.: Strategie
Sand im Getriebe

Audi-Pitch auf Schleichfahrt

Im September 2016 ließ Audi um das „Audi magazin“ pitchen. Seither kommt man in Ingolstadt nicht mehr in die Gänge.

Audi Pitch auf Schleichfahrt

Es gibt eigentlich nur eine Erklärung für die tiefe Stille um die Zukunft des Audi magazins: Unsicherheit darüber, was man will und demnach von einem Dienstleister erwartet. Seit fünf Jahren wird das Magazin, inzwischen auch eine iPad App, viermal jährlich von der Agentur Loved produziert – und seither mit Preisen überschüttet. Loved liefert jenen Content, aus dem sich 38 Länder bedienen für Print- wie digitale Kanäle, schick verpackt, ganz so wie es sich die Markenwächter von Audi wünschen. 

Nun sind regelmäßige Ausschreibungen an sich nichts Außergewöhnliches. Ein Blick in die Agentur- und Verlagsszene, ein Vergleich der Preise – und man kehrt letztlich zum bewährten Dienstleister zurück, für den sich wenig ändert bis auf ein merklich schlechteres Leistungs-Honorar-Verhältnis. 

Doch wo konkret klemmt es
bei diesem Pitch?

Moritz Drechsel aus dem Bereich Vertrieb und Marketing bei Audi bestätigt auf Nachfrage, dass der Pitch noch läuft und er sich – wenig verwunderlich – bis zu dessen Abschluss nicht weiter dazu äußern will.

Bleibt die Spekulation. Möglicherweise hat Audi den Pitch schlicht zu früh ausgeschrieben. Die von den Agenturen Strichpunkt und KMS Team/Blackspace vorgelegte neue Corporate Identity wurde just zum Zeitpunkt des Pitches, Ende September, neu vorgestellt. Sieht man diese neue CI aber nicht nur als optisches Facelift, sondern Ausdruck einer kulturellen Weiterentwicklung des Autoherstellers, dann entsteht eine ganz neue Dynamik: „Vielseitigkeit, Authentizität und Balance sowie ein lebendiger Dialog über alle Kontaktpunkte hinweg" wollen die Urheber zum Ausdruck bringen. Diese Aussagen ernsthaft in neue Kommunikations-Leitlinien umzusetzen – es gäbe kaum einen geeigneteren Zeitpunkt als jetzt. 

Der Dieselabgas-Skandal,
die Absatz-Einbrüche im Chinamarkt
sind hausgemacht.

Dazu kommen strukturelle Umwälzungen, wie sie die Autoindustrie in ihrer vergleichsweise jungen Geschichte noch nicht erlebt hat. 

Kommunikation muss darauf Antworten geben, braucht neue Wege für einen intensiveren Dialog mit dem Kunden. Denn dieser erwartet längst eine neue Definition von Auto – und einen Hersteller, der seinen Wünschen aufgeschlossen und offen begegnet, der erklärt, anstatt nur werblich schön zu plakatieren und zu inszenieren.

Wer erinnert sich als Journalist nicht noch an gar nicht allzu weit zurückliegende Zeiten, als man für eine simple Abbildung des Gefährts mit den vier Ringen kaum weniger als ein polizeiliches Führungszeugnis brauchte und mit Name, Adresse und einer Reihe weiterer persönlichen Daten zu exakter Erklärung genötigt war, in welchem Umfeld man das aufgestylte Hochglanz-Objekt zu zeigen gedachte? Diese Phase des Hochmuts ist vorbei. Geblieben ist bis heute die dicke Markenlippe, die Audi – kaum anders als andere Auto-Premiumhersteller – riskiert, wenn es um die eigene Inszenierung der Marke geht. Zu viel Styling und Schick, zu wenig Antworten auf die digitalen Herausforderungen kennzeichnen noch überwiegend die Kommunikation aller Premiumhersteller. Bis jetzt. 

Vielleicht reagiert Audi auf die Zeichen der Zeit und sprintet mit neuen Kommunikationsansätzen an die Spitze. Mit einem „Vorsprung für Kunden" vielleicht? Das Team von Loved ist professionell, es könnte die passende Umsetzung bieten. Andere auch. Wir sind gespannt.
Pia Dahlem

 

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© CPWISSEN am 04.05.2017 17:10

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