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Runde Sache

FC Bayern entdeckt das Prinzip Red Bull und wird Mediendienstleister

Der FC Bayern München steht für Emotion pur. Mit seinem im Mai gegründeten FCB Digital & Media Lab will er seine starke Marke medial noch besser positionieren und Medienservices auch jenseits der Sportwelt anbieten. Red Bull lässt grüßen.

FC Bayern
Foto: RonnyK

„Die Medialisierung und die Digitalisierung sind elementare Bausteine für die Zukunft des FC Bayern. Mit der Gründung unserer Digital- und Medientochter wollen wir unser Know-how und unsere Kräfte noch einmal bündeln, um die Vorreiterrolle des FC Bayern in diesem Bereich weiter auszubauen", erklärt Karl-Heinz Rummenigge. Der Fußball-Vorstandschef will vor allem eines: durch Diversifizierung vom Kerngeschäft unabhängiger werden. 

Eine Strukturierung der medialen Angebote war überfällig. Der Fußball-Club pflegt für seine rund 650 Millionen Fans weltweit rund 40 digitale Angebote vom Whats App bis zum Youtube-Kanal und erreicht über alle Kanäle monatlich im Schnitt eine Milliarde Kontakte. Vier Minuten Bandenwerbung beim Clubspiel, so rechnet man Werbetreibenden gerne vor, stehen heute bei der internationalen Erreichbarkeit für rund 205 Stunden Blickkontakt und 870 Millionen Kontakte. Dagegen nimmt sich das gedruckte Bayern Magazin trotz einer Leserschaft von 180.000 Menschen eher bescheiden aus. 

 

Von der Bündelung der Aktivitäten verspricht man sich einerseits mehr Reichweite bei der internationalen Positionierung, Konkurrenzfähigkeit im TV-Geschäft und Mehreinnahmen bei Merchandising und Sponsoring. Stefan Mennerich, Direktor Medien, Digital und Kommunikation der FC Bayern München AG, hat auch den Vorsitz der Geschäftsführung der FCB Digital & Media Lab GmbH übernommen. Er betont: „Basis unserer Arbeit sind immer die Inhalte, die wir mit unseren Teams weltweit produzieren und anbieten. So können wir unsere Mannschaft, unsere Tradition und unsere Marke weltweit erlebbar machen, die Anhänger des FC Bayern begeistern und neue hinzugewinnen.“

Zugleich will man in die Dienstleister-Rolle schlüpfen und sein Know-how auch im Markt anbieten. Dabei geht es um die vorhandene Infrastruktur und Software, die andere Vereine künftig gegen Entgelt mitnutzen können. Drei Vereine haben bereits großes Interesse bekundet. Ebenfalls auf der Angebotsliste stehen Aktivierungsleistungen für Sponsoren. So soll beispielsweise Hauptsponsor Telekom seine Kampagnen-Banner nicht länger von einer Agentur, sondern vom Digital & Media Lab erstellen lassen. Und schließlich will sich die FC-Bayern-Tochter auch als Venture Capitalist und Accelerator an vielversprechenden Start-ups beteiligen. 

Im FCB Digital & Media Lab werden unter anderem die Bereiche Redaktion (Social Media, Website, TV, Print), Produktion, Digitale Vermarktung und CRM, Digitale Plattformen und Digitale Innovationen, IT und Technik sowie der Betrieb des Senders FC Bayern.tv Live gebündelt. Die Tochter soll neben Ticketing, Sponsoring, Merchandising und TV-Rechten zur fünften Umsatzsäule werden. 50 Mitarbeiter sind bereits am werkeln. 

 

Basis der FCB Digital & Media Lab GmbH in München ist das Projekt FC Bayern Digital 4.0, das im Herbst 2016 gelauncht wurde. Hier hat der FC Bayern - im Sport sonst unüblich - sein eigenes Rechenzentrum in Zusammenarbeit mit seinem Hauptsponsor Deutsche Telekom und seine eigene Software- und IT-Infrastruktur in Zusammenarbeit mit seinem Partner SAP in Betrieb genommen. Außerdem hat der Fußball-Club im Rahmen dieses Projektes seine gesamte Frontend-Infrastruktur von der Website über die Mobile-Apps bis hin zum Online-Shop neu aufgesetzt. Mennerich: "Wir haben die Steuerung unserer digitalen Zukunft jetzt selbst in der Hand." Die Ära des abhängigen Lizenznehmens ist zu Ende.

Die digitale Zukunft kann beginnen - mit dem Anschieben bestehender Geschäftspotenziale und mit neuen Geschäftsmodellen.

 

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© CPWISSEN am 06.08.2018 16:09

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