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Ifra World Publishing Expo

Dieter Reichert: "Der Mensch muss sich transformieren"

Die IFRA/DCX Expo vom 9. bis 11. Oktober in Berlin hat mit dem neuen Bereich "Content Services" Verantwortliche für Content in Unternehmen und Agenturen im Blick. Einer der Referenten ist Censhare-Chef Dieter Reichert – mit einem gewagten Blick in die Zukunft. Wir sprachen mit ihm über das Ende der Welt, wie wir sie kennen – zugleich Titel seines Vortrags.

Dieter Reichert, CEO Censhare


Dieter Reichert hat als Mitgründer und CEO die Münchner Censhare vom Anbieter eines Publishingsystems zum Anbieter von Content-Management-Software und einer Digital Experience Plattform weiterentwickelt. Das gleichnamige Produkt Censhare steuert inzwischen in Unternehmen international – unter anderem bei BMW, Dyson, Ikea, Jaguar oder Vitra – die Informations- und Kommunikationsprozesse und lenkt sie in wertschöpfende Kundendialoge. Reichert gilt als Visionär und Wegbereiter einer auf Kommunikation, Kollaboration und gemeinschaftliches Teilen fokussierten Wirtschaft der Zukunft.  


Herr Reichert, der Klimawandel könnte weite Teile dieser Erde für Menschen unbewohnbar machen. Millionen von Menschen suchen nach einem neuen Zuhause in Regionen, die ihnen Sicherheit für ihre Familien versprechen – zum Beispiel in Europa. Die Politik hat darauf bisher keine Antworten gefunden. Wird die Künstliche Intelligenz Antworten finden?

Dieter Reichert: Der Quantencomputer, wie ihn IBM in fünf bis zehn Jahren auf den Markt bringen will, könnte immerhin binnen Stunden das gesamte Wissen der Menschheit zugänglich machen und in Verbindung mit AI interessante Berechnungen sowie die Basis für viele Dienstleistungen übernehmen, die wir heute noch mühsam selbst tun. Selbst wenn es ihn erst in 20 Jahren geben sollte – wer heute unter 70 ist, wird ihn mit großer Wahrscheinlichkeit noch erleben. Der Quantencomputer wird Zusammenhänge sehr viel besser analysieren können als das menschliche Gehirn – vor allem im Kontext von vielen vernetzten Gehirnen – dazu in der Lage ist. Doch auch er hilft uns nicht weiter, wenn die Transformation nicht auch in unseren Köpfen stattfindet.

 

Sie meinen, wir drücken uns vor Antworten, obwohl wir seit 30 Jahren von der digitalen Revolution reden?
Ja, denn wir wagen uns nicht an das eigentliche Thema, um das es geht. Die globalen Herausforderungen von Klimawandel, Migration und Kapitalismus lassen sich nicht mehr zentralistisch lösen, sondern nur noch in einer vernetzten Lösungsarchitektur. Die Grundlage ist längst vorhanden. Wir haben das Internet, nach meinem Verständnis die erste Blockchain überhaupt. Die Quanten-Technologie unterstützt den konsequenten Umbau in eine Wirtschaft, die auf vernetzten, intelligenten Systemen basiert. Das Ergebnis ist eine postmaterialistische Shared Economy, wie wir sie heute schon in Ansätzen erleben. Das eigene große Auto ist bei jungen Leuten nicht mehr wichtig. Autos und Wohnungen werden bereits munter geteilt.

 

Denken Sie an Plattformen wie die von Uber und Airbnb?
Diese Anbieter denken in die richtige Richtung. Aber auch sie funktionieren noch als Silos, die nach den kapitalistischen Grundregeln von Größe, Umsatz und Gewinn die Wirtschaftsmacht zentrieren. Noch mehr die digitalen Blue Chips mit globaler Macht und fast unbegrenzter Finanzkraft wie Amazon, Google, Apple oder Facebook. Doch alle kapitalistischen Strukturen scheitern spätestens an einem Punkt: Wie werden knapper werdende Ressourcen künftig aufgeteilt? Durch Korruption und Macht? Welche Lösungen hat der Kapitalismus noch zu bieten? Vernetzte Systeme dagegen geben uns eine Technik an die Hand, die diese Macht überflüssig werden lässt. Über die Blockchain ließen sich Produkte und Services nach Bedarf von jedem an jedem Ort der Erde abrufen. Angebote, mit denen die Blockchain befüllt ist, beispielsweise zuvor vollautomatisiert in der Industrie 4.0. produziert.

 

Ihr Ausblick in ein postkapitalistisches Wirtschaftssystem lässt Massenarbeitslosigkeit, zusammenbrechende Sozialsysteme und Bürgerkriege befürchten.
Das ist eine durchaus denkbare Variante. Die andere: Der Mensch transformiert nicht nur Maschinen und Technologie, sondern vor allem sich selbst. In einer Welt der Computer, Roboter und vollautomatisierten Maschinen wird er seinen Wert nicht länger in den heutigen Arbeits-Konzepten finden können.

 

Soweit ein Vorgeschmack auf Dieter Reicherts Beitrag am
11. Oktober von 10:45 Uhr bis 11:30 Uhr auf der Content Services and Content Marketing Stage.

Was Sie dort noch erwartet 


DCX Berlin 2018

© CPWISSEN am 21.08.2018 09:15

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