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Transparenz

Neue Nerv-Nummer: ESEF im Reporting

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) will Jahresfinanzberichte mit dem European Single Electronic Format“ (ESEF) ab 2020 europaweit vergleichbar machen. Die meisten Unternehmen haben diese Entwicklung verschlafen – oder verdrängt.

ESEF – neue Regeln im Reporting

Wer für einen Geschäftsbericht verantwortlich ist, braucht ein dickes Fell. Nicht genug damit, dass die letzten Zahlen nicht selten in der Nacht vor Drucklegung eintreffen und so manches Reporting-Team daher schon auf Feldbetten im Büro genächtigt hat. Auch die Reporting-Richtlinien stellen die Verantwortlichen vor immer neue Herausforderungen. Wie war das wieder mit dem IFRS 16 und welche Interpretation ist gerade gültig? Jetzt also auch noch das ESEF, bislang noch immer „weitgehend unterhalb des öffentlichen Radars“, wie Sven Schenkluhn von Investor-Relations-Spezialist EQS, feststellt. Dabei betrifft das neue Format europaweit laut ESMA-Schätzung rund 5.300 Gesellschaften, nämlich alle, die Wertpapiere auf regulierten Märkten innerhalb der EU handeln.

Was genau ist zu tun? Wichtig ist die Umsetzung aller HGB-Jahresabschlüsse und IFRS-Konzernabschlüsse nach dem einheitlichen Berichtsformat XHTML (Extensible Hypertext Markup Language). Beim IFRS-Konzernabschluss muss das XHTML-Format zusätzlich mit Tags, den XBRL (Extensible Business Reporting Language)-Etiketten, versehen werden, damit die Angaben auch maschinell auswertbar sind. Diese Tags greifen auf ein einheitliches IFRS-Etikettierungsschema zurück.

Nicht alle diese XBRL-Etiketten müssen vom Start weg gesetzt sein. Für die Geschäftsjahre ab und nach dem 1. Januar 2020 genügen sie zunächst für die primären Abschlussbestandteile: Bilanz, Gesamtergebnisrechnung, Eigenkapitalveränderungsrechnung und Kapitalflussrechnung. Zusätzlich müssen zehn Basis-Unternehmensinformationen wie Name, Sitz und Rechtsform etikettiert werden.

 

Für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2022 wächst der Aufwand: Zusätzlich zu den zehn Basis-Informationen sind dann auch 234 Anhang-Informationen jeweils als Textblöcke zu etikettieren. Ein solcher Textblock ist beispielsweise die konkrete Bilanzierungs- und Bewertungsmethode.

Ralf Jödicke von KPMG kritisierte bereits im April, dass sich Unternehmen zu lange zu wenig für das ESEF interessiert haben, sodass eine sinnvolle Auseinandersetzung mit dem Standard fehlt und viele Unternehmen jetzt mit den Ergebnissen unzufrieden sind. Ein Dauerbrenner: Da der IFRS selbst permanenten Änderungen unterliegt, wirkt sich dieser auch stets auf die Etikettierung aus. Den Reporting-Verantwortlichen wird daher kaum anderes übrig bleiben, als sich kontinuierlich mit dem IFRS-Katalog auseinanderzusetzen, zumal die ESMA plant, Änderungen in der Regel ohne weitere öffentliche Anhörung direkt rechtswirksam umzusetzen.

Einen Vorteil hat der Aufwand jedenfalls: Berichte werden schlanker. Denn alles, was nicht getaggt werden muss, muss auch nicht vorhanden sein. Das spart Aufwand und verhindert widersprüchliche Aussagen.

© CPWISSEN am 22.11.2018 11:58

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