.: Strategie
Autonomes Fahren

Also sprach das Auto

Eine zentrale Frage beim autonomen Fahren ist die nach der Kommunikation zwischen Mensch und Gefährt mit dem Ziel gegenseitigen Vertrauens. Daimler erforscht geeignete intuitive Kommunikationsmittel.

Autonom fahrendes Auto von Mercedes-Benz
Die kooperative S-Klasse informiert Passanten über türkise Lichtsignale, dass das Fahrzeug eigenständig unterwegs ist.

"Menschen müssen schnell und zuverlässig einschätzen können, was ein autonomes Fahrzeug als nächstes tun wird. Das Fahrzeug muss daher in einer Art und Weise über seine Absichten informieren, die der Mensch unmittelbar und intuitiv erfassen kann", so Alexander Mankowsky. Er forscht für Daimler über die Zukunft der Mobilität und stellte bei der Dialogreihe FutureInsight des Autobauers am 21. und 22. November in Berlin das Konzept des Kooperativen Fahrzeugs vor. Empathie und Vertrauen sind demnach wichtige Faktoren für das Gelingen und die Akzeptanz der digitalen Transformation.

Daimlers "Kooperativer" basiert auf einer S-Klasse und verfügt über eine 360-Grad-Lichtsignalisation. Türkise Leuchtbänder in der Windschutzscheibe, im Kühlergrill, in den Scheinwerfern, den Außenspiegeln und im unteren Bereich der Scheiben markieren den autonomen Fahrmodus und informieren so Passanten und den umliegenden Verkehr, dass das Fahrzeug eigenständig unterwegs ist. Ein stationäres Licht zeigt, dass das Fahrzeug im autonomen Fahrmodus ist, unabhängig ob es fährt oder steht.

Schnelles Blinken kündigt an: Ich fahre jetzt los. Die Lichtbänder rund um das Fahrzeug erzeugen ein entsprechendes Lichtsignal. Die Außenspiegel klappen aus, das Heck hebt sich, dann die Front des Fahrzeugs – Bewegungen, die nicht von ungefähr an ein Lebewesen erinnert, das aufwacht und sich räkelt. So soll die Auto-Mensch-Kommunikation für den Menschen intuitiv erfassbar sein.

Leuchten auf dem Dach geben Auskunft über die nächsten Handlungen, die das Fahrzeug vornehmen wird. Langsames Blinken bedeutet Abbremsen. Die Leuchten verfolgen mittels Sensoren zudem die Bewegungen von Menschen am Straßenrand und an der Front, um ihnen zu signalisieren, dass sie vom Fahrzeug wahrgenommen wurden. So wird der natürliche Blickkontakt zwischen Fahrer und Fußgänger nachgeahmt.

In Tests zeigte sich bereits, dass Lichtsignale die Akzeptanz autonom fahrender Fahrzeuge und das Sicherheitsgefühl der Fußgänger stärken – insbesondere in Situationen, wo der Blickkontakt mit dem Fahrer gelernt ist, zum Beispiel beim Überqueren einer Straße. Wird mittels Lichtsignalen der autonomen Fahrmodus kommuniziert, kann sich der Fußgänger auch dann sicher fühlen, wenn die Insassen offensichtlich nicht auf das Verkehrsgeschehen achten. Die Mehrheit der Studien-Teilnehmer bevorzugten übrigens Türkis als Farbe der Lichtsignale, alle Teilnehmer sprachen sich für eine 360-Grad-Anzeige aus.

Dass ein Fußgänger von einem Fahrzeug wahrgenommen wird, kann beispielsweise über "digitales Shadowing" angezeigt werden: Der Schatten eines Fußgängers erscheint auf der Karosserie, sobald ihn die 360-Grad-Sensoren des Fahrzeugs in unmittelbarer Nähe wahrgenommen haben.

In einer Reihe weiterer Projekte arbeitet Daimler ebenfalls daran, Fahrzeuge mit der Umwelt interagieren zu lassen. So gibt es etwa den Ansatz, ein stilisiertes Auge für autonome Fahrzeuge zu nutzen, um Fußgängern eine Alternative zum gewohnten Augenkontakt mit dem Fahrer zu bieten.

Um in der Nietzsche-Terminologie der Headline zu bleiben: Ein Auto für Alle und Keinen.

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© CPWISSEN am 29.11.2018 13:04

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