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Gesundheit

TV im Wartezimmer: Niederlage und Erfolg liegen dicht beieinander

48 Minuten sitzt der Patient im Schnitt im Wartezimmer, starrt Löcher in die Luft oder blättert Zeitschriften. Manchmal, wenn auch noch eher selten, kann er sich die Zeit auch mit TV vertreiben. Lästig, meinen die einen. Zukunftsträchtig, sagen die anderen. Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz hat sich aus ihrem TV-Projekt gerade verabschiedet.

TV im Wartezimmer: Niederlage und Erfolg liegen dicht beieinander
Gesundheitstipps von der Mattscheibe: TV im Wartezimmer

Im September kippte die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz das Patienten-TV-Projekt KV TV PRISMA. Ursache war vor allem der mangelnde Zuspruch der Ärzte. Nur 18 hatten sich an dem Projekt beteiligt. Der große angesprochene Rest von Ärzten und Psychotherapeuten lehnte vor allem mit folgenden Gründen ab:

  • Keine "Politisierung" der Wartezimmer
    Die Kassenärztliche Vereinigung wollte das Projekt dazu nutzen, den Patienten eigene Positionen im Rahmen der aktuellen Gesundheitspolitik darzulegen, wofür sich die meisten Ärzte wiederum nicht hergeben wollten.
  • Wartezimmer soll als Ruhe- und Reflexionsraum erhalten bleiben
    Nicht jeder will sich vom Geschehen auf dem Bildschirm ablenken lassen. Wer keinen Zweitraum anbieten kann, verzichtet deshalb oft ganz auf das TV-Angebot.
  • Aufwand-Nutzen-Relation stimmt nicht
    Der mangelnde Zuspruch zeigt, dass diese Relation den wenigsten als vorteilhaft erschien. Die Ärzte zahlten rund 50 Euro pro Monat plus einmalig 1.500 Euro für das Technikpaket mit Flachbildschirm, Wandhalter und Set-top-Box. 

Besser läuft es für TV-Wartezimmer, Freising, trotz höherer Preise. Je nach Paket zahlt der Arzt beim TV-System von Markus Spamer mindestens 139 Euro monatlich. Organisations-unabhängig ist Spamer mit 5.200 installierten Systemen offenkundig erfolgreich. Gerade bemüht er eine aktuelle, repräsentative Studie, um sein Medienangebot als "zeitgemäßes Medium und wichtiges Bindeglied zwischen Arzt, Patient und allen Trägern im Gesundheitssektor" zu positionieren. 

Diese "repräsentative Studie zum Einfluss von Medien auf Patientenbedürfnisse" (EMPAT-Studie) des Deutschen Zentrum für Medizinmarketing beweist demnach: Patienten wollen im Wartezimmer informiert und unterhalten werden. Zwölf Monate lang wurden deutschlandweit 1.476 Patienten vor und nach der Installation von TV-Wartezimmer befragt. Die Ergebnisse:

  • TV-Wartezimmer ist informativ.
    Rund zwei Drittel aller Befragten hatten schon eine Vorstellung von Wartezimmerfernsehen und hielten es für informativ. Nach der Installation von TV-Wartezimmer beurteilten fast 80 Prozent der Patienten Wartezimmerfernsehen als informativ. 
  • Die Wartezeit ist angenehmer 
    Fast identische Zahlen brachte die Frage, ob Wartezimmerfernsehen hilft, die Wartezeit angenehmer zu gestalten: In TV-Wartezimmer-freien Praxen waren bereits 66,6 Prozent  der Patienten überzeugt, die Wartezeit wäre angenehmer mit Wartezimmerfernsehen. Nach der Installation von TV-Wartezimmer stieg diese Zustimmung auf 81,5 Prozent deutlich an.
  • TV-Werbung für medizinische Leistungen im Wartezimmer wird akzeptiert
    78 Prozent der Patienten waren – ohne TV-Wartezimmer in der Praxis – der Meinung, Ärzte könnten mehr tun, um über Behandlungen zu informieren und 74 Prozent meinten, Ärzte sollten stärker für sich werben. Und fast neun von zehn befragten Patienten, die bereits TV-Wartezimmer in der Praxis sahen, stimmten der Aussage "Werbung für medizinische Dienstleistungen und Produkte ist informativ" zu.

TV-Wartezimmer war in die EMPAT-Studie involviert: Das Freisinger Unternehmen stellte den zwölf teilnehmenden Praxen die Bildschirme und Programme kostenlos zur Verfügung. Verantwortlich für Erstellung, Versand und Auswertung der Fragebögen war das Deutsche Zentrum für Medizinmarketing – spezialisiert auf die Analyse des medizinischen Marktes, seiner Produkte, Dienstleistungen und Kunden unter der ärztlichen Geschäftsführung von Prof. Frank Elste. Als Medienpartner beteiligte sich die im Springer-Verlag erscheinende Ã„rztezeitung.  

Fazit: Ärzte sind offenbar einem TV-Angebot aufgeschlossener, wenn der Projektträger frei im Markt agiert und keine politischen Interessen verfolgt. Daneben müssen Angebot und Preis stimmen. TV-Wartezimmer bietet seine Leistungen im modularen Paket. Wer sich beteiligt, kann auf über 400 Beiträge zugreifen. Darüber hinaus produziert TV-Wartezimmer kostenfrei und lässt Ärzte auf Wunsch bei der Entwicklung mitwirken. Alternativ stellt der Anbieter Unterhaltungsprogramme rund um Nachrichten, Wetter, Natur und Reise bereit. Zusätzlich lassen sich eigens auf die medizinische Praxis zugeschnittene Beiträge erstellen und Ärzte können das System von TV-Wartezimmer nutzen, um Patienten das eigene Leistungsspektrum vorzustellen. TV-Wartezimmer refinanziert sich über die eingekauften Leistungen der Praxen ebenso wie über Werbung. 

© CPWISSEN 27.10.2011 09:30

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