.: Strategie
Agiles Content Marketing

„Wir haben jetzt einen Botschafter“

Es ist erst wenige Monate her, seit die agile Projektmanagement-Methode Scrum auch ins Content Marketing Einzug hielt. Fragen dazu an Antonio De Mitri, Chef der Content-Agentur Va bene publishing in München, einer der Pioniere des Agilen Content Marketing.

De Mitri va Bene Agiles Content Marketing

Herr De Mitri, wie verändern agile Methoden die Medienproduktion im Zusammenspiel von Unternehmen und Agentur? 
Antonio De Mitri: Bislang verlief eine klassische CP-Produktion kaskadisch nach dem Wasserfallprinzip. Vom ersten Tag ist jede Etappe des Projektes in einem linearen Zeitplan definiert. Eine agile Produktion ist dagegen ein dynamischer Prozess, der durch den intensiven Austausch dazu führt, dass mit jeder einzelnen Etappe hinterfragt wird, ob und inwieweit das Teil- oder sogar das Gesamtziel bereits erreicht ist.

Wie lässt sich diese Dynamik organisatorisch absichern?
Die Rollen aller Beteiligten werden neu verteilt, so wie man das aus dem agilen Management kennt. Das heißt: In jedem Produktionsprozess gibt es beispielsweise einen von uns, der beim definierten Jour-fix in die Rolle des Product Owner schlüpft und Texte sowie Layouts nicht nur nach Kriterien der journalistischen Qualität abnimmt, sondern sie auch aus Sicht des Kunden bewertet.

Wer eignet sich idealerweise für die Rolle des Product Owners?
Diese Rolle erfordert viel Empathie für den Kunden, seine Ziele, seine Abhängigkeiten, seine Unsicherheiten. Oft ist es unser CvD, manchmal aber auch der Chefredakteur, der dabei den Hut aufhat.

Was sagen die Redakteure, wenn der Kollege den Kunden gibt? 
Das setzt die Redakteure manchmal ganz schön unter Stress. Sie hören ja per se nicht gerne Kritik an ihren Artikeln. Aber gerade diese Sichtweise des Kunden ist kennzeichnend für agiles Vorgehen. Es reicht nicht, wenn man aus der eigenen fachlichen Perspektive von dem Produkt überzeugt ist. Man muss vor allem auch den Kunden überzeugen.

 

Der Kunde sitzt
– virtuell oder real –

mit am Redaktionstisch

Sitzt der Kunde bei solchen Jour-fixes auch selbst mit am Tisch? 
Das ist der Idealfall, denn der Kunde ist dann quasi wie ein Redaktionsmitglied voll in die nächste Etappe des Produktionsprozesses, den nächsten Sprint, eingebunden.

Sprints sind Teil des agilen Managements... 
...und neben dem Product Owner ein essenzielles Element. Statt eine Redaktionskonferenz abzuhalten und den Kunden erst wieder zu kontaktieren, wenn der erste Entwurf eines Magazins steht, beziehen wir ihn in kleinere Meilensteine mit ein, natürlich abhängig von seiner zeitlichen Disposition.

Weiterer wesentlicher Teil der Organisation: An die Seite des klassischen Themenplans tritt ein sogenanntes Product Backlog. Das ist eine Liste aller Anforderungen, die der Product Owner aus Sicht des Kunden und seiner Prioritäten gewichtet. Diese Checkliste gehen wir jeden Morgen für uns und in Jour-fixes oder vor Ort mit dem Kunden durch.

Content Marketing geht über die reine Medienproduktion hinaus und sorgt auch für den geeigneten Content-Weg zum Kunden. Was bringen agile Methoden hierbei? 
Das Interessante ist, dass sich alles, was so theoretisch und bisweilen unbeholfen als Content-Marketing in unserer Branche bezeichnet wird, aus dem agilen Prozess von selbst ergibt. Die intensive Einbindung des Kunden hat den schönen Effekt, dass er im Rahmen der gemeinsamen Kreation sowie Ideen- und Themenfindung von sich aus wertvolles Feedback gibt, auf welchen Kanälen er sich eine Story auch vorstellen könnte. Oder ob eine andere Form von Content die Botschaft der Story aus dem Kernmedium transportieren könnte.

 

Manches Projekt wird
deutlich früher
abgeschlossen
als usprünglich geplant 

Und schon könnte daraus ein neuer Auftrag entstehen. 
Warum nicht? Den Kunden freut, dass er seine Inhalte effizient streut – und uns, weil wir im Zweifelsfall den Auftrag bekommen, aus der ursprünglich für das Magazin gedachten Geschichte nun beispielsweise eine animierte Microsite, ein interaktives Erklärvideo oder eine Viralkampagne auszusteuern.

Sie meinen also, der Aufwand, von der Kaskaden-Produktion zu den Sprints zu wechseln, zahlt sich unterm Strich auch in Mehrumsatz aus?  
Wenn der Kunde erfährt, wie wertschätzend wir seine Meinung einholen und ihn um aktives Mitgestalten bitten, entsteht ein kraftvoller Schaffensprozess. Und wir haben einen „Botschafter“, der eher bereit ist, gegenüber Fachbereichen und Marketingkollegen im eigenen Haus zu verteidigen, was er ihnen vorlegt – weil es auch sein eigenes Baby ist.

Ein solches emotionales Involvement spart Zeit und folglich auch Geld. Oft genug ist es schon vorgekommen, dass Kunden zu einem viel früheren Zeitpunkt, als der Gesamtzeitplan es vorgesehen hätte, mit dem Produkt zufrieden waren und es abnehmen konnten. 

→ Va bene publishing auf CPWISSEN 

Das von Va bene entwickelte Modell (zum Vergrößern bitte anklicken)

Agiles Content Marketing va bene

 

Mehr zum Thema

© CPWISSEN am 08.05.2017 12:11

Zurück

Einen Kommentar schreiben