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Tag der Industriekommunikation: KI or not to be

Referenten aus Wissenschaft und Industrie wagten Ende Juni einen Blick in die Zukunft des Marketing – mit durchaus unterschiedlichen Erkenntnissen.

Tag der Industriekommunikation des BVIK

Reinhard Karger, DFK„KI hilft, große Datenmengen besser zu nutzen, Kunden personalisierter anzusprechen, Prozesse zu automatisieren, Feedback in Echtzeit auszuwerten und schneller zu agieren,“ fasste Reinhard Karger, Unternehmenssprecher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), in seinem Impulsvortrag beim Tag der Industriekommunikation (21. Juni) in Fürstenfeldbruck die Essentials zusammen. Mit Sprachassistenen wie Alexa und Siri machen sich Amazon und Apple die Künstliche Intelligenz zunutze, Online-Shops empfehlen Produkte, Facebook erkennt Gesichter.

Und das sind nur die ersten wackligen Schritte zu einer Entwicklung, die auch Marketing und Kommunikation in den Unternehmen umkrempeln wird.

Doch wirklich erfolgreich wird am Ende nur sein, wer all die daten- und KI-getriebenen, augmentierten und virtuellen Realitäten dazu nutzt, am Ende dem Menschen das Leben ein weiteres Stück lebenswerter zu gestalten – dieser Tenor zog sich quer durch alle Vorträge. 

Dietmar Dahmen, Marketing-VisionärKein Grund, sich beruhigt zurückzulehnen, denn die Veränderung der Geschäftsmodelle geht „Bäng-Bäng-Bäng“, peitschte Marketing-Visionär Dietmar Dahmen dem Publikum in seiner Keynote in die Ohren. Sein Credo: Entschlossen handeln, sich von Widerständen nicht entmutigen lassen und alte Gewohnheiten aufgeben, damit das Neue gelebt werden kann.

Salima Douven, HenkelAuch Salima Douven, die bei Henkel im Bereich Digital Strategy & Operations an der digitalen Transformation des Konzerns arbeitet, riet den Teilnehmern, nicht lange zu zögern: „Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden. Was den digitalen Wandel aber erleichtert, das sind Agilität, Offenheit und Schnelligkeit im täglichen Arbeiten.“ Erik Snoeijen, Director Corporate Marketing bei Bosch Rexroth, ergänzte: Auch Traditionsmarken müssen sich neu aufstellen; er formulierte provokant: „Wer sich nicht verändert, verliert.“

Sven Krüger, T-Systems InternationalSven Krüger, Chief Marketing Officer von T-Systems International, hält Sprachassistenen und Chatbots für die Killer-Applikationen in Marketing und Customer Service. Denn jedes Geschäft basiert auf einem Dialog. Dieser muss aber nicht bei wiederkehrenden Fragen von Mitarbeitern geführt werden. Bots und Assistenen kanalisieren und holen den Menschen dann ins Gespräch, wenn eine individuelle Betreuung angesagt ist. Krüger ist überzeugt, dass in Zukunft jede Interaktion mit einem virtuellen Agenten startet. 

Alissia Quaintance, IQ GeminiAlissia Quaintance, Expertin für digitale Innovation und Gründerin von IQ Gemini, hatte einen bemerkenswerten Tipp parat, wie Mitarbeiter für ein neues Projekt zu begeistern sind. Sie schickt das Team zunächst in den Keller, wo eine Leiche begraben ist: das letzte gescheiterte Projekt.

Denn, so Quaintance: „Bewegung, Ortswechsel und Überraschungseffekte machen den Kopf frei für Neues.“ Wer so aktiv beim Aufarbeiten des jüngsten Scheiterns mitwirkt, ist beim neuen Anlauf sofort stärker integriert, fühlt sich mitverantwortlich und sieht sich als aktives Team-Mitglied. Für die IQ Gemini-Chefin ist die emotionale Ebene nicht weniger wichtig als die kognitive. Ihre Empfehlung für AR und VR: den Nutzer niemals mit Informationen und Sprachbefehlen überladen, sondern „das Spielerische und Unterbewusste fördern". 

Hans-Georg Häusel, Neuromarketing-ExperteAn die Bedeutung der Emotionen knüpfte auch Hans-Georg Häusel an. Der Hirnforschungsexperte erklärte, dass 70 bis 80 Prozent aller Entscheidungen unterbewusst auf Basis von Emotionen und Werten getroffen werden. Seine Empfehlung: „Die wenigen Kontakte, die wir mit Kunden haben, sollten wir möglichst intensiv und emotional gestalten – nicht nur digital." Sein Rat: „Kämpfen Sie um die verbleibenden persönlichen Kontakte!"

Franz-Josef RadermacherDen Abschluss der Konferenz krönte Franz-Josef Radermacher, Professor für Datenbanken und Künstliche Intelligenz an der Universität Ulm. Drückten die Referenten den Tag über aufs Gaspedal, stellte er mal kurz den Motor ab und rief zur Besinnung: „Ich warne davor, sich in Panik versetzen zu lassen, wenn alle sagen: ‚Wir müssen schnell digitalisieren, sonst gibt es uns bald nicht mehr.‘

Radermacher erinnerte, dass in der Miniaturisierung der Chips das Ende der Fahnenstange erreicht sei. Rechner können auf der Basis heutiger Materialien nicht mehr viel schneller werden, und einen Quantencomputer sieht er noch lange nicht. Der Wissenschaftler, der – 1950 geboren – schon viele Trends hat kommen und gehen sehen, appelliert an die menschliche Vernunft, die uns so schnell keine Maschine abnehmen wird und sollte.  

Unterm Strich ein Tag mit vielen Impulsen und solider Erdung für alle, die leicht abheben. Eine Bereicherung für Marketer – längst nicht nur im B-to-B. Gut organisiert und rundum gelungen.  

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© CPWISSEN am 05.07.2018 10:34

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