die Folge: Viele User sind schnell frustriert und verlassen das Portal bereits nach wenigen Sekunden.

Frank Völkel
Frank Völkel

Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist eine separate Web-Darstellung für Smartphones, die sich über eine Browser-Weiche realisieren lässt. Allerdings verfehlen hier einige Auftritte ihr konkretes Ziel, indem deren Inhalte bei Suchmaschinen schlecht gerankt sind. Eine häufige Ursache ist die Verwendung einer vollkommen neuen Domain, wie beispielsweise FIRMENNAME.MOBI, wo sämtliche Backlinks und demzufolge das Vertrauen (Page Rank) neu aufgebaut werden müssen. Abhilfe schafft der Einsatz einer Subdomain – beispielsweise im Format MOBILE.FIRMENNAME.COM -  die das bestehende Suchmaschinen-Ranking und den Bekanntheitsgrad eines Portals beibehält. Aber der Weisheit letzter Schluss sind mobile Darstellungen von Webauftritten auch nicht.

Geht es um digitale Kundenmagazine, die früher oder später die Print-Ausgabe ersetzen sollen, herrscht bei den meisten Konzernen blinder Aktionismus bei der Erstellung neuer Apps. Dennoch setzt sich so langsam die Erkenntnis durch, dass die oft mehrere hundert Megabyte umfassenden multimedialen Apps mittelfristig keine Lösung sind – siehe Artikel Warum Magazin-Apps im CP scheitern.

Optimal auf allen Geräten: Dynamisches Webmagazin
Für die Kundenkommunikation von Unternehmen ist ein dynamisches Webmagazin die effizienteste Variante, um möglichst viele Nutzer zu erreichen: Ob auf dem Smartphone, Tablet, Notebook oder Desktop, für jedes Gerät und jede Bildschirmgröße gibt es eine optimale Darstellung. Schließlich entwickelt sich HTML5 so langsam zum „Betriebssystem“ des Internets und ist jetzt schon der Multimedia-Standard für aktuelle Browser. Über die Programmierschnittstelle „DOM“ können Programme an den Browser angeflanscht werden, so dass in naher Zukunft keine konventionelle Software mehr auf einem System installiert werden muss.

Der Clou: Die bisher den Apps zugeordneten Alleinstellungsmerkmale wie Fingergestiken zur Steuerung von Animationen, Bildergalerien und Videos sowie Funktionen für ortsbezogene Dienste (Geolokalisation) gibt es auch beim dynamischen Webmagazin. Der Aufruf des Kundenmagazins erfolgt übrigens wie bei einer nativen App über ein Desktop-Icon (Shortcut), das den Browser öffnet und die URL-Zeile ausblendet. Letzteres spart wertvollen Platz auf Mini-Bildschirmen – und bietet den Look und die Usability einer App.

Konzeption Step by Step
Schon in der Konzeptionsphase ist es entscheidend, an das Layout der unterschiedlichen Ausführungen für die einzelnen Endgeräte zu denken und vor allem die Besonderheiten zu beachten. Schließlich gibt jede Version – ob für Smartphones, Tablets oder Desktops - alle Inhalte in lesefreundlicher Darstellung durch einen angepassten Seitenaufbau wieder. Momentan ist eine Bildschirmbreite von 320 Pixeln im Hochformat für die meisten Smartphones zu empfehlen – diese Auflösung deckt ein großes Spektrum an Geräten ab.

Für eine perfekte Usability sollte die Zoom-Funktion sowie die Umschaltung zwischen Hoch- und Querformat beim Drehen des Geräts unterdrückt werden. Die von Apps bekannten Multi-Touch-Gesten lassen sich zum Blättern in Slideshows, zur Steuerung von Animationen und der Auswahl bei Filmen einsetzen. Filme und Slideshows werden auf diesen Geräten immer im Vollbildmodus wiedergegeben.

Für die weitere Darstellung auf Tablets sind Bildschirmbreiten von 640 und 720 Pixeln im Hochformat sinnvoll, die im Design festzulegen sind. Wieviele Zwischenstufen ein Webmagazin letztendlich genau benötigt, hängt stark von der Komplexität des Layouts ab. Die höchste Auflösung hat die Desktop-Version, wobei es durchaus eine Full-HD-Variante mit horizontal 1920 Pixeln geben kann: Schließlich gibt es heute schon TV-Geräte mit Internet-Anschluss, die eine perfekte Web-Darstellung ermöglichen und die sehr komfortabel TV oder ganze Web-TV-Kanäle einbinden können.

Bis es soweit ist, dass sämtliche Web-Auftritte auf allen Geräten unabhängig von der technischen Plattform - wie Android, Apple iOS, BlackBerry OS, Symbian oder Windows Phone 7 - lesefreundlich dargestellt werden, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Wer jedoch heute ein elektronisches Kundenmagazin plant, kommt an der Konzeption eines dynamischen Webmagazins schwer vorbei. Denn statisch angelegte Online-Auftritte, die lediglich zur Darstellung auf einem durchschnittlichen Desktop ausgelegt sind, gehören der Vergangenheit an.

© CPWISSEN 06.10.2011 10:44

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Kommentar von Frank Völkel |

Hallo Razorlight,

das ist in der Tat eine Menge CSS, aber bei weitem nicht alles. Der von Ihnen beschriebene höhere Aufwand für das Design auf den verschiedenen Geräten bringt genau die Reichweite, die in der mobilen Kommunikation wesentlich ist.

Und Sie können schon anhand der Strukturierung (Syntax) im HTML-Code erkennen, um welche Version es sich handelt. Selbstverständlich brauchen Sie HTML5, um beispielsweise Videos direkt im Browser ohne Plug-ins auf unterschiedlichen Geräten abspielen zu können.

Und genau darum geht es: Der Inhalt ist immer der Gleiche, nur die Darstellung, Design/Anmutung und Funktionalität ist an das jeweilige Gerät angepasst.

Die weitere Entwicklung wird sich am Markt zeigen.

Kommentar von Razorlight |

Was für ein Schwachsinn. Um es mal in simplen Worten auszudrücken: Das ist alles nur CSS. Das heißt, man reguliert die Ausgabe einer Website mittels der Formatierungssprache Cascading Style-Sheets. Will heissen: der Content bleibt der gleiche. Wer sich ein wenig mit der Materie auskennt WEISS, dass das ein unglaublicher Aufwand ist! Da das html und eben sämtlicher Content der gleiche bleibt, eignet sich der Einsatz der CSS Media Queries nur bei Websites kleineren Umfangs. Die Ladezeiten bleiben ja die gleichen. Naja und mit html5 hat das ja mal gar nix zu tun. Ganz zu schweigen von dem Riesenaufwand erstmal ein funktionierendes Design für alle Engeräte zu gestalten.

Dieser Artikel ist eine schöne Demonstration, wie Marketing funktioniert: da werden wohlklingende Buzzwords aneinandergereiht und technische Innovationen vorgegaukelt, welche jeder Grundlage entbehren! Niemals werden Apps in Zukunft überflüssig werden, ganz im Gegenteil! Man kann doch nicht ernsthaft versuchen hier CSS Media Queries als die Zukunft des Webdesigns zu verkaufen... ich bin einfach nur entsetzt.

Kommentar von Don Pedro |

Naja, ich weiß ja nicht, was an den Apps klein und smart sein soll. Ich habe mir letztens das BMW-Magazin heruntergeladen und dafür zirka eine halbe Stunde gebraucht. Sind ja etwas über 200 MB. Das Volkswagen-Magazin ist über 500 MB schwer - dafür brauche ich über eine Stunde zum Laden. Da gehe ich doch lieber an den Kiosk und bestücke mich dort.

Kommentar von Raphael Heinrich |

Ich finde, es wird hier völlig verkannt, dass Apps durchaus eine Berechtigung und vor allem auch viele Vorteile haben. Die beste Sache an Apps: Es sind kleine Applikationen, die genau für eine bestimmte Funktion gedacht sind. Warum liest man eher ein Magazin auf dem Tablet als im Web? Weil man sich auf eine Sache konzentriert und nicht abgelenkt wird.

Die App ist genau für diesen Zweck konzipiert. Man kann sich vertiefen, ohne abgelenkt zu werden. Man kann sich dem Content vollständig zuwenden. Ich bin sehr sicher, dass beim Rückzug ins Web für viele wieder gilt: Quantität vor Qualität und viele Angebote wieder schnell total überladen wirken und nicht wirklich ausgeklügelt. Bei Apps sind die Entscheider heutzutage dazu gezwungen, sich für einen Teil Ihres Contents zu entscheiden. Beim Web wird häufig immer viel zu breit gefächert online gestellt. Hier muss sich auch besonnen werden und genau so gekapselt veröffentlich werden, wie es momentan über Apps geschieht.

Übrigens ist es auch eine Kostenfrage. Ein dynamisches Webmagazin auf modernster Browsertechnologie verschlingt Unmengen. Beim Portieren eines Printmagazins zur App z.B. sind die Kosten sehr überschaubar.

Kommentar von Pascal Gerundt |

Auch wenn wir im Moment noch mit uneinheitlicher Darstellung der Browser und mangelnder Performance der mobilen Endgeräte kämpfen: Die Zeit von Apps läuft langsam ab.

Nüchtern betrachtet ergibt sich keine Existenzberechtigung für einen Großteil der angebotenen Applikationen: hinter fast jeder App steckt ein (per Webservices angebundene) Web-Anwendung und diese hat natürlich auch ihr zugehöriges Frontend im Internet. Warum also die Funktionalität einer Anwendung nochmals für Mobilgeräte in Form einer App nachbauen? Weil es gerade "in" ist? Weil man den Ratschlägen einer Unternehmensberatung oder Agentur mehr Glauben schenken kann als dem eigenen gesunden Menschenverstand? Weil die Screendesigner ein über alle Medien hundertprozentig identisches Erscheinungsbild wünschen?

Die Entwicklung von Apps für die einzelnen mobilen Betriebssysteme erinnert an die Zeiten der "Browserkriege": Hier wurden Unsummen regelrecht versenkt, nur damit eine lapidare Internetseite in jedem Browser auch wirklich einheitlich aussieht. Mit Browserhacks, -weichen, reichlich JavaScript, CSS und haufenweise Grafiken wurde nicht nur die Geduld des Besuchers durch hohe Ladezeiten auf die Probe gestellt, viel schlimmer noch: Der Sinn des jungen Mediums Internet wurde ad absurdum geführt. Statt sich (getreu dem Schlachtruf "content is king") auf die Auslieferung von für den Benutzer relevanten Inhalten zu konzentrieren, wurde eine pixelgenaue Darstellung als Ziel verfolgt. Inhalt und Funktionalität blieben aus Budget-Gründen meist auf der Strecke.

Eine Vorgehensweise, die in anderen Medien völlig undenkbar ist – niemand käme auf die Idee, die Zeitung von nächster Woche ohne vorhandene Inhalte vorab pixelgenau durchzudesignen – erlebt nun in Form der Apps ein Revival. Ohne dass Kreative und Entscheider sich die Sinnfrage stellen. Auch wenn eine dynamische Webseite als Alternative zu einer App im Moment noch Abstriche hinsichtlich User Interface bedeutet, der Weg ist langfristig betrachtet der bessere: Software muss nicht per AppStore an Benutzer verteilt und aktualisiert werden. Software muss nicht für unterschiedliche Betriebssysteme einzeln entwickelt und angepasst werden. Software muss nicht doppelt und dreifach entwickelt werden.

Der Browser ist unsere gemeinsame Plattform – ob ein Text bei einem Benutzer etwas größer dargestellt wird als bei anderen oder ein Bedienelement ein abweichendes Aussehen hat, ist nicht relevant. Wir sollten die vorhandenen Möglichkeiten nutzen und voll ausreizen – und uns nicht eine Parallelwelt mit begrenzter Lebensdauer schaffen.

Kommentar von Frank Völkel |

Sehr geehrter Herr/Frau Anonymous,

wir sind gerade dabei, ein solches Webmagazin mit allen Funktionen umzusetzen, der Auftritt wird noch im November an den Start gehen. Wie schon beschrieben werden sämtliche Browser, Plattformen und Betriebssysteme unterstützt, ansonsten macht das "responsive Layout" ja auch keinen Sinn. Reicht Ihnen das als Beispiel?

Kommentar von Anonymous |

Hallo Herr Völkel,

das finde ich schon einmal angenehm, dass Sie einräumen, dass mit einer App die jeweilige Hardware eines Handys ausgereizt werden kann. Und ich glaube, darum geht es uns doch im weitesten Sinne. Und dann würde mich interessieren, wie Sie die mittlerweile hochentwickelte Grafik der Androids und Apple-Geräte über den Webbrowser realisieren wollen. Etwa mit dem hier schon als "problematisch" zitierten Internet Explorer? Und dann bleiben Sie uns noch einige Beispiele schuldig, die das "dynamische Webmagazin" umgesetzt haben.

Kommentar von Frank Völkel |

Hallo Anonymous,

es lassen sich die meisten Funktionen, die auch in Apps anzutreffen sind, mittels HTML-Frameworks im Web umsetzen. Ein Nachteil, den Frameworks durchaus haben, ist die mangelnde Fähigkeit, wirklich alle nativen Funktionen der einzelnen Endgeräte zu nutzen. Das geht auch gar nicht bei der großen Gerätevielfalt. Möchte man diese auch noch ausreizen, kommt man um die Entwicklung speziell optimierter auf die Plattform und das Betriebssystem angepasster Apps nicht herum. Denn mit Hilfe der Programmiersprachen C++, Java oder .Net gelingt es natürlich noch besser, die jeweilige Hardware (Prozessor und Grafik) im Smartphone/Tablet besser auszureizen. 

Bei der Entwicklung von Webmagazinen im CP spielt die Ausreizung der Hardware-Performance allerdings keine Rolle.

Kommentar von Anonymous |

Hallo Herr Völkel,

ich vermute einmal, dass Ihnen technische Zusammenhänge nicht ganz fremd sind. Dann können Sie doch nicht außer Acht lssen, das sämtliche Handys einerseits mit unterschiedlicher Bildschirmgröße und zusätzlich auch mit vollkommen verschiedener Technik ausgestattet sind. Und nun wollen Sie hier so tun, als ob ganz simpel per HTML-Befehle und ein paar Frameworks direkt auf die Eigenheiten jeglicher Handy-Hardware zugegriffen werden kann?

Das ist doch der wahre Grund, warum überhaupt Apps entwickelt wurden: Weil sie die technischen Möglichkeiten beispielsweise eines iPhone oder Android voll ausreizen. Das will ich sehen, wie Sie eine komplex aufgebaute App für alle genannten Handy-Typen umsetzen.

Kommentar von Albert |

Könnte ich genauso sehen, wenn die Zeit dazu reif wäre. Websites konsequent in HTML5 im B-to-B umzusetzen ist recht komplex, denn da müssen viele Faktoren - siehe alte Browser - beachtet werden. Sehe ich nicht so, da jetzt noch viele Aufträge für Apps im Markt sind.

Wozu also diesen Schritt überspringen? Und wo sind hier bitte die Beispiele für die so tollen HTML-Sites, die auf sämtlichen Geräten super aussehen? Wie schon im vergangenen Beitrag ist das für mich noch alles Theorie, denn der Kunde muss mitziehen. Und derjenige, der hier den Vorreiter macht, der muss noch gegen viele Barrieren kämpfen. Ist leider so.

Kommentar von Martin B. |

Eine prima Sache, jedoch erst marktreif, wenn der Internet Explorer richtig mitzieht.

Kommentar von Philippe W. |

Interessanter Beitrag, der aus meiner Sicht das Thema Web-Technik ein wenig beleuchtet. Leider habe ich für mich noch keine Website entdeckt, die mit responsiver Technik arbeitet. Die Demo-Seiten von Entwicklern einmal ausgenommen.

Es wird in letzter Zeit wieder viel geredet und dann doch zur App in der Massenproduktion gegriffen. Da brauche ich mir nur die einschlägigen Medien á la Horizont oder W&V zu Gemüte zu führen. Deshalb habe ich das Gefühl, dass Leute wie Herr Völkel hier (noch) ein bischen als Außenseiter dastehen, auch wenn sich die Technik durchsetzen wird und muss. Auch dürfte es ziemlich schwierig werden, einen Kunden vom App-Fieber abzubringen und ihm ein dynamisches - was auch immer - Magazin anzubieten.

Was habe ich schon für Kunden alles getan, obwohl es überhaupt nicht dem technischen Stand entsprach - ich erinnere mich noch gut an die alten Dotcom-Zeiten...
Und ein so großer Schritt sind die responsiven Websites

Auf dem Portal www.pflegesuche.de finden Sie alle in Deutschland ansässigen Pflegeheime, Pflegedienste, Altenheime, Sozialstationen, Wohngruppen und Hospitze.