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Kooperation

Burda-Life-Chef Kay Labinski will mit Pharmagroßhändler Noweda Apotheken vor Amazon schützen

Geplant sind gemeinsame Print- und Digital-Maßnahmen. Entsteht der Apotheken Umschau aus dem Wort & Bild-Verlag ernsthafte Konkurrenz?

Burda-Life-Chef Kay Labinski will mit Pharmagroßhändler Noweda Apotheken vor Amazon schützen
Kay Labinsky

Die Noweda Apothekergenossenschaft und Hubert Burda Media wollen gemeinsam Deutschlands Apotheken stärken. Geplant ist die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens – aktuell läuft die Anmeldung beim Bundeskartellamt – und die gemeinsame Publikation einer Apothekenkundenzeitschrift. Darüber hinaus wollen Noweda und Burda jeweils separate digitale Maßnahmen vorantreiben, ebenfalls mit dem Ziel, die Orts-Apotheken zu stärken. So erfuhr es CPWISSEN auf Nachfrage beim Burda-Verlag in München.

Die Idee ist nicht neu. Seit Jahren bemüht sich unter anderen auch die Apotheken-Kooperation Alphega, früher Vivesco, um eine stärkere Position im Gesundheitsmarkt. Hinter der Marke steht die Alliance Healthcare Deutschland AG (ehemals Anzag), ein Pharmagroßhändler mit Sitz in Frankfurt. Er bietet Alphega-Mitglieds-Apotheken ein breites Leistungsangebot von Marketing über Gesundheitsberatung für Patienten, Personalmanagement und Weiterbildung bis Finanzen – und das Alphega-Kundenmagazin.


Kampf um die OTC-Produkte

Pharmagroßhändler und Apotheken-Ausstatter wie Alliance Healthcare Deutschland oder auch Noweda treibt die pure Angst. Nicht allein vor den Online-Apotheken – sondern auch vor dem Einzelhandel, der mit dem Pharmageschäft zunehmend sympathisiert, und nicht zuletzt vor den großen Handelsplattformen à la Amazon. Sie alle wollen den Apothekern Marktanteile nehmen und drücken auf die Preise. Der Kampf entbrennt vor allem um die OTC-Produkte – ein lukrativer Markt, der 2017 in Deutschland um 3,7 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro geklettert ist.

Noweda will dieses gut bestellte Feld nicht kampflos räumen und hofft jetzt auf die Kraft der relevanten Inhalte in Kooperation mit einem starken Verlags- und Content-Partner. Eigentümer des Pharmagroßhändlers sind 9.200 Apotheker selbst. Als Abonnenten der Apotheken Umschau, dem Platzhirschen im Medienmarkt der Apotheken, wissen die Apotheker sehr genau, dass gute Inhalte funktionieren.


BurdaLife soll sich
dem Marktführer entgegenstellen

Burda will diesen spannenden Markt nicht länger seinem Verlagskonkurrenten vor der eigenen Haustür überlassen. Das Wachstum der Baierbrunner beobachtet man in München ebenso wie in Offenburg schon länger mit wachsendem Argwohn. Erst zum Jahreswechsel war Deutschlands führender Pharmagroßhändler mit seinem Kooperationsnetzwerk Linda (1.100 teilnehmende Apotheken) medial unter das Dach der Apotheken Umschau geschlüpft. Seither erhalten die Netzwerkpartner statt eines eigenen Linda-Magazins die mit einem exklusiven Beileger versehene Apotheken Umschau.

Was den Apotheken-Kooperationen bislang am meisten fehlt, ist die Bekanntheit und Präsenz beim Apotheken-Publikum. Noweda setzt hier große Hoffnungen in Burda. Im Lead ist hier die Mediengruppe BurdaLife, wie man seitens der Hubert Burda Media Holding in Offenburg bestätigt.

Die Lifestyle- und Frauen-gegprägten Medien in der Verantwortung von Ex-Klambt-Mann Kay Labinski sowie Heinz Scheiner bieten sich zum einen als Content-Lieferanten für das geplante Kundenmagazin und zum andern – mit einer wöchentlichen Reichweite von rund acht Millionen Lesern – als Plattform für Noweda-Content rund um Apotheken- und Gesundheitsthemen an.


Wort & Bild geht in die Offensive

Umgekehrt kann sich Burda über Noveda eine neue Anzeigenklientel erschließen. Den eigenen Werbemarkt fest im Blick, gibt es in München wohl auch keinen Grund, den hauseigenen Berliner Corporate-Content-Spezialisten C3 in diesen Auftrag einzubinden.

Ob Burda allerdings dem Marktführer Apotheken Umschau die Stirn bieten kann? Beim herausgebenden Wort&Bild-Verlag verzichtet man nämlich akribisch auf jegliche redaktionelle Annäherung an irgendeinen Pharma-PR-Content. Wort&Bild setzt auf strikte Trennung von Redaktion und Anzeigen. Ein Insider bezweifelt eine vergleichbare Stringenz beim neuen Duo: „Wer wie Burda ein eigenes Influencer-Netzwerk unterhält, um Marken mit Redaktion zu verweben, signalisiert hier ein eher entspanntes Verhältnis.“

Und auch beim Wort & Bild-Verlag wird nicht geschlafen. Erst kürzlich wurde bekannt: Eine Arbeitsgruppe plant und konzipiert ein Online-Portal – speziell für die Orts-Apotheken. 

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© CPWISSEN am 01.08.2018 19:56

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