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CSR

Das grüne Tarn-Mäntelchen wird der weißen Weste weichen müssen

Jetzt wird es Ernst in Sachen Corporate Social Responsibiltiy.

Neue CSR-Richtlinien

Es lassen sich sicher gute Gründe dafür finden, warum man den CSR-Bericht bisher nicht so ganz ernst nimmt: Zum Beispiel, weil längst durchgesickert ist, dass die Ökobilanzen der Unternehmen tatsächlich besser sind als die veröffentlichten Zahlen, um keine Begehrlichkeiten bei profilierungs-ambitionierten Politikern zu wecken und sich am Ende mit noch strengeren Anforderungen konfrontiert zu sehen. Zum Beispiel, weil Emissionswerte und Wasserverbrauch für das Gros der Finanzanalysten noch immer eher Synonyme für Ökogeplänkel und Augenwischerei sind. Zum Beispiel auch, weil die nationale Regierung selbst bei der Europäischen Union höchst aktiv wird und die Arbeitsplatz-Karte ausspielt, wenn zuviel Sozio-Ökologisches in Gesetze gegossen werden soll.


CSR-Kommunikation als tragende Säule 

Dennoch werden Unternehmen ab diesem Jahr ihre nichtfinanzielle Berichterstattung stärken – weil sie es müssen, egal, ob im Geschäftsbericht oder im eigenen CSR-Report. Das bereits am 19.4.2017 in Kraft getretene, von der EU initiierte CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz entfaltet seine Wirkung für alle Geschäftsjahre nach dem 31.12.2016. Demnach sind Kapitalgesellschaften zum verstärkten Reporting verpflichtet, sofern sie die Voraussetzungen des HGB §289b erfüllen, dass sie nämlich kapitalmarktorientiert, zur Konzernrechnungslegung verpflichtet sind und mehr als 500 Arbeitnehmer beschäftigen.

Dieses Mehr an Transparenz zahlt nicht nur auf eine bessere, weil ökologisch und sozial verträglichere Welt ein, es stärkt auch die Attraktivität des Unternehmens im Hinblick auf Recruiting und Mitarbeiterbindung, und es schützt das Kapital der Anleger. Denn berichtspflichtige Unternehmen umreißen nicht mehr nur grob ihr Geschäftsmodell, sondern gehen auch konkret auf Umwelt, Arbeitnehmer, Soziales, Achtung der Menschenrechte und Korruptionsbekämpfung ein.

Werden Fragen beantwortet, wie die Lieferkette aussieht und mit welchen Subunternehmern man zusammenarbeitet, lassen sich letztlich auch Image-Risiken minimieren, weil beispielsweise Kinderarbeit ausgeschlossen wird und keine Kindersklaven die Schweizer Schoki herstellen. Nicht unerwünschter Nebeneffekt: Auch nicht-börsennotierte, kleinere und mittelständische Unternehmen werden sich in ihrer Rolle als Zulieferer und Subunternehmer intensiver mit CSR beschäftigen müssen.

Die globalisierte, digitalisierte Welt der Stakeholder verknüpft nahezu in Echtzeit unternehmerische Verhaltensauffälligkeiten mit den Sozialen Medien. Die Kommunikation rund um die nichtfinanziellen Leistungsindikatoren wird damit zu einer tragenden Säule von Kurswert und Geschäftsstrategie. Denn nicht allein die Gefahr eines Absturzes des Aktienwerts, sondern auch das Kooperations- oder Fusionsrisiko einer Firma lässt sich maßgeblich daraus ableiten. So gesehen lässt sich die Intitiative des Gesetzgebers nur begrüßen.

Ein Wermutstropfen bleibt: Der Abschlussprüfer muss lediglich attestieren, dass die formellen Aspekte erfüllt sind, eine inhaltliche Prüfung schreibt der Gesetzgeber – noch – nicht vor. Man darf also gespannt sein, wie die Chancen des neuen Mehr an Transparenz letztlich genutzt werden und ob aus dem allseits werblich gerne genutzten grünen Mäntelchen am Ende tatsächlich eine weiße Weste werden kann.

Pia Dahlem

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© CPWISSEN am 04.01.2018 17:10

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