.: Strategie
CMF-Vorsitzender Andreas Siefke

"Am Ende eine positive Bilanz"

Ist das Content Marketing Forum auf dem richtigen Weg? Verbandsaustritte und eine schwierige Gemengelage mit der Deutschen Post als Hauptsponsor lassen Zweifel aufkeimen. CPWISSEN-Chefin Pia Dahlem hakt beim CMF-Vorsitzenden Andreas Siefke nach.

Andreas Siefke
Andreas Siefke ist seit 2010 Präsident des Content Marketig Forums.
Hauptberuflich ist er Mit-Geschäftsführer der Agenturen Bissinger plus und KNSK.


Herr Siefke, beunruhigt Sie die aktuelle Entwicklung im Verband? Der Austritt von zwei wichtigen Mitgliedern, Territory und Journal International, und der Rückzug der Post als Hauptsponsor?

Richtig ist, dass wir im Verbandsalltag, wie übrigens jeder andere Verband auch, Hochs und Tiefs erleben. Allerdings sollte man die einzelnen Ereignisse detaillierter betrachten, bevor man zum aktuellen Stand im Content Marketing Forum eine Bilanz zieht. Denn die fällt am Ende tatsächlich positiv aus. 


Gut, dann fangen wir mit Territory an. Die G+J-Tochter zählt zu den Gründungsmitgliedern. Der Territory-Standort Gütersloh hat bereits 2015, damals noch unter der Firmierung Medienfabrik, den Verband verlassen, weil man sich mit seinen Themen vom Verband nicht mehr ausreichend repräsentiert sah. Jetzt zieht Territory insgesamt nach. Wie gefällt Ihnen das?

Natürlich gefällt mir das nicht und ich bedaure die Entscheidung, muss sie aber akzeptieren. Wir haben uns viel Mühe gegeben, Territory zu halten. Und vielleicht besteht ja die Chance, Territory als Mitglied eines Tages zurückzugewinnen.

Wir sind mit spannenden Playern wie Newcast im Gespräch

 

Territory hätte sich als größter Dienstleister der Content-Branche eine Repräsentanz im CMF-Vorstand gewünscht. War das so schwierig umzusetzen?

Manchmal geht es ja leider nicht nur um Sachfragen, Das Drumherum und Miteinander muss ja auch passen. Und das ist eben leider nicht immer so. Gleichwohl bedaure ich sehr, dass wir hier keine einvernehmliche Lösung gefunden haben.

Nehmen wir gleich noch Journal International als weiteren wichtigen Player und Gründungsmitglied auf Verbandsrückzug mit in die Betrachtung. Fürchten Sie eine Sogwirkung auf weitere Mitglieder?

Ein klares Nein. Diesen Effekt gab es auch schon beim Austritt der Medienfabrik nicht. Im Gegenteil: Das CMF erfreut sich eines wachsenden Interesses unter Agenturen, aber auch weiteren Playern, die wir mit unserer früheren Corporate-Publishing-Zentrierung nicht erreichen konnten. Seit Umbenennung des Verbandes im Sommer 2015 haben wir netto acht neue Mitglieder, aktuell insgesamt 116. Das ist Höchststand seit Gründung im Jahr 1999, und wir sind stolz auf Neumitglieder wie Serviceplan und die NZZ und andere, die sehr breit über alle Kommunikationsdisziplinen hinweg aufgestellt sind.

Darin bestätigt sich klar die Entscheidung zur Neuausrichtung auf Content Marketing. Wir unterscheiden beim CMF übrigens nicht zwischen wichtigen und nicht wichtigen Mitgliedern. Und diese 116 sind uns alle wichtig. Ich bin mehr als zuversichtlich, dass bis zum kommenden BCM im Sommer noch eine Reihe Neumitglieder hinzukommen wird. Wir sind gerade in diesen Wochen mit einigen spannenden Playern wie beispielsweise Newcast in sehr konkreten Gesprächen.

Warum findet in dieser Gemengelage ein Big Player wie Journal International keine Heimat mehr?

Stefan Endrös hat dem Branchenblatt Horizont seine Sichtweise ausreichend dargelegt. Ich kann ihm offen gestanden nicht folgen. Wir haben ihn, das heißt unser Mitglied Journal International, insbesondere während der Neupositionierungsphase des Verbands mehrmals zur aktiven Mitarbeit eingeladen. Teilgenommen hat er nie. Ebenso, wenn ich mich richtig erinnere, an überhaupt keiner Veranstaltung seit mindestens fünf Jahren. Mit Ausnahme der letzten Mitgliederversammlung, in deren Folge er dann seinen Austritt erklärt hat. Wie er dann zu diesen Schlüssen kommt, ist mir ein Rätsel.

Wir wollen die Partnerschaft mit der Deutschen Post inhaltlich neu aufladen

 

Die Attraktivität des Verbands für Neumitglieder wurde in der Vergangenheit wesentlich durch die Big Player bestimmt. Sie galten vor allem kleineren Mitgliedsagenturen als Taktgeber, auch als potenzielle Auftraggeber. Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund den Ausstieg von Territory und Journal International?

Die contentgetriebene Kommunikation ist in einer massiven Umbruchphase. Niemand hat endgültige Wahrheiten für sich gepachtet. Es wird vieles getestet, neue Techniken ausprobiert. Die Großen sind nicht in allen Bereichen führend, vielmehr haben oft kleinere Agenturen spezielles Know-how in Nischen, für das sich auch die Großen interessieren. Denken Sie beispielsweise nur an die Dynamik in den Social Media. So gesehen lösen sich auch hierarchische Denkweisen im Verband zunehmend auf - Denkweisen, die noch aus Zeiten stammen, als die Bedeutung der Mitglieder an ihren Druckvolumina festzumachen war.

Kommen wir zu Leidenspunkt Nummer drei, rein monetär betrachtet wohl eher Nummer eins: der Rückzug der Deutschen Post als Hauptsponsor. Was bedeutet das für den Verband?

Das ist so nicht richtig. Vielmehr sind wir in aktiven Gesprächen mit der Deutschen Post, die wir zum inhaltlichen Neuaufladen unserer Partnerschaft nutzen wollen. Ich halte es für absolut legitim, wenn sich ein so langjähriger Partner mit der Marktentwicklung beschäftigt und diese auch in unserer Zusammenarbeit wiederfinden möchte. Unsere Herausforderung besteht darin, die Schnittmengen unserer Interessen noch klarer zu formulieren.

Wie stark schränken die fehlenden Sponsorengelder die Verbandstätigkeit ein?

In einem Satz: Unser Budget für 2017 steht. Wir freuen uns über eine Reihe Neumitglieder. Zusätzlich arbeiten wir intensiv daran, neue Sponsoren zu überzeugen, was zugegeben kein Kinderspiel ist. Aber wir sind sehr zuversichtlich. Schließlich bilden wir unter den Kommunikationsverbänden inzwischen ein Schwergewicht, was die Mitgliederzahl  ebenso wie die Reichweite unserer Botschaften betrifft. Ein Beispiel: Unser Whitepaper zum Thema Content-Distribution wurde inzwischen mehr als 7.000 Mal heruntergeladen. Und nicht zu vergessen: Mit dem Best of Content Marketing Award richten wir den europaweit führenden Wettbewerb im Content Marketing aus. Bei 250 einreichenden Dienstleistern und Unternehmen und beinahe 800 Gästen ist da auch für die Mitglieder- und Sponsorenakquise noch einige Luft nach oben.

 

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© CPWISSEN am 16.01.2017 16:09

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Kommentar von Holger Koenig |

Lieber André, vielen Dank für diese klaren Worte. Wir sind auf dem absolut richtigen Weg. Vielen Dank auch für deine großartige Arbeit im CMF-Vorsitz. Muss mal gesagt werden.