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FIT FOR FUTURE

Atkon: "Wir wollen Visionen aufzeigen"

Axel Siebenkittel, Vorstand Communication bei der Atkon AG, erläutert, wie sich der Dienstleister neuen Herausforderungen stellt. Er bestätigt: NIcht alles ist planbar, und mitunter ergeben sich neue Perspektiven und neue Kunden ganz unerwartet.

Atkon:

Herr Siebenkittel, Sie haben Katar bei der Bewerbung um die Fußball-Weltmeisterschaft mit einer gigantischen Präsentation unterstützt und hoffen jetzt sicher auf Folge-Aufträge. Aber wie kommt eine Berliner Bewegtbild-Agentur zu einem Auftrag aus Katar?
Das war eigentlich ein Zufall und hat mit unseren guten Kontakten zur Deutschen Bahn zu tun...
 
...für die die Atkon ja seit Jahren das Mitarbeiter-TV macht...
Genau. Als sich die internationale Division der Deutsche Bahn 2008 um ein Eisenbahnstruktur-Projekt in Katar bewarb, unterstützten wir sie bei der Präsentation. In einer Halle in Katar wurden Konzeptstrategie und Projekt greifbar und erlebbar. Wir haben Modell-Züge ausgestellt, ein Branding entwickelt und den künftigen Hauptbahnhof in einer riesigen 3-D-Animation projiziert. Die 30-minütige Hauptpräsentation war ebenfalls 3-D-animiert und hat zusammen mit der multimedialen Erlebniswelt den Emir von Katar begeistert.
 
Und die Bahn erhielt den Auftrag.
Ja, und seitdem stehen die Pavillons dort unten und sind auch für uns eine Visiten-Karte. Als es dann die Bewerbung Katars um die Fußball-WM anstand, wurden wir mit über 100 anderen internationalen Agenturen zum Pitch eingeladen. Ziel war ein multimediales Konzept, mit dem sich Katar vor der Fifa-Delegation präsentieren sollte.  
Die Präsentation gewann die Akton und wie wir wissen, ging die Entscheidung der FIFA-Delegation zugunsten des Wüstenstaates aus. Was haben Sie besser gemacht als die anderen Teilnehmer?
Wir haben die Bewerbung in drei Pavillons inszeniert. Jeder hatte einen eigenen Schwerpunkt. Im Eingangs-Bereich wurde die Geschichte des Landes und des Sports in Katar dargestellt. Im dritten Raum fand die Hauptpräsentation statt, wobei die Delegation mithilfe modernster Animations-Technik auf eine Reise in die Zukunft mitgenommen wurde: In einer dreidimensionalen 300-Grad-Präsenstation haben wir fast real alle Stadien inklusive der Projekt-Infrastruktur vorgestellt. Der Erfolg gab uns recht. Delegationsmitglieder versicherten uns, sie hätten so etwas in 30-40 Jahren noch nie gesehen, andere wollten die Präsentation irgendwie mitnehmen und zu Hause zeigen.
 
Hat also vor allem die Präsentation die Entscheidung herbeigeführt?
Neben allen anderen politischen Aspekten hat es sicher dazu beigetragen und darauf sind wir sehr stolz.
 
Und wie geht es jetzt weiter mit der Atkon in Katar?
Da wir beim WM-Projekt direkt mit dem Bid-Komitee gearbeitet haben, mussten wir dort zunächst ein Büro mit zwei Mitarbeitern gründen und hoffen natürlich auf Folge-Aufträge im Zusammenhang mit der Fußball WM. Außerdem haben wir uns schon an ein paar anderen Ausschreibungen beteiligt.
 
Was haben Sie im Umgang mit den Kataris gelernt?
Der Kontakt zur Königsfamilie ist recht unkompliziert. Man hat ein Protokoll, und daran hält man sich. Ganz anders ist es bei der täglichen Arbeit. Bei Verhandlungen beispielsweise wird viel mehr Druck aufgebaut. Da kann es passieren, dass man in ein Szenario gerät, in dem der Verhandlungspartner in feinstem Business-Englisch erklärt, dass Sie mit ihrem Angebot sofort wieder heimfahren können, um Ihnen am Ende aber doch den Auftrag zu erteilen.
 
Nun wird die Vergabe der Fußball-WM nach Katar ja kontrovers diskutiert. Fehlt es hier immer noch an überzeugender Kommunikation?
Sicher, Katar muss jetzt Vorbehalte entkräften und aufklären. Viele Kritiker kennen das Konzept der WM nicht richtig. Tatsächlich werden hier die bislang nachhaltigsten Spiele geplant – völlig CO2-neutral. Die Stadien werden nach der WM verkleinert und an andere Länder verschenkt, sodass keine Bau-Ruinen entstehen. Wir gehören sicher zu den präferierten Partnern für weitere Kommunikationsaufgaben, aber die Entscheidungen sind noch nicht gefallen.
 
Können Sie das Themenfeld der Live-Kommunikation, wie sie es mit den Katar-Aufträgen besetzen, auch für andere Bereiche nutzen?
Das ist tatsächlich eine spannende Frage. Wir sind momentan dabei, einiges zu entwickeln. Live-Kommunikation ist ein weites Feld. Sicher werden wir kein Messebauer, auch klassische Kundenevents wollen wir keine planen. Wir wollen Visionen aufzeigen, eine mögliche Zukunft abbilden.
 
Haben Sie spezielle Branchen im Fokus?
Ein wichtiger Bereich ist der Sport. Jedes Mal, wenn ein Sport-Event vergeben wird, muss der Bewerber ein Bid Book erstellen und präsentieren. Mit Proprojekt wissen wir einen wertvollen Kooperationspartner an unserer Seite. Proprojekt erstellt als Beratungsunternehmen solche Bid Books. Wir werden nun gemeinsam auf den Markt gehen.
 
Und wo sehen Sie eine Zukunft jenseits der Sportevents?
Wir könnten die EXPO-Bewerbung einer Stadt mit einer Live-Präsentation unterstützen. Daneben gibt es, wie beim Bahn-Projekt, große Industrie- und Infrastuktur-Vorhaben, bei denen es um das Sichtbarmachen von Szenarien geht.
 
Hätten Sie mit einer schlüssigen Präsentation die Reaktionen auf Stuttgart 21 verhindern können?
Ob das alle Emotionen geglättet hätte, weiß ich nicht. Aber das wäre sicherlich ein spannendes Beispielprojekt für unsere Live-Präsentations-Kompetenz gewesen.
 
Neben diesen ganz großen internationalen Aufträgen, wie sieht ihre Strategie für den deutschen Markt aus?
Wir wollen bei Unternehmen früher an der Entwicklung von Kommunikationsstrategien beteiligt sein und die Dramaturgie des Storytelling mit beeinflussen. Denn Bewegtbild ist ja nur ein Kanal, der in einen Gesamtplan eingebettet sein sollte. Als Spezialdienstleister müssen wir aufpassen, dass wir nicht zum Ausführer dessen werden, was sich andere ausdenken. Bewegtbild kommt und wir werden immer mehr nachgefragt, aber die Vorgaben sind sehr eng, wenn wir nicht selbst von Anfang an beteiligt sind.
 
Wie wollen Sie das bewerkstelligen?
Ich denke es geht dahin, dass wir uns enge Partner suchen und zusammen mit anderen Spezialisten/Agenturen den Kunden ganzheitliche Angebote machen und sie so auch besser beraten. Wir haben beispielsweise einen sehr guten Kontakt zu KircherBurkhardt, die als Corporate Publisher immer multimedialer werden, E-Papers machen und momentan sehr stark sind bei der Entwicklung von Inhalten für iPad Apps. Das schreit ja geradezu nach Bewegtbild.
 

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© CPWISSEN 14.02.2011 10:00

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