Platinum Equity übernimmt Quark
Platinum Equity, die Firma des Multimilliardärs Tom Gores (Foto), hat Quark gekauft, den Hersteller der führenden Layoutsoftware XPress und des Redaktionssystems QPS. Der Investor ist bekannt dafür, branchenführende Unternehmen gestärkt in den Markt zu entlassen. Muss Adobe jetzt ernsthafte Konkurrenz fürchten? Verlage und Corporate Publisher jedenfalls könnten von einem Konkurrenzkampf profitieren.
Neue Runde im Duell zwischen Quark und Adobe. Mit frischem Kapital im Rücken will Quark-Chef Raymond Schiavone den Kampf um Anteile im Markt der Publishingsysteme aufnehmen. Die Eigentümerfamilie von Quark hat das Unternehmen an den US-Investor Platinum Equity des US-Milliardärs Tom Gores verkauft – an einen Investor, der vor allem Unternehmen mit guter Substanz zusammenkauft, die in ihrer Branche zu den führenden zählen.
Das gibt der Mannschaft bei Quark Deutschland in Hamburg und den Teams in den weltweiten Niederlassungen die Zuversicht, jetzt mit der Power im Markt auftreten zu können, wie es dem Produkt XPress angemessen wäre. "Nach 30 Jahren sind die Grenzen erreicht, die ein Familienbetrieb leisten kann", resumiert Raymond Schiavone im Gespräch mit CPWISSEN. "Quark hat nach einem Eigentümer mit größerer Marktreichweite gesucht, um zu expandieren (siehe auch Interview auf dieser Seite).
Bestätigt wird Schiavone von Brian Wall, Platinum-Partner und für den Kauf zuständig: "Quark hat das Potenzial, die Kommunikationindustrie ein zweites Mal zu revolutionieren. Wir können es gar nicht erwarten, den Markt mit neuen Produkten aufzurütteln."
Die erste und die zweite Revolution
Seit Jahren spricht man bei Quark von der zweiten Revolution. Zur Erinnerung: Die erste Revolution war jene, als Quark in den frühen 80er Jahren mit seinem Produkt XPress, Adobe mit Postscript und Photoshop sowie Apple mit seinen grafisch orientierten Macintosh-Computern die Grundlagen für das Desktop-Publishing schufen – und damit die digitale Revolution in der Druckindustrie einläutete.
Die zweite Revolution definierte Quark als "Dynamic Publishing"; gemeint ist die automatisierte Erstellung personalisierter Dokumente mit grafisch anspruchsvollen Layouts für verschiedenste Medien wie Print und Web sowie für mobile und elektronische Geräte. Nicht allein mehr die Produktion von Medien ist im Fokus, sondern das komplette Informationsmanagement eines Unternehmens bis hin zur Lieferung der Medien, gleich in welchem Ausgabeformat.
Diese von Quark vorhergesehene zweite Revolution ist bereits angelaufen – angestoßen von Apple mit iPhone und iPad. Doch Quark erschien mit seinem Dynamic Publishing nicht mehr in der ersten Reihe, trotz interessanter Anwendungen für Dynamic Publishing. So unterstellt etwa Airbus sowohl Konstruktion als auch Produktion und Dokumentation dem Quark Dynamic Publishing System, was die Ausgabe von Handbüchern und Dokumentationen erheblich vereinfacht. Bei Airbus demonstriert Quark die Vielseitigkeit des Systems weit über das reine Publishing hinaus.
Die Aufholjagd kann beginnen
Neu aufgestellt, geht es jetzt darum zu expandieren. Eigentümer Fred Ebrahimi hatte lange auf die Monopolstellung seines erfolgreichen Produkts XPress gesetzt. Das machte es Adobe leicht, sein 2003/2004 marktreifes Konkurrenzprodukt InDesign in den Markt zu geben und gleichzeitig Quark in einen heftigen Preiskampf zu verwickeln. Und: Adobe gab den Kern seines Redaktionssystem, den InDesign Server, frühzeitig frei. Firmen wie Vjoon, Woodwing und viele mehr konnten auf inDesign-Basis eigene Publishingsysteme entwicken und diese mit eigenen Preismodellen anbieten. Eigentümer Fred Ebrahimi trat 2005 als CEO zurück. Der jetzige CEO Schiavone übernahm 2006 das Szepter.
Enterprise-Produkte wie QPS, XPress Server, XML Author und viele andere fanden allerdings durchaus Zuspruch bei Unternehmen wie Walz, IBM, dem Spiegel, der irischen Regierung, Thomas Cook und auch dem CP-Dienstleister PRH Hamburg. Expandieren will Quark nun noch stärker in die Bereiche Herstellung, Finanzdienstleistungen, Life Sciences und Regierungsbehörden.
Schillernder Partner, unklare Marktanteile
Mit Platinum Equity, Sitz in Beverly Hills, hat Schiavone es jetzt mit einem bemerkenswerten Partner zu tun. Sein Besitzer Tom Gores wirkt wie ein Investor aus einem Hollywood-Film. Innerhalb von 15 Jahren machte der in Nazareth aufgewachsene Immigrant in den USA ein Vermögen von 2,4 Milliarden Dollar, indem er weltweit mehr als 115 Gesellschaften kaufte. Viele werden aufgepäppelt und wieder verkauft, die meisten aber auf Synergien geprüft und weiterbetrieben. Aus Deutschland sind Übernahmen des Granulateherstellers Ecka Granulates in Fürth sowie des Textilfarben-Herstellers DyStar, eine zuvor gemeinsame Tochter von BASF und Bayer, bekannt. Hinzu kommen diverse kleine Autozulieferer. Allen ist gemeinsam, dass sie in ihren Märkten jeweils zu den führenden drei zählten. Über 70 Unternehmen betreibt Platinum direkt und erwirtschaftet damit einen Umsatz von 13 Milliarden Dollar jährlich. Platinum Equity zählt zu den 30 größten nicht börsennotierten privaten Unternehmen in den USA.
Wegen des starken Konkurrenzkampfs zwischen QuarkXPress und InDesign sind Marktanteile immer wieder Anlass zu wilden Spekulationen. Seit InDesign hauptsächlich als Teil des Pakets Creative Suite verkauft wird und somit Verkaufszahlen nicht notwendigerweise Marktanteile bedeuten, existieren keine verlässlichen Zahlen. Nur soviel von Quark: Nach Angaben des Unternehmens gibt es weltweit über drei Millionen Nutzer von QuarkXPress.
Legendäre Marke, aufgetankt mit neuer Energie
Quark-Chef Raimond Schiavone über die Perspektiven nach der Übernahme
Herr Schiavone, die Übernahme eines Unternehmens bringt ja oft auch Unsicherheit bei Mitarbeitern und Kunden mit sich. Mit welchen Hiobsbotschaften muss die Branche jetzt rechnen?
Platinum Equity ist ein sehr erfahrener Investor, der Unternehmen und Branchen genau analysiert, bevor er investiert. Seine rund 115 übernommenen Unternehmen sind nach ihrer Restrukturierung sehr erfolgreich in ihren Märkten. Ich sehe den Verkauf von Quark an Platinum Equity daher als einen Riesenschritt nach vorn und als eine große Chance für Quark.
Quark war ja sehr erfolgreich, solange das Produkt XPress allein am Markt war. Dem Konkurrenzkampf mit Adobe schien Quark dann nicht mehr gewachsen.
Die Limitierungen eines Familienbetriebs waren für ein Unternehmen in Größe und Struktur von Quark sicher nicht mehr zeitgemäß. Es macht Sinn, die Tür zu öffnen für neue Eigentümer, die eine größere Reichweite auf dem Markt, mehr Erfahrung im Bereich Merger&Acquisitions und Operations mitbringen, um unsere Dynamic-Publishing-Vision zu unterstützen.
Was erwartet die Kunden?
Platinum Equity hat ganz besonders die Kunden seiner Unternehmen im Fokus. Daher können Sie in nächster Zeit durchaus mit positiven Veränderungen rechnen. Lassen Sie es mich so sagen: Quark ist eine legendäre Marke, sie hat die Kommunikationsindustrie revolutioniert – und jetzt haben wir die Energie und das Kapital, wieder die Führung zu übernehmen.
© CPWISSEN 09.08.2011 09:00







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stephan meint am 21.04.2012 - 14:25 Uhr
Aufgrund 26-jähiger XPress-Erfahrung arbeite ich, aber auch Kollegen, Kunden und meine Unternehmen, lieber und vor allem effizienter mit XPress. InDesign ist überladen, träge, viele Anwender und ihre Dokumente wirken sehr unprofessionell.
Quarks "Dynamic Publishing" ist eine großartige Idee. Ich vermag nicht zu beurteilen, ob der Markt das annimmt, aber es funktioniert mit XPress schlecht. Die meisten Webfunktionen sind ein Katastrophe. Reproduzierbare Fehler wurden in den letzten drei Versionen nicht behoben.
Private-Equity-Übernahmen wie auch bei Quark haben Unternehmen und vor allem Anwendern und Produkten meist geschadet (vgl. Coral Draw, Discreet Logic, SGI, FreeHand ...) und die neue Quark-Zielgruppe könnte die Kernbranche (Kreative, Duckdienstleister) weiter verschrecken.
Erik Ratten meint am 09.08.2011 - 15:15 Uhr
Auf dem Publishing Markt gibt es fast keine Alternativen zu den Adobe-Produkten. Und das kosten die auch mächtig aus. Wieviel kostet gleich Photoshop oder InDesign? Ich hoffe mal, dass der Verkauf kein Sargnagel für XPress ist.