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Barbara Greul, Austrian Airlines

Mehr Mut in der Internen Kommunikation

Barbara Greul, Leiterin der Internen Kommunikation bei Austrian Airlines, zeigt an Beispielen, was authentische Kommunikation mit Mitarbeitern wirklich ausmacht.

 

Barbara Greul

Barbara Greul, Leiterin Interne Kommunikation Austrian Airlines

 

 


 

 

Die eingesetzten Tools:

• Mitarbeitermagazin "we"

• Intranet

• Wöchentlicher Newsletter

• Infomails vom Vorstand

• Führungskräfte-Events

• Mitmach-Aktionen

 

Frau Greul, die interne Kommunikation der Austrian Airlines ist außergewöhnlich – auch schwierige Themen werden offen diskutiert. War das schon immer so? 

Diese neue Ära hat vor etwa drei Jahren begonnen. Damals befanden wir uns in einer schwierigen Situation: Der Flugbetrieb der Austrian Airlines wurde in die Tyrolean Airways integriert, was viele Mitarbeiter sehr verunsicherte. Sie standen vor der Entscheidung, zu Tyrolean zu wechseln oder zu kündigen. Als interne Kommunikation haben wir die große Verantwortung gesehen, diese Phase zu begleiten. Wir starteten eine interne Kampagne, jedes Jahr unter einem neuen Motto. Wir wollten, dass alle den Wert des Unternehmens erkennen. Tatsächlich haben sich viele entschieden, zu bleiben.



Wie kommt das Printmagazin we an?

Nach wie vor sehr gut! Es ist der perfekte Kanal, um unsere Mitarbeiter vor den Vorhang zu holen – mit ihren Fähigkeiten und auch mit ihren Hobbys – und ihnen ein Gesicht zu verleihen. Im Heft haben wir viele Rubriken, in denen es menschelt. Wir wollen den Gedanken transportieren, dass wir eine große Familie sind. Und darin ist Print unschlagbar: Diese starke Bindung zum Unternehmen schafft kein anderes Medium.


Welche digitalen Kanäle kommen zum Einsatz? 

Ein sehr mächtiges Arbeitsinstrument ist für uns das Intranet, das aber keineswegs nur eine statische Infoplattform ist. Es ist wie ein Magazin aufgebaut. Es liefert mit den News des Tages brandaktuelle Informationen und wird von den Kollegen daher auch stark genutzt. Natürlich kommunizieren wir auch viel per E-Mail. Mit dem Update der Woche geht immer freitags ein wöchentlicher Newsletter an die Mitarbeiter. Darin finden sie eine markante Branchenkennzahl plus Zitat eines Kollegen. So zeigen wir auch, wer wofür zuständig ist. Außerdem gibt es Infomails vom Vorstand direkt an die Mitarbeiter.
 

Wie binden Sie das Top-Management ein – und welchen Stellenwert hat die Top-Down-Kommunikation für die Belegschaft?

Gerade in großen Unternehmen ist es immens wichtig, dass die Führungskräfte bei den Mitarbeitern präsent sind, denn sie sind wichtige Multiplikatoren. Manche unserer Teamleiter haben mehrere hundert Mitarbeiter unter sich. Wir bieten ihnen diverse Informations-Werkzeuge an. Das machen wir unter anderem mit Führungskräfte-Events, die wir bereits vor ein paar Jahren implementiert haben. Für unsere Mitarbeiter sind die Veranstaltungen eine gute Gelegenheit, mit den Vorständen zu plaudern und zu diskutieren. Auch bei internen Aktionen ist es wichtig, dass der Chef selbst vorne mit dabei ist. Das motiviert.


Mitmach-Aktionen sind fester Bestandteil Ihrer Internen Kommunikation. Wie gelingt es, Mitarbeiter zum Mitmachen zu bewegen?

Indem man ihnen das Gefühl vermittelt, mitgestalten zu können. Da darf auch ruhig einmal der Spaßfaktor im Vordergrund stehen. Wer das blöd findet, lässt sich ohnehin nicht motivieren. Aber viele beobachten zunächst, ob die anderen mitmachen und ziehen dann auch mit. Und geht ein Plan mal gar nicht auf, folgt bald die nächste Aktion. Wir lassen uns nicht verunsichern. Wenn es allerdings einen inneren Konflikt gibt, bringen aber auch die lustigsten Aktionen nichts.


Zum Jahresbeginn erschien ein Video auf YouTube: Die Belegschaft tanzt Samba. Warum?

Nach den schwierigen Jahren konnten wir 2016 ein erfreuliches Umsatzergebnis erreichen. Das sollte mit einem Event  unter dem Motto Ramba Samba gefeiert werden. Auch weil wir mit der Embraer einen neuen brasilianischen Flugzeugtyp einflotten, der in den kommenden Jahren alle Fokker-Maschinen ersetzen wird. Als Einladung wurde ein Video lanciert: Darin schlürft ein Vorstand einen Cocktail, einer bläst die Trillerpfeife, der dritte tanzt Samba.

Darauf haben wir drei Response-Videos erhalten. Zuerst reagierten die Mitarbeiter der Bodendienste: Sie tanzen in ihren Austrian-Uniformen Samba. Das zweite Video kam von den Technik-Kollegen, die dafür eigens einen Hangar leer räumten. Und fliegende Kollegen schickten Grüße aus aller Welt. Dass sich die Mitarbeiter einbringen und Dinge mitgestalten, wollen wir fördern, das ist ein großer Motivationsfaktor.



Mut wird also in der Internen Kommunikation belohnt?

Belohnt wird man im Endeffekt mit einer besseren Unternehmenskultur, daran glaube ich ganz fest. Authentizität ist entscheidend. Wenn der Vorstand nicht gerne mitmacht oder unglaubwürdig rüberkommt, kann man das alles vergessen. Und man muss behutsam vorgehen. Wenn ein Teil der Belegschaft frustriert ist, werden Stimmen laut, die sagen: Aha, dafür haben wir jetzt aber Geld! Die interne Kommunikation muss immer die aktuelle Situation berücksichtigen.

Das Interview führte Greta Lun

Egger & Lerch gestaltet das Mitarbeitermagazin we für die Austrian Airlines seit 2009. 

 

 

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© CPWISSEN am 24.11.2016 12:23

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