.: Strategie
Gewinnen Sie das Buch zum Agilen Publishing

"Publikationsfähige Website in nur einer Woche"

Die digitale Medienproduktion braucht eine ganz neue Arbeitskultur, meinen Detlev Hagemann, Matthias Günther und Georg Obermayr, Autoren des Buchs Agiles Publishing. "Agil" steht für eine integrierte, atmende Organisation, die mit herkömmlichen Produktionsprozessen bricht - ganz gleich, ob am Ende ein Mitarbeitermagazin oder eine App herauskommt. Obermayr erklärt die Grundzüge im Interview.

Georg Obermayr: Agilität pusht das crossmediale Publishing

Herr Obermayr, warum verspricht die agile Arbeitskultur in der Medienproduktion mehr Erfolg?
Ganz wesentlich ist die starke Verzahnung der einzelnen Fachdisziplinen und die direkte und unmittelbare Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Dazu kommt, dass alle Anforderungen immer aus Nutzersicht formuliert und begründet werden. Bei unserer heutigen Arbeitsweise, dem sogenannten Wasserfall-Prozess, verbringen wir zu viel Zeit damit , Probleme zu beheben, die erst spät im Prozess auftauchen. Dies erfordert viel Kraft und erhöht den finanziellen Aufwand. Dieser Prozess ist nicht dafür gedacht, mit Veränderungen gut umgehen zu können. Veränderung ist aber  das Grundprinzip der modernen Medienproduktion – nicht nur der digitalen, sondern auch der analogen. Agile Arbeitsweisen sind dagegen darauf ausgelegt, mit Veränderungen umzugehen - durch enge Kommunikation und klare Nutzerorientierung als Grundvorraussetzung für erfolgreiche crossmediale Produkte.

Hat die idealtypische Redaktion künftig noch Redakteure, Grafiker und Producer?
Die bestehenden Rollenbilder werden auch weiterhin bestehen, sie werden sich aber weiter verändern. Das übergreifende Schlagwort ist hier "T-shaped". Das Fachwissen im eigenen Bereich ist weiterhin hochgradig wichtig, dazu kommt aber das übergreifende Vernetzungswissen mit den anderen Disziplinen. Nur aus dieser Vernetzung - etwa von Kreativen und Programmierern - können die inhaltlichen, technischen und kreativen Möglichkeiten gerade der digitalen Medien voll ausgenutzt werden.

Sehen Sie auch ganz neue Berufsbilder am Horizont?
Ja, den User Experience Designer sehen wir schon gelegentlich. Auch den Content-Strategen werden wir in Zukunft häufiger antreffen. Der klassische Projektmanager wird es im agilen Team dagegen schwer haben – agile Prozesse kennen keinen allmächtigen und allverantwortlichen Projektmanager. Das ganze Team ist für den Erfolg verantwortlich. 


Agil/Agilität

Hier im Sinne von schnellem Handeln, beweglich. Beschreibt nicht nur die Fähigkeit, auf veränderte Umgebungsfaktoren und Umwelteinflüsse schnell zu reagieren und nach nun angepasster Arbeitsanweisung weiterzuarbeiten, sondern speziell diese Beweglichkeit von vornherein zu planen und zu verinnerlichen.

Warum halten Sie den User Experience Designer vor allem auch in der Corporate Communication für essentiell?
Er schaft stimmige Benutzererlebnisse und definiert beispielsweise die Funktionen des Medienprodukts, Begeisterungsmerkmale oder Informations-Architekturen. Dabei verantwortet er nicht das visuelle Design wie ein Grafiker, vielmehr kümmert er sich um die inhaltliche und funktionelle Beschaffenheit des Medienprodukts. In der Software-Branche ist das Berufsbild bereits etabliert. Da wir im Publishing zunehmend Interface-ähnliches entwickeln, sehen wir User Experience Designer auch in der Medienproduktion immer öfter. Nahezu jedes Medienprodukt profitiert vom bestmöglichen Benutzererlebnis.  

Ein Auftrag wird üblicherweise in einem Lastenheft definiert. Falsch, meinen Sie. Was lässt sich verbessern?
Lastenhefte werden als "allwissende" Dokumente durch den gesamten Prozess gereicht. Es ist aber heute nahezu unmöglich, alle Parameter eines Projekts im Vorfeld zu definieren. Neue Anforderungen lassen sich nur mit großem Aufwand einarbeiten. In agilen Prozessen sind Anforderungen dagegen dynamisch und werden komplett aus Nutzersicht nach einem klaren Schema formuliert. Alle Anforderungen werden in einem Pool gesammelt, priorisiert und in einer festen Zeitbox, dem Sprint, abgearbeitet.  Anforderungen können laufend ergänzt und angepasst werden, so dass es sich jederzeit flexibel auf Veränderungen etwa am Markt reagieren lässt. Während des Sprints werden alle Anforderungen  strukturiert abgearbeitet. Der gesamte Prozess ist also auf Veränderung ausgelegt. 

Wie sieht die ideale räumliche Situation einer agilen Organisation aus?
Den amerikanischen Begriff des "War Room" auf die Medienproduktion übertragen, heißt, dass alle für ein Projekt benötigten Disziplinen im selben Raum arbeiten. Es gibt also keine Einzelbüros mehr für Grafiker-, Texter- und Reinzeichner-Teams. Dadurch entsteht von selbst ein sehr intensiver Austausch und ein gemeinsames, zielgerichtetes Erarbeiten von interdisziplinären Lösungen. Dazu kommt auch, dass der Raum selbst mit Flipcharts intensiv genutzt wird.

Bringt die agile Organsation auch Zeitvorteile bei der Projektumsetzung?  
Klar, denn de-facto ist agiles Arbeiten das Abschaffen der heute verbreiteten, meist nicht sehr effektiven Form von Meetings. Da ja alle im gleichen Raum sitzen, findet im Prinzip dauernd ein "Meeting", also Kommunikation statt. Die eigentlichen Meetings können dagegen klar reglementiert durchgeführt werden: Sie haben ein festes Zeitfenster, klare Ziele und Ergebnisse. Und sie finden nur an bestimmen Stellen im agilen Prozess statt. Dadurch entstehen natürlich auch große Zeitvorteile: Oder würde man bei klassischen Prozessen bereits innerhalb einer Woche einen funktions- und publikationsfähigen Stand etwa einer Website sehen? In agilen Prozessen ist dies durch die interdisziplinäre Arbeit und die auf Veränderung ausgelegte Arbeitsweise normal.

Welches sind die Haupthürden bei der Umsetzung einer agilen Organisation und wie lassen sie sich beseitigen?
Hier kommt ein cleveres Change Management ins Spiel. Die häufigsten Gründe liegen in der Unternehmenskultur. Hier ist es am sinnvollsten, sich mit kleinen Schritten und einfachen Maßnahmen, wie etwa der Raumaufteilung oder der Meeting-Kultur, an das Ziel "Agilität" heranzutasten. Diese kleinen Schritte führen eher zum Erfolg und zur nötigen Akzeptanz bei Mitarbeitern und Führungskräften als der Versuch einen "großen Wurf" zu landen.
Die Fragen stellte Pia Dahlem

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Detlev Hagemann, Matthias Günther und Georg Obermayr Agiles Publishing - Fokus auf den Nutzer, das Silo-Denken beenden: Neue Wege des Publizierens für Print, Web und Apps ist bei der Kastner AG - das medienhaus, Wolnzach, erschienen. Das 400 Seiten umfassende Werk kostet 39,90 Euro.

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Georg Obermayr

© CPWISSEN am 04.11.2013 09:58

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