.: Strategie
Zitterpartie

Rätselraten um das Joint Venture von C3 und Innogy

Das gerade erst vereinbarte Joint Venture zwischen Innogy und C3 zur Umsetzung einer zukunftsorientierten Kommunikation wackelt mit dem geplanten Eon-RWE-Deal.

Wieviel ist ein Joint Venture wert, wenn es den Joint-Venture-Partner in seiner bisherigen Firmierung nicht mehr gibt? Diese Frage drängt sich auf bei der aktuellen Nachrichtenlage, wonach Eon und RWE deren Ökostrom-Tochter Innogy unter sich aufteilen wollen. Der Deal: Eon kauft Innogy und beteiligt dafür den Konkurrenten RWE am eigenen Unternehmen.

Nachdem Innogy und C3 Creative Code and Content erst Mitte Februar ihr Joint Venture verkündet haben, ist anzunehmen, dass Innogy zu dem Zeitpunkt noch nichts von einer geplanten Zerschlagung wusste – eine ungute Situation für alle Beteiligten. Denn kommt der Deal mit Eon zustande, könnte auch in der Kommunikation kein Stein auf dem anderen bleiben. Mit Eon kommen zwei wichtige Agenturen im Schlepptau: GGH MullenLowe als Leadagentur und für die Social-Media-Themen die Berliner GUD.


Bestehende Verträge
und schräge Kampagnen

GGH MullenLowe, Hamburg, hat im Mai 2016 seinen Vertrag nach Neuausschreibung bestätigt bekommen, intern wurde seinerzeit eine Laufzeit von drei Jahren kommuniziert. GUD Berlin (Eigenwerbung: „unangepasst und unbescheiden, mit einem Schuss Selbstironie“) wirbelt derzeit per schräger Social-Media-Kampagne die Szene auf.

Bekannt wurden die Berliner (Kunden: Granini, Rundfunk Berlin-Brandenburg, Berliner Senat) mit ihrer preisgekrönten Kampagne für die Berliner Verkehrsbetriebe. 


Revolutionäre Ideen
mit reeller Chance 

Auch die bereits gegründete und belebte gemeinsame Firma Innogy.C3 GmbH verfolgt eine revolutionäre Idee: Die Grenzen zwischen interner und externer Kommunikation sollen verschwinden, ebenso das kostentreibende Silodenken zwischen Unternehmens-, Marketing- und Produkt-Kommunikation. Die gemeinsame Agentur macht’s möglich – und preisgünstiger als üblich, wie Innogy-Kommunikations-Chef Cordt Dreyer jüngst frohlockte: „Mit dem Joint Venture können wir externe Agenturen oft zum halben Marktpreis ablösen – bei besserer Qualität.“

C3

 

Das Konzept der intensiven Zusammenarbeit per gemeinsamer Firma – Unternehmenssprech: „hochintegrierte Kommunikation über alle Geschäftsfelder“ – ist so weitab von den Konzepten der Werber GGH MullenLowe und GUD entfernt, dass Beobachter von fairen Chancen auf Umsetzung für alle beteiligten Agenturen ausgehen.

Zumal bei einer Firmenübernahme auch bestehende Verträge ihre Gültigkeit behalten, was auch Scholz & Friends beruhigen dürfte. Die Berliner mit Sitz am Litfaß-Platz, dessen Name an den großen Werber des 19. Jahrhunderts Ernst Litfaß erinnert, haben das Mandat für die klassische Werbung von Innogy.

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© CPWISSEN am 12.03.2018 17:11

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Kommentar von Eva Elbers |

Das Joint Venture ist alles andere als eine gute Lösung. In der Praxis zeigt sich, dass die Zusammenarbeit zwischen Konzern und Agentur so gar nicht klappt. Die Stimmung ist sehr schlecht, und gerade auf Konzernseite ist man von den „neuen Kollegen“ nicht begeistert.

Auf Seiten von C3 wird motiviert gesprochen und erzählt „wir haben die Besten der Besten, und innogy muss verstehen, dass wir die Kompetenzen haben und nicht Ihre Mitarbeiter“. Sehr fragwürdige Aussagen, wenn man vorhat, in einem Team zusammenzuarbeiten. Auch die Stimmung im Joint Venture selber ist eine Katastrophe. An E.ons Stelle sollte man das Joint Venture wieder auflösen.