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Nachgefragt

"Im Prinzip ist der YouTube Brand Channel kostenlos, allerdings..."

Thomas de Buhr, Head of Media Solutions bei der Google Germany GmbH, erklärt im Gespräch mit CPWISSEN, warum er meint, dass YouTube auch für die Unternehmenskommunikation ein gewaltiger Fortschritt ist.

Thomas de Buhr

Herr de Buhr, YouTube galt lange als Tauschbörse für Videos schräger Sonderlinge. Was bringt YouTube der Unternehmenskommunikation?
Auf YouTube gibt es für Unternehmen die wunderbare Möglichkeit, einen eigenen Kanal zu erstellen, einen sogenannten Brand Channel. Auf diesen Kanal kann das Unternehmen Videos hochladen und sich somit  seiner Zielgruppe unterhaltsam darstellen oder komplexe Themen erklären. Außerdem können Unternehmen gezielt ihre Zuschauer zu diesem Kanal einladen, beispielsweise über die Versendung von Links zu bestimmten Videos per E-Mail.
 
Was ist daran so wunderbar? Das kann ein Unternehmen doch auch mit dem eigenen Videokanal auf der eigenen Homepage.  
Zum einen ist der Rezeptionsmodus auf YouTube ein ganz anderer. Der Nutzer, der eine Unternehmenshomepage besucht, ist im Modus der Informationssuche und will vielleicht etwas über Preise und Materialien erfahren. Auch alle Videos werden dann in diesem Informationsmodus wahrgenommen. Wer dagegen auf YouTube ist, sucht neben Information auch Unterhaltung. In diesem Umfeld können die Videos also ganz anders aufgenommen werden und wirken viel emotionaler. Zum anderen bietet YouTube vielfältige Community-Funktionen für die Interaktion mit den Nutzern. Und schließlich erreicht YouTube ein sehr viel breiteres Publikum. Auf YouTube finden Nutzer ein Unternehmensvideo, wenn sie nach einem bestimmten Thema suchen. Der Videokanal auf der Unternehmenshomepage erreicht dagegen nur die, die das Unternehmen ohnehin schon kennen.
 
Seit letztem Jahr kann man auf YouTube Videos mit AdWords verbinden.
Das ist richtig. YouTube ist heute nach Anzahl der Suchbegriffe die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Mit den gesponserten Videos kann ein Unternehmen seinen Beitrag in der Ergebnisliste vorne platzieren. Ist das Video dann noch mit einem Brand Channel verlinkt, holt das Unternehmen interessierte Nutzer direkt ab.
 
Wie intensiv oder extensiv werden die Brand Channels derzeit genutzt, haben Sie Zahlen?
Dieser Bereich wächst kontinuierlich. Würde ich jetzt eine Zahl nennen, wäre sie morgen schon wieder falsch. YouTube hat eine enorme Masse an Videos und Nutzern. Setzt man die Nutzer in Bezug zu den Einwohnern eines Landes, wäre YouTube bereits das drittgrößte Land der Welt. Auch diese Zahl wächst ständig weiter. Ebenso rasant wachsen auch die Brand Channels.
 
Vielleicht können Sie ein weiteres Rätsel lösen. Kostet der Brand Channel nun etwas oder kostet er nichts?
Im Prinzip ist der Channel kostenlos. Er ist allerdingsmit Werbeausgaben von derzeit 25.000 Euro verbunden. Diese Summe investiert das Unternehmen beispielsweise in gesponserte Videos oder andere Werbeformen auf YouTube, um so den eigenen Channel zu bewerben. Ein gewisses Maß an Promotion ist elementar, um neue Nutzer zu erreichen. Das ist so ähnlich wie mit dem Receiver daheim. Auch wenn er 2.000 Programme bietet, werden immer dieselben 20 genutzt. Da muss Aufmerksamkeit schon gezielt auf neue Angebote gelenkt werden.
 
Hat YouTube auch für die interne Kommunikation etwas zu bieten?
Es gibt die Möglichkeit, gängige, kostenlose User-Channels mit einem Passwort zu schützen und einen Teilnehmerkreis festzulegen. Das wird auch zunehmend von Unternehmen genutzt, beispielsweise für interne Schulungen.
 
Gibt es da keine Sicherheits- oder rechtlichen Probleme, wenn interne Daten auf YouTube abgelegt werden?
Mir ist kein Fall bekannt, in dem es Probleme gegeben hätte. YouTube legt großen Wert auf Datenschutz.
 
In den letzten fünf Jahren seit dem Start der Plattform ist YouTube rasant gewachsen, was prophezeien Sie für die nächsten fünf Jahre?
Ich denke, gerade für Unternehmen gibt es noch sehr viel Potential im Bereich Bewegtbild. Mit den ständig sich verbessernden Internetverbindungen wird sich unser Leben weiter digitalisieren und Informationen über Videos zu verbreiten wird so einfach sein, wie E-Mails zu schreiben, digitale Fotos anzuschauen oder online Straßenkarten zu lesen. Schon heute gewöhnen wir uns daran, Bedienungsanleitungen nicht mehr zu lesen, sondern uns ein sogenanntes Tutorial anzusehen. Solche Anwendungen werden zunehmen, so dass die Bedeutung von Bewegtbild noch erheblich steigen wird.


© CPWISSEN 14.05.2010 12:00

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