YouTube und Corporate Videos: kein perfektes Paar
Unternehmen suchen Reichweite für ihre Videos, zugleich aber auch eine qualitativ hochwertige Plattform, um ihre Marke im Bewegtbild optimal zu präsentieren. Mathias Stöbe vom Leitungsteam der Bavaria Film Interactive setzt sich mit Vor- und Nachteilen von YouTube & Co. auseinander.
Sobald sich ein Unternehmen für ein Video zu Marketing- oder Informationszwecken entscheidet und noch bevor die erste Zeile des Briefings oder Storyboards geschrieben ist, folgt stets die selbe Frage: Wie stellen wir den Film online? Gehen wir auf YouTube? Die Antwort in Kurzfassung: Am besten veröffentlicht und verteilt man Corporate Videos zweigleisig:
1. In der Videothek des Unternehmens und
2. Auf YouTube im eigenen Unternehmens- bzw. Projekt-Channel
Die Videothek ist Sammelstelle und Startrampe aller öffentlichen Videos eines Unternehmens. Eine Website für alle, die gezielt nach Videomaterial des Unternehmens suchen, im Gegensatz zum üblichen themenbezogenen Suchvorgang. Diese Website kann zum Beispiel unter Adressen wie video.unternehmensname.de, unternehmensname.de/videos oder unternehmensname.tv gehostet sein. Bei ausreichend Material kann daraus ein eigenständiger WebTV-Kanal werden. Von dieser Sammelstelle aus werden die Video auf thematisch passenden Zielseiten platziert: Corporate Website, Marketing-Microsites, Landing Pages für Mailings, Presse-Seiten oder E-Learning-Plattformen. In der Videothek lassen sich alle Inhalte auch für die Videosuchmaschinen optimal präsentieren. Sie ist die Basis für Video-URLs, RSS/iTunes-Feeds und das Videoplayerhosting.
Für einen schnellen Start der ersten Videos bieten kommerzielle Corporate Video Hoster ihre Publishing-Services. Dazu zählen 23video, Brightcove, Kaltura, MovingImage24, Vimeo Pro (neu!) oder Vzaar. Für 400 bis 800 Euro im Monat ist man mit den wichtigsten Publishing-Funktionen ausgerüstet. Ein Konto ist in wenigen Minuten eingerichtet. Ein paar Minuten später ist das erste Video in die Wolke geladen.
Großunternehmen suchen individuelle Lösungen
Vor allem in Großunternehmen gehen die Ansprüche aber meist deutlich über die Funktionsumfänge der Corporate Video Hoster hinaus, die sich bei ihrem SaaS (Software as a Service)-Modell naturgemäß auf die meistgefragten Funktionen konzentrieren müssen. Großunternehmen benötigen daher hausinterne Server, konfigurierbare Metadatensätze- und -strukturen, Anbindungen an das Content Management System der Corporate Website, Single-Sign-on, Nutzer-/Rechteverwaltungen, ein spezielles Webtracking-Tool, anspruchsvolle Service Level Agreements und haben meist noch viele Sonderwünsche mehr. Man benötigt also Konzepter für die Planung, Entwickler für die Umsetzung und Administratoren für den Betrieb.
Diese individuell konzipierten und betriebenen Corporate Video Websites benötigen dann verständlicherweise auch größere Budgets. Bavaria Film Interactive setzt für solche Projekte seinen Corporate Video Publisher ein, eine Kombination von Software und Services auf Basis des Digital Asset Management Systems der Münchner Flowworks.
YouTube unter der Lupe
YouTube macht dennoch für große wie kleine Unternehmen Sinn. Man sollte sich allerdings konkret mit den Vor- und Nachteilen auseinandersetzen:
Die Vorteile
- Kostenlos (Brand-Channel ausgenommen)
- Zweitgrößte Suchmaschine im Web
- Mit Abstand größte Videosharing-Plattform auf dem Planeten mit einem riesigen Publikum
- Hohe Crossplattform-Kompatibilität (Computer, Smartphones, Tablets & TVs)
- Umfangreiche Social Features: Weiterleiten/ Embedden/ Bewertungen /Kommentieren, Postings auf Twitter, Facebook & Co.
- Guter Funktionsumfang mit Hotspots, automatischen Untertiteln, integrierter Auswertung, Video-Editor
- Look & Feel ist dem User vertraut
- Hohe Innovationsgeschwindigkeit
Die Nachteile
- YouTube wird immer versuchen, die Zuschauer auf YouTube.com zu locken.
- Kein Playerbranding, stark begrenztes Channel-Branding
- Funktional keine Playeranpassung möglich
- Werbeschaltungen
- Die eigenen Videos gehen trotz der vielen YouTube-Zuschauer in der großen Menge der YouTube-Videos unter.
- Kaum kontrollierbares Veröffentlichungsumfeld: wackelige Katzenvideos neben dem Corporate Video?
- Keine mehrstufige/verteilte Nutzer-/Rechteverwaltung fürs Medienmanagement, -veröffentlichung und –auswertung
- Kein Kundendienst
- Kein Video länger als 15 Minuten
- Viele Großunternehmen in Deutschland sperren in ihren Netzwerken mutmaßlich geschäftsfremde Angebote wie YouTube, Facebook oder eBay komplett
- Große Internet Service Provider in Deutschland drosseln generell YouTube-Datenpakete, um die eigenen Netze vor Videolast zu schützen und um Peering-Kosten zu reduzieren. Die Blogger machen ihrem Frust Luft, die Telekom kann bisher nur Besserung geloben. Eigene Erfahrung: Ein YouTube-Video in 720p lädt über einen optimalen VDSL50-Anschluss der Telekom/1&1 in München mit weniger als 2 MBit/s und ist damit so langsam, dass der Player wiederholt zwischenpuffern muss. Dagegen kommt das gleiche YouTube-Video über eine Business-Connection von Versatel mit einer Transfergeschwindigkeit von über 100 MBit/s in wenigen Sekunden im Browser an.
- YouTubes Nutzungsbedingungen, insbesondere 10.1A, vor allem auf Deutsch. Der BegriffNutzerübermittlungen steht für Videomaterial und Kommentare…
Bei Bavaria Film Interactive begleiten wir Unternehmen in die Videoproduktion, indem wir Fragen stellen und konkrete Beispiele zeigen:
Die Checkliste
- Welche Botschaften möchte ich im Video vermitteln?
- Wen möchte ich ansprechen?
- Was möchte ich erreichen/Was erwarte ich?
- Wie will ich das erreichen?
- Wie werde ich das messen/auswerten?
- Auf welchen Kanälen/Events möchte ich Bewegtbild einsetzen?
- Wie und von wem werden die Videos verwaltet?
- Welche Zeit- und Budgetgrenzen habe ich?
- Wie viele Videos beabsichtige ich im Jahr zu produzieren?
Meist ergeben sich daraus eine Reihe weiterer wichtiger Fragen. Kommunikationsziele und Plattformanforderungen greifen ineinander. Danach hat man sicher noch nicht auf alle Fragen eine Antwort, aber doch eine bessere Vorstellung davon, wohin die Reise gehen soll: inhaltlich, organisatorisch und auch technisch.
Fazit: Auf YouTube zu verzichten, ist nicht klug – es als primären oder einzigen Distributionskanal für Unternehmensfilme zu nutzen ebenso wenig.
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© CPWISSEN 12.08.2011 16:00






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