.: Strategie
DAPR-Chef Nils Hille im Interview

"Auch ein faires Gehalt ist Bedingung einer Zertifizierung"

Die Deutsche Akademie für Public Relations zertifiziert Volontariate und Traineeships von Unternehmen, die sich davon eine bessere Positionierung im Employer Branding versprechen. Wir fragen bei Geschäftsleiter Nils Hille nach.

Nils Hille, DAPR
DAPR-Geschäftsführer Nils Hille  

Vom Großkonzern über die Non-Profit-Organisation bis hin zur spezialisierten Agentur – die Deutsche Akademie für Public Relations (DAPR) zertifiziert die Kommunikations-Volontariate und -Traineeships von Unternehmen. Erst jüngst haben sich auch ABB, Aktion Mensch, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Microsoft, Voith, und die Content-Marketing-Agentur Kresse & Discher Zertifikate abgeholt.

Herr Hille, wie lässt sich das Trainee-Programm eines Content Marketers und das Volontariat eines IT-Konzerns glaubhaft mit dem gleichen Prüfsiegel zertifizieren?
Nils Hille: Dadurch, dass die DAPR-Zertifizierung immer nur dann möglich ist, wenn es sich um ein Traineeship oder ein Volontariat im Bereich Kommunikation handelt. Ausbildungsprogramme anderer Fachbereiche werden von uns nicht zertifiziert. Die zu erfüllenden Bedingungen zielen auf eine fundierte Ausbildung in der Kommunikationsbranche ab. Dazu zählen eine strukturierte Wissensvermittlung mit Themen wie Konzeptions-, Text- und Digitallehre sowie die Einhaltung entscheidender organisatorischer Voraussetzungen, wie ein verbindlicher Ablaufplan, direkte Ansprechpartner und ein faires Mindestdurchschnittsgehalt – alles Dinge, die die Content Marketing-Agentur genauso gut erfüllen kann wie der Konzern.

Kann sich jedes Unternehmen zertifizieren lassen?
Grundsätzlich kann bei uns jede Kommunikationsabteilung – sei es aus Unternehmen, NPO oder NGO – und jede Agentur eine Zertifizierung ihrer Kommunikationsvolontariate oder -traineeships beantragen.

Und was kostet das? 
Für die Erst-Zertifizierung fällt eine Bearbeitungs- und Zertifizierungsgebühr in Höhe von 1.800 Euro an. Nach zwei Jahren muss zur Qualitätssicherung die Zertifizierung erneuert werden. Für diese erneute Überprüfung fallen Bearbeitungsgebühren in Höhe von 800 Euro an.

Gab es auch Unternehmen, die kein Zertifikat erhalten haben?
Ja, es gab auch einige Unternehmen, bei denen sich im Zertifizierungsprozess herausgestellt hat, dass diese nicht alle Bedingungen erfüllen. Diejenigen, die nicht bereit waren, ihr Volontariats- oder Trainee-Programm entsprechend der Bedingungen anzupassen, haben wir abgelehnt und somit nicht zertifiziert.

Gibt es Einschränkungen bei der Nutzung der Zertifizierung?
Nein, manche setzen das Signet konsequent bei den passenden Stellenanzeigen sowie beim Employer Branding, auf der eigenen Website und in der Unternehmenskommunikation ein, andere nutzen es nur bei einem Teil dieser Kommunikationswege.

Das sagen die Zertifizierten

Beate Höger-Spiegel, Leiterin externe Kommunikation ABB:

„Wir möchten unseren Volontären einen optimalen Start ins Berufsleben ermöglichen. Dazu ist neben der praktischen Erfahrung eine fundierte akademische Ausbildung von hoher Qualität essenziell. Zusammen mit der DAPR stellen wir dies sicher.“

Sascha Decker, Leiter PR und Öffentlichkeitsarbeit bei Aktion Mensch:

„Wir legen seit Jahren viel Wert darauf, dass unsere PR-Volontäre einen guten Start ins Berufsleben bekommen. Die DAPR-Zertifizierung macht diese Qualität sichtbar – für Bewerber und, weil wir leider nicht jeden übernehmen können, auch für zukünftige Arbeitgeber.“

Heike Discher, Geschäftsführerin Kresse & Discher

„Studium fertig, rein in den Job – aber wie? Unser Traineeship Content Marketing erleichtert Studenten den Berufseinstieg ins Content Marketing. Und für uns ist es ein guter Weg, talentierten Nachwuchs zu gewinnen und zu fördern. Dieses Traineeship haben wir jetzt von der DAPR prüfen und zertifizieren lassen. Wir sind stolz auf dieses Qualitätssiegel.“

Sabine Tonscheidt, Leiterin Unternehmenskommunikation GIZ:

„Weltweit beraten wir Entwicklungs- und Schwellenländer zu Ausbildungsfragen und beruflicher Bildung. Wir wissen aus Erfahrung, dass Bildung der Schlüssel zum Erfolg ist. Unser PR-Volontariat folgt den gleichen hohen Ansprüchen, die wir mit unserer Beratung weltweit anstreben. Es ist zu begrüßen, dass die DAPR mit der Zertifizierung die Professionalisierung der breiten PR-Ausbildung vorantreibt.“

Thomas Mickeleit, Director of Communications Microsoft Deutschland:

„Wir wollen mit der Zertifizierung unseren seit vielen Jahren gelebten Anspruch auf eine qualifizierte Volontariatsausbildung sichtbar machen und unsere Wahrnehmung als attraktiver Arbeitgeber weiter erhöhen.“

Lars A. Rosumek, Senior Vice President Group Communications der Voith GmbH & Co. KGaA:

„Das Familienunternehmen Voith legt seit jeher großen Wert auf die Ausbildung junger Talente. Bislang mangelt es allerdings an einheitlichen Branchenstandards für Nachwuchs-Kommunikatoren. In Kooperation mit der DAPR möchten wir Qualitätsmaßstäbe setzen und Hochschulabsolventen im Rahmen des Trainee-Programms einen herausfordernden und zukunftsorientierten Einstieg in die Konzernkommunikation ermöglichen. Wir sind überzeugt, dass von der Kombination aus Training-on-the-Job sowie fachlicher Weiterbildung nicht nur die Nachwuchs-Kommunikatoren, sondern auch das Unternehmen Voith profitiert.“

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© CPWISSEN am 23.11.2017 13:55

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