.: Strategie
Wilfried Lülsdorf

"Digitale Relevanz wird mehr propagiert als produziert"

Wilfried Lülsdorf will als neuer Chefredakteur und Mitglied der Geschäftsführung den Fokus auf die Content-Kompetenz von Muehlhausmoers stärken.

Wilfried Lülsdorf

Wilfried Lülsdorf ist seit kurzem Chief Officer Content und Mitglied der Geschäftsleitung bei Muehlhausmoers in Berlin. Im Interview spricht er über die aktuellen Herausforderungen im Content Marketing – für die Branche und die Agentur.

Herr Lülsdorf, welche Stärken der Agentur möchten Sie ausbauen?
Muehlhausmoers wird meines Erachtens derzeit vor allem als Kreativagentur gesehen. Wir wollen die Stärke als Content-Produzent deutlich sichtbarer werden lassen und die Leistungen quantitativ wie qualitativ weiter ausbauen.

Welches Potenzial sehen Sie für Muehlhausmoers?
Die Branche ist seit ein paar Jahren in Bewegung, vor allem weil große Fusionen und Netzwerke entstanden sind. Viele Kunden aus kleineren Industriezweigen bis hin zu großen Mittelständlern fühlen sich in den ganz großen Netzwerken nicht mehr zu Hause. Da sind sie das 27. Rad am Wagen. Sie wollen aber einen Dienstleister, für den sie wichtig und groß sind, und der sich für sie richtig engagiert. Das ist die Chance für einen Wachstumsschub.

Was ist Content Marketing für Sie?
Ein Label, das irgendwann aufgekommen ist und propagiert wurde, ohne dass klar war, was es wirklich ist. Wenn man zehn Leute fragt, erhält man elf verschiedene Definitionen. Gestritten wird sogar darüber, ob Content Marketing oder Corporate Publishing die übergeordnete Dimension ist. Oder ob es zwei verschiedene Bereiche sind, die eine Schnittmenge haben. Für mich ist Content Marketing das zeitgenössische, um alle medialen Mitteln erweiterte Corporate Publishing. In allen Erzählformen ist das "Blattmachen" gefragt, nur die Produktions- und Evaluationsprozesse unterscheiden sich.

Was hat die Branche signifikant verändert?
Die neuen Technologien. Die Angebots- und Produktvielfalt. Die Fertigungstiefe. Vor allem das Niveau und die Qualität sind sehr viel besser geworden. Früher gab es wilde Sachen, für die viel Geld ausgegeben wurde, und bei denen sich Dienstleister mit schlechter Arbeit die Taschen voll machten. Für solche Titel wollten gute Journalisten nicht schreiben. Das hat sich verändert. Großartige Magazine und pfiffige Innovationen findet man heute eher im CP-Bereich als bei den großen Verlagen. Agenturen haben oft Produktionsbedingungen und Möglichkeiten, die in Verlagshäusern längst weggespart wurden. Kreative Gestalter und tolle Autoren haben heute Spaß, bei uns mitzuarbeiten.

Welche Herausforderungen kommen auf Agenturen wie Muehlhausmoers zu?
Die Relevanz von Digitalem wird in unserer Branche immer noch mehr propagiert als produziert. Das gleiche kreative Potenzial und die gleiche Leistungsfähigkeit zu gewährleisten, wie wir sie im klassischen Print schon lange haben, ist eine Herausforderung.


© CPWISSEN am 27.09.2018 15:01

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