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Höchste Zeit

Axel Springer Corporate Solutions schwimmt sich frei

Axel Springer lagert seinen Auftrags-Content in eine eigene Gesellschaft aus. Dieser Schritt zu mehr Selbstständigkeit ist konsequent.

Axel Springer Corporate Solutions

Mitbewerber wie G+J oder Burda sind diesen Schritt in die Selbstständigkeit mit Territory und C3 längst gegangen – und verschafften ihren Content-Spezialisten damit Raum für Kompetenzerweiterung.

Im Wesentlichen geht es dabei um Digitalkompetenz. Junge Agenturen wachsen nach mit Spezialangeboten – vom Influencer Marketing bis zum Virtual-Reality-Know-how –, die Unternehmen auf ihrer Suche nach User Experience (UX) beeindrucken. Um dauerhaft an das Wissen dieser Agenturen zu kommen, bietet sich den CP und CM-Abteilungen in den Verlagen der Weg zur Übernahme. Theoretisch. Denn die Interessen dieser Abteilungen decken sich nicht immer mit dem Hauptgeschäft des Verlags. Zu speziell sind oft die Anforderungen der Auftraggeber, als dass es sich für den Verlag lohnen würde, dafür Organisationsstrukturen zu ändern oder gar neue zu schaffen.

Umgekehrt gehen die Abteilungen beim Know-how-Transfer der Verlage oft leer aus. Welche CP/CM-Abteilung interessiert der Verlagskauf eines Tierfutteranbieters, eines Immobilienportals, einer Gebrauchtwagenverkaufs-Seite? Stattliche Invests der Verlage gingen lange Zeit an den Interessen dieser CP/CM-Abteilungen vorbei. Sie blieben geduldete, aber wenig gehätschelte Stiefkinder. G+J Corporate Media, auch Burda Creative – wer erinnert sich noch? – waren solche Verlags-Randerscheinungen. Zu gut, sie zu schließen, zu schwach, sie wirklich ernst zu nehmen.

Bis die Content-Monsterwelle anrollte und auch das gelernte Anzeigengeschäft mit in den Abgrund riss. Zwangsläufig musste nun umgedacht, dem Unternehmens-Content und den zarten Pflänzchen, die dafür im eigenen Haus gewachsen waren, eine neue Bedeutung beigemessen werden. Sie rückten in den Fokus der Verlagsstrategen und erhielten deren Rückendeckung. 

Axel Springer Corporate Solutions erlebt diesen Prozess vergleichsweise spät. Denn der Konkurrenzdruck im Kampf um die großen Budgets wächst. Nicht nur Verlagstöchter wie C3 und Territory haben sich längst als eigenständige Töchter durch die Übernahme von Agenturen mit Digital- und UX-Kompetenz vollgepackt, auch große Beratungskonglomerate wie Accenture und Deloitte wollen mit Verve ins Content-Geschäft und schnappen sich bereits dicke Etats.

Als selbstständige GmbH & Co. KG wird Axel Springer Corporate Solutions erst jetzt wirklich vollumfänglich handlungsfähig. Es ist Zeit.
pd

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© CPWISSEN am 30.05.2018 09:07

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